600 Jugendliche konnten bis heute im Kanton Basel-Stadt einen Lehrvertrag für die Zeit ab August abschliessen. Dieser Zahl gegenüber stehen derzeit 715 noch zu besetzenden Lehrstellen in 81 Berufen, die im Lehrstellennachweis beider Basel im Internet ausgeschrieben sind.

«Beide Zahlen sind ein wenig höher, als diejenigen vom Vorjahr», sagt René Diesch vom Erziehungsdepartement, wo er stellvertretender Leiter des Bereichs Mittelschulen und der Berufsbildung ist. Grundsätzlich sei die Zahl der abgeschlossenen Lehrverträge in den letzten Jahren weitgehend konstant geblieben. Bei Lehrlingen besonders beliebt sind kaufmännische Berufe oder solche in der Metall- und Maschinenbranche. Auch gut weg kommen Berufe im Verkauf und im Gesundheitswesen.

Begabte Lehrlinge gesucht

Ein Problem der Lehrbetriebe ist, dass viele Schüler nach den obligatorischen Schuljahren direkt weiter ins Gymnasium wollen. Das ist vor allem für Betriebe im technisch-industriellen Bereich schwierig, sagt Melina Baumgartner von der Handelskammer beider Basel. Denn für diese Lehrstellen – dazu gehören Polymechaniker, Informatiker oder Konstrukteure – würden schulisch leistungsstarke junge Leute mit handwerklichem Geschick gesucht. «Es ist sehr schwierig, für diese Jobs passende Lehrlinge zu finden», sagt Baumgartner. Sie glaubt, dass solche Lehrstellen noch zu wenig bekannt sind und darum viele Schulabgänger gar nicht wissen, dass es viele attraktive Jobs gibt, für die kein Studium notwendig ist. Darum bemüht sich die Handelskammer beider Basel darum, Schulabgängern eine Lehre schmackhafter zu machen. Ein Beispiel dafür sind die Berufsbesichtigungen in der Logistikbranche, welche diese Woche stattfinden.

Auch Diesch findet es wichtig, Schülern früh die Vielzahl an Möglichkeiten aufzuzeigen, die sie nach Abschluss ihrer obligatorischen Schulzeit haben. Derzeit arbeite man daran, dass der Berufswahlunterricht auf allen Schulstufen und in allen Leistungsniveaus optimiert werde. «Alle Schüler sollen sich überlegen, welche Fähigkeiten und Interessen sie besitzen und wie sie diese nutzen möchten. Eine akademische Karriere ist dabei eine, aber nicht die einzige Option.» Diesch appelliert auch an die Vertreter der Wirtschaft. Einerseits sollen weiterhin Lehrstellen geschaffen werden und andererseits müssen diese auch populärer werden. Die Jugendlichen und ihre Eltern müssen noch vermehrt erfahren, dass die Wirtschaft junge Berufsleute braucht. «Wir befinden uns auf einem guten Weg, aber damit die Zahl der Lehrlinge weiter wächst, bleibt noch viel zu tun», so Diesch.

Denn aktuelle Zahlen zeigen, dass nirgends in der Schweiz so viele Schüler ins Gymnasium übertreten wollen, wie in Basel. Laut Diesch probieren 40 Prozent aller Schulabgänger den gymnasialen Weg einzuschlagen. Von den restlichen 60 Prozent absolviert die Hälfte das zehnte Schuljahr und nur etwa 20 Prozent wechselt direkt in eine Berufsausbildung. Trotzdem, Diesch zieht aus der bisherigen Entwicklung dieses Jahres eine positive Bilanz: «Ganz langsam ist erkennbar, dass die Zahl der Lernenden und diejenige der Lehrstellen noch weiter zunehmen wird.»