Die Aufregung war gross. Am Montag trat die Kantonspolizei Basel-Stadt mit der Bitte an die Veranstalter der Podiumsdiskussion «Basel im Gespräch» heran, die für den 14. November geplante Ausgabe mit dem Titel «Islam. Zukunft. Schweiz» abzusagen. Der Grund: Die unterschiedlichen Gruppierungen würden massiv mobilisieren und es sei zu befürchten, dass die Anhänger der Podiumsteilnehmer bewaffnet in die Elisabethenkirche kommen könnten. Gestern entschieden die Veranstalter, zu denen auch die bz gehört, nach Rücksprache mit der Polizei und dem Präsidialdepartement, dass das Podium trotzdem stattfindet. Allerdings mit verschärften Sicherheitsmassnahmen. Es werden Einlasskontrollen durchgeführt. Alles, was grösser als DinA4 ist, darf nicht mit in die Kirche gelassen werden.

«Ich habe Vertrauen in die Arbeit der Polizei. Dass es Drohungen gibt, ist zwar sehr schade, aber wir dürfen uns davon nicht einschüchtern lassen. Es gibt gewisse Themenfelder, die kontrovers diskutiert werden müssen. Dazu gehört auch der Islam», sagt Yavuz Selim Tasoglu, Mitglied der Basler Muslim Kommission und einer der vier geladenen Gäste.
Auch Kerem Adıgüzel, Redaktor bei «Al Rahman», sieht dem Podium trotz der Befürchtungen im Vorfeld entspannt entgegen. «Die Polizei wird ihren Job erledigen. Die Bedrohungen zeigen doch die Notwenigkeit für den Dialog auf. Die Leute sollen sehen, dass anderer Meinung zu sein, keine Bedrohung darstellt», sagt Adıgüzel. Deswegen sei es wichtig, das Podium wie geplant durchzuführen.

Adıgüzel vertritt wie die ebenfalls geladene Seyran Ates einen offenen Islam. Am vergangenen Wochenende waren die beiden am Zürcher Denkfest zu Gast, wo es zu einem Zwischenfall kam.

Wie Adıgüzel erzählt, wurde Ates dort von einem Besucher verbal attackiert. «Von einer direkten Drohung kann nicht die Rede sein. Dennoch zeigt dies den Bedarf auf, die Wogen glätten und miteinander reden zu müssen, um die Aufklärung voranzutreiben», sagt Adıgüzel.

Attentat und Morddrohungen

Für Seyran Ates sind Verbalattacken und Drohungen leider nichts Neues. Die Aktivistin und Menschenrechtlerin entging bei einem Attentat auf ihre Person im Jahr 1984 nur knapp dem Tod. Auch heute benötigt die 54-jährige Deutsch-Türkin Personenschutz. Nachdem sie im Juni eine liberale Moschee für alle – unabhängig von Glaube, Geschlecht und sexueller Orientierung – gegründet hatte, erhielt sie Morddrohungen. Deswegen sind Auftritte von Ates mit einem erhöhten Sicherheitsbedürfnis gekoppelt.

Rebecca Jahn, eine Sprecherin von Ates geht aber davon aus, dass sich die Befürchtungen der Basler Polizei nicht bewahrheiten. «Wir sind momentan nicht akut bedroht, trotzdem wird Frau Ates weiterhin von Bundespolizisten geschützt. Die Polizei in Berlin ist über die befürchteten Ausschreitungen an ‹Basel im Gespräch› informiert und in Kontakt mit der Basler Polizei. Stand jetzt wird Frau Ates trotz der Drohungen nach Basel reisen und am Gespräch teilnehmen.

Der vierte Podiumsteilnehmer Muris Begovic von der Vereinigung der Islamischen Organisationen Zürich möchte sich zu den Drohungen nicht äussern, um kein weiteres Öl ins Feuer zu giessen. Doch auch er vertraut der Einschätzung der Polizei und wird am brisanten Podium teilnehmen.