An der Mitarbeiterversammlung am Montag platzte die Bombe: 110 Stellen werden am Hauptsitz in Basel gestrichen. Bezogen auf die knapp 500 Mitarbeitenden bedeutet das: Jeder und jede Fünfte muss gehen. Und der Stellenabbau wird Entlassungen zur Folge haben. Wie viel ist noch unklar, eine Zahl wird in zwei Wochen vorliegen.

Die Belegschaft schwankt zwischen Empörung und Depression. Was nicht verstanden wird: Die Geschäftsleitung wird von sieben auf neun Sitze ausgebaut. Schon bei früheren Abbaumassnahmen sei konzeptlos drauflosgeheut worden, meint ein Insider. Suspekt sei auch, dass die Personalchefin durch den Leiter der Informationstechnologie ersetzt werde. «IT in Ehren, aber eine solche Besetzung ist doch unseriös.» So also schätze die Geschäftsleitung den Stellenwert des Personalbereiches ein. Die Leiterin des Personalbereichs habe vor zehn Tagen gekündigt, bestätigt Straumann-Sprecher Mark Hill.

«Schmerzhaft für alle»

«Es ist sehr schmerzhaft für uns alle», sagt Hill. «Wir müssen und zum Teil von langjährigen Arbeitskollegen trennen, die vielleicht sogar unsere Freunde geworden sind. Und das ist wirklich sehr hart. Aber wir mussten einfach etwas tun.» Hintergrund war das schlechte erste Quartal dieses Jahres. Der Umsatz ist nochmals um rund fünf Prozent gesunken; dies nach einem bereits schwächeren Vorquartal. «Wir haben auf eine Erholung der Konjunktur in unseren Märkten gehofft. Diese verzögert sich nun offenbar weiter», so Hill.

«Unsere soziale Verantwortung als Arbeitgeber werden wir selbstverständlich wahrnehmen», versprach CEO Marco Gadola. Das Amt für Wirtschaft und Arbeit wurde eingeschaltet, seit gestern läuft die bei Massenentlassungen vorgeschriebene Frist von zwei Wochen, während derer die Mitarbeitenden Optimierungsvorschläge einbringen können. Nach einer Vernehmlassung mit der Geschäftsleitung können die Kündigungen ausgesprochen werden. Am 27. Mai folgt eine nächste Mitarbeiterorientierung. Vom Abbau nicht betroffen seien die kundennahen Bereiche (Verkauf) und die Entwicklung.

Tatsächlich wird die Geschäftsleitung erweitert. Allerdings seien die neuen Mitglieder bereits vorher in leitenden Funktionen tätig gewesen. Die Umstrukturierung der Führung sei sehr komplex. Das Ziel der Reorganisation sind schnellere Entscheidungswege und eine verbesserte Marktnähe. Unter anderem gibt es neu vier statt drei Länderbereiche.

25 Millionen Einsparung

Der Stellenabbau dürfte rund 18 bis 20 Millionen Franken kosten. Die jährlichen Einsparungen der neuerlichen Reorganisation schätzt der Konzern auf etwa 25 Millionen. Die Basler Regierung bedauert in einer Mitteilung den erneuten Stellenabbau bei Straumann. Sie fordert die Prüfung von Alternativen zu Entlassungen und einen grosszügigen Sozialplan. Das kantonale Amt für Wirtschaft, Soziales und Arbeit werde darauf hinwirken, dass es möglichst wenige Kündigungen gibt. Die Straumann-Aktie verlor in einem leicht steigenden Markt am Dienstag 1,1 Prozent. Börsenanalysten waren von den Resultaten des ersten Quartals ebenfalls enttäuscht.