Wahlen 2019
Triumph statt Zitterpartie: Der Rutsch nach links ist Realität

SP und Grünes Bündnis dominieren die Nationalratswahlen. Statt zur Zitterpartie gerät Arslans Wiederwahl zum Triumph.

Silvana Schreier
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Jubel bei den SP-Frauen: Tanja Soland löst Eva Herzog im Basler Regierungsrat ab.
33 Bilder
Soland schafft die Wahl in die Regierung im ersten Anlauf.
Das sind die gewählten Basler Nationalräte: Christoph Eymann, Katja Christ, Sibel Arslan, Eva Herzog und Beat Jans.
Für Eva Herzog rückt Mustafa Atici nach.
Er setzt sich knapp vor die Drittplatzierte Sarah Wyss (links hinter Atici).
Sibel Arslan schafft die Wiederwahl.
Katja Christ, GLP, zieht neu ins Parlament.
Sibel Arslan und Hans-Peter Wessels gratulieren Eva Herzog zum Einzug ins Stöckli.
Beat Jans und Eva Herzog.
Eva Herzog
Nationalrätin Sibel Arslan (Bündnis Grüne Basta) wurde wiedergewählt.
Die abtretende Anita Fetz im Wahlforum.
Die unterlegene Nadine Gautschi (FDP) nach der Bekanntgabe des Endresultats für die Regierungsrats-Ersatzwahl.
Nadine Gautschi konnte sich nicht gegen Soland durchsetzen.
Sibel Arslan und Baschi Dürr
Anita Fetz tritt aus dem Stöckli ab. Eva Herzog wird auf sie folgen.
Erleichterung und grosse Freude bei Eva Herzog. Sie ist praktisch gewählt und holt sich den Basler Ständeratssitz.
Das Resultat ist am Mittag nach Auszählung der brieflich Stimmenden bereits deutlich.
Eva Herzog, SP
Katja Christ, GLP
Pascal Messerli und Joël Thüring von der SVP und Patricia von Falkenstein, LDP.
Sebastian Frehner, SVP
Beat Jans, SP
Christoph Brutschin, SP und Martin Vosseler, IP
Die SP betreibt Wahlarithmetik.
Eva Herzog ist die grosse Freude nach dem klaren Ergebnis anzusehen.
Im Regierungsratsrennen liegt Tanja Soland deutlich vorne.
Sie setzt sich deutlich von Nadine Gautschi ab.
Bei den Nationalratswahlen büsst die SVP ein.
So sehr, dass Nationalrat Sebastian Frehner wohl seinen Sitz verlieren wird.

Jubel bei den SP-Frauen: Tanja Soland löst Eva Herzog im Basler Regierungsrat ab.

Roland Schmid

#Linksrutsch. Nicht nur in den sozialen Medien schwimmt dieses Thema oben auf. Die Wahlen zeigen: Der Rutsch nach links ist Realität. Das Grüne Bündnis und die Sozialdemokraten gewinnen deutlich. Die Listenverbindung erzielt 52,4 Prozent, mehr als die Hälfte aller Stimmen. Die Basler SP spricht von einem Resultat mit historischem Ausmass: «Das ist das beste Ergebnis der Linken seit dem Zweiten Weltkrieg», sagt SP-Vizepräsident Beda Baumgartner.

Nachdem die SP in den Nationalratswahlen in den Jahren 2003, 2007 und 2011 an Wählerstimmen verlor, legte die Partei vor vier Jahren wieder deutlich zu. Sie erreichten 31,8 Prozent. Die Sozialdemokraten schaffen es in dieser Wahl, den Wähleranteil mit 31,2 Prozent auf hohem Niveau zu halten.

SP behält Wählerstärke, Grünes Bündnis legt zu

Während die SP also – entgegen dem nationalen Trend – nur kleine Einbussen verkraften muss, geht das Grüne Bündnis in Basel-Stadt als Gewinner hervor. Bei den Nationalratswahlen steigerte sich der Zusammenschluss aus Grünen und Basta von 10 auf 13,6 Prozent. Ein Glanzresultat: «Wir haben uns nicht verdreht – haben das gemacht, was wir schon immer für richtig gehalten haben», sagt Harald Friedl, Präsident der Basler Grünen. «Das wird jetzt belohnt. Das ist eine grosse Befriedigung.»

Gleichzeitig betont er auch, dass in dieser Wahl die gewonnenen Stimmen der Grünen nicht auf Kosten der Sozialdemokraten gingen, wie umgekehrt vor vier Jahren. «In Basel ist die Situation ausserordentlich: Die SP behält ihre Wählerstärke, das Grüne Bündnis legt massiv zu. Das gefällt mir extrem gut», so Friedl. Dazu kommt, dass die Mutterparteien von den guten Resultaten ihrer Unterlisten profitieren konnten.

Das Glanzresultat holte einmal mehr SP-Politiker Beat Jans. Er freue sich über die Wahl. Aber: «Ich freue mich fast mehr für Mustafa Atici als für mich selbst. Denn dies ist die grössere Überraschung, nach all den Jahren, in denen er auf dieses Amt hingearbeitet hat.» SP-Grossrat Atici wird als erster Nachrückender den Kanton Basel-Stadt in Bern vertreten. Er kandidierte bereits zum vierten Mal für das Amt. Nachdem es das letzte Mal knapp nicht gereicht hat, rückt er nun für Eva Herzog nach, die gleichzeitig die Wahl in den Stände- und Nationalrat schaffte.

«Den Entscheid musste ich mir nicht lange überlegen», sagt Herzog. Darum habe sie Atici den Blumenstrauss auch schon weitergegeben. Dieser nimmt minutenlang – umringt von Familie, Freunden und Parteikollegen – Gratulationen entgegen. Trotz den Schweisstropfen auf der Stirn ist ihm die Erleichterung über die geschaffte Wahl anzusehen. «Ich wusste, dass es auch dieses Mal knapp wird», sagt er. Er habe aber immer an seine Themen geglaubt. Atici: «Meine Wähler wissen das und haben es nun honoriert.»

Neben Jans hat auch Sibel Arslan vom Grünen Bündnis die Wiederwahl geschafft. Und zwar deutlicher als erwartet: Mit dem drittbesten Ergebnis zieht sie in den Nationalrat ein – noch vor LDP-Kandidat Christoph Eymann und GLP-Politikerin Katja Christ. «Ich bin erleichtert, dass ich mich jetzt wieder auf meine Arbeit im Nationalrat konzentrieren kann», sagt Arslan. In der Hand hält sie ein halbvolles Champagnerglas, die Sektflasche stand schon eine halbe Stunde vor der Verkündung des Schlussresultats bereit. Ihre und die Wahl von Christ bezeichnet Arslan als Zeichen: «Das ist eine Leistung der Frauen, die im Juni auf die Strasse gingen, aber auch der Jungen, die in der Stadt präsent sind.»

«Eine unglaubliche Delegation»

Während die Mutterparteien die Gewählten feiern, betrachten die Jungsozialisten die Ergebnisse nüchterner. «Es wäre falsch, zu sagen, die SP habe gewonnen und es gäbe einen totalen Linksrutsch. National und auch in Basel-Stadt haben wir Wähleranteile verloren», sagt Hannes Hui von der Juso. Parteikollegin Julia Baumgartner ergänzt: «Wichtig ist nun, dass die SP ihre Arbeit solide weiterführt.»

«Es ist eine unglaubliche Delegation, die Basel nach Bern schickt», fasst SP-Präsident Pascal Pfister zusammen. Das Gesamtergebnis sei für Rot-Grün sehr positiv. «Ich hoffe, es wird Auswirkungen haben auf die Politik in Bern.»

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