Alexander Maas kümmert sich um die Wirtschaftsförderung für die beiden an die Schweiz angrenzenden Landkreise Waldshut und Lörrach. Von seinen Problemen dürften andere Wirtschaftsförderer träumen: «Wir haben sozusagen Vollbeschäftigung. Der Arbeitsmarkt ist leergefegt», erklärt er. Das fünfte Jahr in Folge sei die Arbeitslosenquote gesunken. «Im Moment liegt sie unter drei Prozent.»

Das hat nicht nur positive Konsequenzen: Die Unternehmen finden keine Fachkräfte mehr. Früher habe es geheissen, wenn ein Betrieb niemand einstellen könne, wachse er nicht mehr. «Heute sagen die Unternehmer, wenn ich nicht bald zwei Leute finde, muss ich weniger produzieren,» so Maas.

Laut Uwe Schirmer von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Lörrach betrifft der Fachkräftemangel 65 Prozent der Betriebe. «Angespannt ist die Lage bei den Metallfach- sowie Pflegekräften, der Hotellerie und Gastronomie, den Spediteuren und den Mint-Berufen.» Mint steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Am Mittwoch moderiert er ein Podium mit Unternehmensvertretern, das im Rahmen der Veranstaltung «Arbeitskräfte aus dem Ausland gewinnen» auf Schloss Beuggen in Rheinfelden (D) stattfindet. Ein Thema wird dabei auch sein, wie deutsche Grenzgänger, die in der Schweiz arbeiten, trotz der höheren Löhne zurück gelockt werden können.

Tatsächlich gibt es einige Argumente, die für die Anstellung in Deutschland sprechen: «Der Jahresurlaub ist länger, Kündigungsschutz und Elternzeit sind besser, die Wochenarbeitszeit beträgt statt 42 Stunden in der Schweiz in Deutschland 37 oder 38 Stunden,» sagt Schirmer. Zudem: In Deutschland beteiligt sich der Betrieb hälftig an den Kosten für die Krankenversicherung.

Schweizer werden bevorzugt

Maas hört oft, dass sich deutsche Mitarbeiter bei der Besetzung von Führungspositionen übergangen fühlen, weil statt ihnen Schweizer die Stelle erhalten. «Sie entscheiden sich dann, nach Deutschland zurückzukehren.» Er sagt auch: «Leute über 55 sind in Südbaden in dem Moment gefragt, wenn man sich über den Lohn einigen kann.»

Eine aktive Kampagne für die Rückkehr nach Deutschland ist nicht vorgesehen. Maas setzt auf Fairness: «Es bringt nichts, wenn es der Schweiz oder Deutschland schlecht geht.» Schliesslich sei nicht zu vernachlässigen, dass die Grenzgänger ihr in der Schweiz verdientes Geld in Deutschland ausgeben.

Aber auch ohne Kampagne bewegt sich etwas. Maas beobachtet regelmässig die Grenzgängerzahlen. Aus dem Landkreis Lörrach arbeiteten 2017 rund 22 000, aus dem Landkreis Waldshut 14 700 Grenzgänger in der Schweiz. Die Zahlen aus Waldshut gingen leicht zurück, die aus Lörrach stagnierten. Die letzten Zahlen zeigen auch dort eine abnehmende Tendenz.

Dennoch sagt Maas: «Insgesamt lockt die Schweiz weiterhin.» Gerade für jüngere Arbeitnehmer sei das höhere Lohnniveau ein wichtiges Argument.» In Südbaden führt das auch dazu, dass die Zahl der Existenzgründungen und Start ups gering ist. «Die Hürde dafür ist aufgrund der guten Jobs in der Schweiz hoch.»

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