Hotellerie
Trotz Baselworld sind noch viele Hotelbetten frei

Viele Chinesen sehen offenbar von einer Reise nach Basel ab. An den teuren Hotelpreisen solle es nicht liegen, sagen Beobachter.

Andreas Fahrländer
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Warum kommen die Chinesen nicht mehr so zahlreich nach Basel an die Messe?

Warum kommen die Chinesen nicht mehr so zahlreich nach Basel an die Messe?

KEYSTONE

In den letzten Jahren verkündete Basel Tourismus während der Baselworld immer die gleiche Sentenz: «Die Stadt ist voll.» Sämtliche Hotels der Stadt waren ausgebucht, in den besseren Restaurants war kaum ein Platz frei. Dieses Jahr stellten manche Aussteller indes fest, dass man relativ gut Platz finde in den Lokalen. Auch Hotelzimmer seien noch zu haben.

Baselworld-Chefin Sylvie Ritter sagte kürzlich dazu im Interview mit der bz: «Man kann das dahingehend interpretieren, dass die Aussteller kostenbewusster geworden sind. Die Hotelpreise sind während der Baselworld in Basel immer noch sehr hoch.» Ist die Messechefin gar der Ansicht, die Hotels hätten den Markt ausgereizt? «Die Preise, die während der Rekordjahre bezahlt wurden, werden infrage gestellt, ja.»

In der Luxushotellerie gibt es derweil keinen Grund zu klagen. Caroline Jenny vom Grand Hotel Trois Rois sagt: «Wir haben pro Messe jedes Jahr 3000 Anfragen – und wir haben 101 Zimmer.» Die Anfragen würden alle etwa acht Monate vor der Baselworld bearbeitet, die Gäste des Trois Rois seien zu 99 Prozent Stammgäste. Das Hotel ist Jahr für Jahr ausgebucht. Aber auch das kürzlich eröffnete 2-Sterne-Hotel Ibis Budget am Grosspeter ist während der ganzen Messezeit voll belegt. Laut David Weber, Sprecher des Basler Hotelier-Vereins, ist die Nachfrage an Übernachtungen im Vergleich zu früheren Jahren etwas geringer. «Aus China etwa und überhaupt aus dem asiatischen Raum besuchen dieses Jahr kleinere Delegationen die Baselworld, die auch weniger lange bleiben als in früheren Jahren.» Grund dafür sei die Weltwirtschaftslage, insbesondere die schwierige Wirtschaftslage in China. Die Unternehmen seien dadurch kostenbewusster geworden.

Airbnb ist keine Konkurrenz

Die Vermietung von Privatunterkünften während der Messe, etwa über die Onlineplattform Airbnb, sei dagegen keine gravierende Konkurrenz für die Basler Hotels. Private Anbieter habe es schon immer gegeben, betont Weber. Auch die Zahl der Hotelbetten habe in den letzten Jahren zugenommen.

Urs Hitz, langjähriger Direktor des Hotels Hilton, ist heute Leiter der Ombudsstelle des Basler Hotelier-Vereins. Er hat bisher von Ausstellern, Messegästen und Hoteliers nur positive Reaktionen erhalten. «Die Hotels sind gut gebucht und die Stimmung ist gut.» Es habe dieses Jahr eine gewisse Beruhigung auf dem Markt gegeben, man finde in der Innenstadt wieder leichter ein Hotelzimmer. Das habe auch mit den zwölf Hotelschiffen zu tun, die am Rheinufer festgemacht haben. Insgesamt sei die Messe für die Hotellerie eine «super Sache», sagt Hitz. «Die Baselworld trägt den Namen der Stadt in die Welt hinaus.»

Zufriedene Wirte

Auch Charlotte Bleile, Wirtin im St. Alban-Stübli ist sehr zufrieden: «Ich habe in meinem Restaurant vor allem Stammgäste während der Messe.» Bleile legt Wert darauf, sich für die Gäste Zeit zu nehmen. Auch sie habe zwar dieses Jahr weniger asiatische Kundschaft, und wenn, dann nur kleinere Gruppen. Die Schweizer Uhrenhersteller würden ihre Tische aber wie gewohnt weit im Voraus reservieren. «Wir wollen die Gäste gut bedienen, dann kommen sie auch nächstes Jahr wieder.»

Maurus Ebneter, Vorstand des Wirteverbandes Basel-Stadt, betont die grosse Bedeutung der Uhren- und Schmuckmesse für die Gastroszene. «Die Baselworld ist enorm wichtig für die Basler Gastronomie. Mir hat zwar jemand gesagt, es würden dieses Jahr nicht mehr ganz so viele teure Weine verkauft.» Die Baselworld sei aber für die Restaurants nach wie vor die mit Abstand wichtigste Zeit des Jahres – wichtiger noch als die Fasnacht.