Ozeanium
Trotz anonymer Spende: Über den Berg ist der Zolli noch nicht

Ein anonymer Spender schenkt dem Basler Zoo 30 Millionen Franken. Zusätzliche 10 Millionen sind bereits zusammengekommen. Verwaltungsratspräsident Martin Lenz ist zuversichtlich, dass weitere Spenden eingehen werden. Das Ozeanium kostet 100 Millionen

Muriel Mercier
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In Basel wächst ein Korallenriff
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Ein Schwerpunkt im «Seacliff» werden die Korallenriffe sein.
Es werden im Vivarium bereits heute 20 bis 30 Arten gezüchtet.
In den kommenden Jahren werden weitere Arten hinzukommen.
Weil in Aquarien die natürlichen Abbauprozesse fehlen wachsen Korallen viel schneller als in der Natur.
Ziel ist es, dass der Zoo Basel bis zur Eröffnung des Ozeaniums mindestens die Hälfte der Korallen selber züchtet.
Im Ozeanium werden spektakuläre Quallen-Aquarien mit bis zu 1000 Tieren zu sehen sein.
Der Zoo Basel will die Ohren- und Spiegeleiquallen dafür selbst züchten.

In Basel wächst ein Korallenriff

Zoo Basel

Herr Lenz, mit den 30 gespendeten Millionen für das Ozeanium ist ein gutes Drittel der Finanzierung gesichert. Wie gross ist Ihre Erleichterung?

Martin Lenz, Verwaltungsratspräsident des Zoo Basel

Martin Lenz, Verwaltungsratspräsident des Zoo Basel

Zoo Basel
Im Jahre 2020 soll das Ozeanium auf der Heuwaage seine Türen öffnen. Aussenansicht
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Das Ziel der Projektträger des Basler Zoo ist klar: Es wird ein Zentrum für Umweltbildung entstehen, welches ein markantes Zeichen setzt für Naturschutz und Nachhaltigkeit. Eingang
Der Zoo Basel wird die Finanzierung und den Betrieb ohne jede behördliche Unterstützung sicherstellen. Quallen-Aquarium
Das geplante Ozeanium wird reich sein an Attraktionen. Schwarm-Aquarium
Spektakuläre Aquarien mit Korallenriffen... Korallen-Aquarium
...eine faszinierende Abfolge von Lebensräumen, von denen jeder seine eigene Geschichte hat... Korallen-Aquarium
...eine endlos lange Schwimmbahn für Pinguine... Pinguine von unten
...Schwärme von Leuchtfischen... Schwarm-Aquarium
..Haie, Seeotter und ein spektakulärer Riesenoctopus werden alle Platz finden. Offener Ozean Aquarium
Der Zoo Basel sieht das Ozeanium als perfekte Ergänzung zum bestehenden Vivarium. Offener Ozean Aquarium
Das Ozeanium wird so wenig Energie, wie nur möglich, verbrauchen; alle Ressourcen werden mehrfach genutzt. Längsschnitt
Neben Solaranlagen und der Abwärme von Pumpen wird auch die Abwärme der Besucher rezykliert. Querschnitt
Die Erstellungskosten werden knapp über 100 Millionen Franken betragen. Querschnitt
Das Geld soll vor allem über Spenden zusammenkommen. Querschnitt

Im Jahre 2020 soll das Ozeanium auf der Heuwaage seine Türen öffnen. Aussenansicht

Zur Verfügung gestellt

Über den Berg sind Sie aber lange nicht. 60 Millionen, also etwa zwei Drittel, fehlen noch zur Finanzierung.

Uns ist bewusst, dass wir noch einen grossen Schritt gehen müssen. Unser Ziel ist es, das Projekt selber stemmen zu können. Eine finanzielle Unterstützung des Kantons steht nicht zur Diskussion. Wir führen Gespräche mit Stiftungen, geben die Resultate aber natürlich erst bekannt, wenn wir eine Zusicherung über allfällige Spenden haben. Aber ich bin zuversichtlich, dass wir die nötigen 100 Millionen bis zum Bau des Ozeaniums zusammenbekommen, zumal wir mit der Spendensuche erst gerade begonnen haben.

Sie haben auch Gegner. Die Fondation Franz Weber möchte den Bau des Ozeaniums gar verhindern und stellte letztes Jahr ihr Projekt «Vision Nemo» vor. Die Besucher sollen die Geschichte und die Bedeutung des Meeres anhand von Filmen anstatt lebender Tiere kennen lernen. Was sagen Sie zu diesem Vorschlag?

Wenn man den Menschen Wissen vermitteln will zum Lebensraum Ozean, kann man dieses nicht nur anhand eines Filmes tun. Das ist, als würde man eine Reportage im Fernsehen schauen. Reportagen sind sicherlich interessant. Eins-zu-eins den Ozean erleben zu können, ist jedoch eine ganz andere Vermittlung von Wissen und Bildung. Ein Argument der Fondation Weber ist zudem die ungenügende tierschutztechnische Handhabe des Zolli im Ozeanium. Es ist aber zum Beispiel falsch, dass die Tiere beim Transport nach Basel sterben. 99 Prozent der vom Zoo Basel gekauften Fische überleben die Reise. Und der grösste Teil der Tiere wird hier älter als in freier Natur. So schlecht kann der Zoo Basel seine Arbeit also nicht machen.

Können Sie verstehen, dass sich auch Tierschützer gegen das Ozeanium wehren?

Der Zolli wird das Ozeanium wissenschaftlich betreiben und alles daransetzen, dass es den Tieren gut geht. Die Meeresbewohner werden artgerecht gehalten. Es gibt sicherlich schlechte Beispiele von Ozeanium-Betreibern, die den Richtlinien internationaler Organisationen, die sich mit dem Schutz der Ozeane befassen, nicht folgen. Bei uns steht aber kein Investor dahinter, der schnelles Geld verdienen möchte.

Sie sind Verwaltungsratspräsident des Zolli. Warum engagieren Sie sich für ihn und seine Grossprojekte?

Mein Engagement ist eine Herzensangelegenheit. Wohl dieselbe wie für die vielen Menschen, die uns Geld spenden. Tiere zu züchten und zu pflegen, gehört natürlich nicht zu meiner Materie. Das ist auch nicht meine Aufgabe, denn dafür haben wir hier Spezialisten. Meine Aufgabe ist es, zu orchestrieren, dass der Betrieb weiterhin funktioniert.