Mobilität

Trotz Klimadebatte: SUVs und Offroader erleben in Basel einen Boom

Die Zahl der SUVs und Offroader ist in den letzten Jahren stark angestiegen. (Symbolbild)

Die Zahl der SUVs und Offroader ist in den letzten Jahren stark angestiegen. (Symbolbild)

VW Tiguan, BMW X5 oder Nissan Qashqai – Offroader und SUVs haben sich in den letzten Jahren in Basel vervielfacht. Die rot-grüne Mehrheit der Umwelt-, Verkehrs- und Energiekommission (UVEK) des Grossen Rats will dem Wachstum nun Einhalt gebieten.

Dass die Fahrzeuge eigentlich nicht für die Stadt gedacht sind, verrät bereits ihr Name. Denn wo in Basel kann man überhaupt «off road», also abseits der Strasse, fahren? Trotzdem: In Basel werden Offroader und SUV immer beliebter. Während die Anzahl Personenwagen in den vergangenen zehn Jahren um weniger als 2,5 Prozent gestiegen ist, nahm im gleichen Zeitraum der Anteil Offroader massiv zu.

Von den beliebtesten Offroadermodellen sind oft doppelt so viele oder noch mehr unterwegs als noch vor fünf Jahren (siehe Box unten). Im Zehnjahresvergleich sind die Zahlen oft um das Fünf- bis Zehnfache gestiegen. Und der Trend hält an: Vergangenes Jahr waren über 40 Prozent der neu zugelassenen Autos im Kanton Basel-Stadt mit Allradantrieb ausgerüstet.

..

Der Offroader-Boom sorgt nun für politischen Gegenwind. Vergangenen Samstag wurde bekannt, dass die rot-grüne Mehrheit der Umwelt-, Verkehrs- und Energiekommission (UVEK) des Grossen Rats den motorisierten Individualverkehr deutlich umweltfreundlicher gestalten will. Einerseits ist ein Verbot von benzin- und dieselbetriebenen Fahrzeugen ab 2050 geplant. So soll die Auslastung von Autos verbessert werden – mit Anreizen, aber auch Verboten. Dabei bezog sich die UVEK auch direkt auf die Zunahme der Allradfahrzeuge. «Lebensqualität und Klimaschutz statt freier Fahrt für Offroader», fassten die Grünen den Vorschlag zusammen, der demnächst im Parlament für hitzige Diskussionen sorgen wird.

«Statt effiziente Kleinwagen mit umweltfreundlichem Antrieb werden grosse, schwere, übermotorisierte und folglich massiv klimaschädliche Autos in den Verkehr gesetzt, die auch noch ein Mehrfaches an Platz beanspruchen. So erreicht man keine Klimaziele», sagt Raphael Fuhrer, Grossrat der Grünen und Präsident der UVEK. «Diese Fahrzeuge brauchen viel Energie, Fläche und sind gefährlich.» Die starke Zunahme erklärt sich Fuhrer mit dem Wohlstand im Kanton: «Reiche Haushalte überlegen sich eher, so ein Auto anzuschaffen.»

Grüne: Höhere Steuern und teurere Parkplätze

Fuhrer hat vergangenes Jahr im Parlament einen Vorstoss für dynamische Parkgebühren eingereicht. «Man könnte die Höhe der Gebühr an die Fahrzeuggrösse koppeln», so Fuhrer. Fahrer von überdurchschnittlich grossen Autos müssten auch mehr bezahlen fürs Parkieren auf öffentlichem Grund.

Ausserdem könnte man den Offroader-Boom bremsen, indem man die Motorfahrzeugsteuer für solche Fahrzeuge erhöht, schlägt Fuhrer vor. «Für mich ist das nach oben hin offen», sagt er. Mit den Einnahmen könnte man im Gegenzug Carsharing fördern, schlägt Fuhrer vor.

«Je kleiner das Fahrzeug, desto einfacher»

Auch TCS-Präsident Christophe Haller hat der Trend zu den Geländelimousinen überrascht. «Die Entwicklung steht im Widerspruch dazu, wie stark das Thema Umweltschutz zurzeit präsent ist.» Dazu komme, dass Basel-Stadt statistisch ein Kanton mit vielen kleinen Haushalten und wenig Kindern ist, was ebenfalls für kleinere Fahrzeugtypen sprechen würde.

Der FDP-Grossrat sieht die Entwicklung ebenfalls kritisch: «Ich möchte niemandem vorschreiben, welches Auto er fahren soll, aber es ist klar: Je kleiner das Fahrzeug, desto einfacher», sagt Haller. «Wenn es etwas gibt, das in Basel fehlt, ist es Platz für Verkehr – für welchen auch immer.» Deshalb fördere der TCS etwa auch das Carsharing. Zusammen mit dem deutschen Automobilclub ADAC habe man eine Umsteige-App für Pendler lanciert.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1