Basler Verkehrs-Betriebe

Trotz heftiger Kritik sieht BVB-Spitze keinen Grund für einen Kurswechsel

Aus Sicht von BVB-Direktor Erich Lagler ist alles richtig aufgegleist.

Aus Sicht von BVB-Direktor Erich Lagler ist alles richtig aufgegleist.

Offiziell nimmt die BVB-Führung die Feststellungen der Geschäftsprüfungskommission ernst und will «die Anregungen umsetzen». Intern aber tönt es anders.

«Der eingeschlagene Weg ist richtig.» Davon scheint die Spitze der Basler VerkehrsBetriebe (BVB) überzeugt zu sein. Und so hat sie auch eine interne «Kader-Info» betitelt, welche sie diese Woche an ihre Kadermitarbeiter verschickt hat. Das Schreiben bezieht sich auf einen Informationsanlass vom letzten Freitag. Thema: Der kritische Bericht der Geschäftsprüfungskommission (GPK) des Grossen Rates. Neben dem umstrittenen Zahlungsversprechen über eine Million Euro für die Verlängerung der Tramlinie 3 hatte die GPK vor allem die autoritäre Führung im Fokus sowie einen beinharten Sparkurs, der weit über Regierungsvorgaben hinaus geht und das BVB-Personal stark verunsichere.

GPK-Empfehlungen: Die Kritik scheint die BVB-Spitze allerdings nicht allzu sehr zu beeindrucken. Gemeinsam mit dem interimistischen Verwaltungsratspräsident Kurt Altermatt sowie Vizepräsidentin Mirjam Ballmer schwor BVB-Direktor Erich Lagler am Freitag die anwesenden rund 60 Kadermitarbeitenden auf die bisherige Strategie ein. Die ersten GPK-Empfehlungen nach den BVB-Skandalen von 2013 seien «inzwischen vollständig umgesetzt». Und der aktuelle Bericht enthalte keine neuen Empfehlungen an die BVB. Ergo: Der eingeschlagene Weg sei richtig, betonte Altermatt. Die GPK sieht das etwas anders. So hatte Kommissionspräsident Tobit Schäfer bei der Präsentation des Berichts von Ende Juni festgehalten, dass bis heute nicht alle Empfehlungen umgesetzt seien. Explizit sagte er etwa, an der BVB-Führungskultur habe sich seither «leider wenig geändert». Der BVB-Verwaltungsrat hat denn auch versprochen, bis Ende August ein Massnahmen-Paket vorzulegen.

«Autoritäre Führung»: Bis jetzt scheint die BVB-Führung allerdings wenig Grund zu sehen, tatsächlich etwas zu ändern: «Die konsequente Umsetzung und Einhaltung von Gesetzesvorschriften mussten teilweise direktiv angeordnet und in kürzester Zeit sichergestellt werden», verteidigt Direktor Lagler gegenüber den Kadermitarbeitern die «autoritäre Führung». Und: «Mit der Führung steht und fällt der Erfolg oder Misserfolg jedes Unternehmens.» Dennoch macht auch die Unternehmensleitung noch Verbesserungspotenzial aus: Nach der Geschäftsleitung und dem oberen Kader sollen nun alle Führungspersonen ein «intensives Führungstraining» absolvieren.

Sparprogramm: Bisher lässt die BVB-Spitze auch keinerlei Anzeichen erkennen, von ihrem höchst umstrittenen Effizienzsteigerungsprogramm «Avanti» abrücken zu wollen. Mit diesem will sie innerhalb von vier Jahren 20 Millionen Franken einsparen. Auch das ist von der GPK kritisch hinterfragt worden. Denn von der Regierung als BVB-Eigner wurden höchstens vier Millionen vorgegeben. «Dass wir uns finanziell weiterführende Ziele setzen, kommt daher, dass wir im Vergleich mit anderen städtischen Transportunternehmen wettbewerbsfähig sein müssen», schreibt Lagler in dem internen Informationsblatt. Dieses Ziel sei von der Eignerstrategie vorgegeben.

Kommunikativ aber scheint auch die BVB-Spitze noch Verbesserungspotenzial zu sehen: «Erich Lagler würde heute nicht mehr das Effizienzsteigerungsziel von 20 Prozent in den Vordergrund stellen.» Unter dem Strich aber sei der eingeschlagene Weg notwendig und richtig. In einzelnen Bereichen hinterfragt BVB-Direktor Lagler aber das angeschlagene Tempo: «Je langsamer die Entwicklungsschritte vonstattengehen, desto später werden wir wettbewerbsfähig.»

Mitarbeiterzufriedenheit: Gerade das laufende Sparprogramm sorgt intern für Ängste und ein schlechtes Betriebsklima. Die GPK wies in ihrem Bericht eindringlich auf die grosse Unzufriedenheit hin. Die Regierung als Eigner sollte das Problem möglichst rasch angehen, empfiehlt die parlamentarische Kommission. Die BVB-Spitze scheint da weniger dringenden Handlungsbedarf zu sehen: Die BVB befinde sich in einer Phase des Umbruchs mit diversen Reorganisationen und Veränderungen. Das beeinflusse die Zufriedenheit. Lagler will deshalb erreichte Erfolge «besser kommunizieren und feiern». Auch müsse das Kader bei Entscheiden mutiger werden. Jeder Mitarbeitende solle die kontinuierlichen Fortschritte spüren.

Kommunikationskultur: Lagler möchte eine «offenere und transparentere Kommunikationskultur», wie er schreibt. Die Kommunikation sei massgebend für die Stimmung. Die BVB wollte das interne Schreiben gestern dennoch nicht kommentieren.

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