Es ist die drittgrösste Sorge der Basler Bevölkerung: das Lädeli-Sterben. Diese befindet sich nicht zu Unrecht auf dem Sorgenbarometer der bz. Denn tatsächlich verschwanden im letzten Jahr zahlreiche Geschäfte. Auch alteingesessene Traditionsläden wie das Schuhhaus Deiss, das Schuhgeschäft Botty oder den Musik Hug hat es getroffen.

Im Kontrast zu dieser Sorge stehen die zahlreichen Banner, die von überall her auf den innenstädtischen Fassaden prangen: «Neueröffnung 2016», «Bald findest du uns hier». Tatsächlich haben in diesem Jahr bereits zahlreiche neue Geschäfte ihre Tore geöffnet und weitere sind auf dem Weg. Dies bestätigt auch Mathias Böhm, Geschäftsführer des Vereins Pro Innerstadt. «Wir haben Traditionsgeschäfte verloren, jedoch konnten wir zahlreiche, qualitative Neueröffnungen verzeichnen.»

Freie Strasse voll besetzt

So wird das ehemalige BottyLokal bald von dem Schuhladen Müller besetzt werden. Auch in der Freien Strasse sind die Geschäfte bereits wieder bezogen: Anstelle von neuen Handys und Tablets im Salt Store kann dort jetzt individuelles Bio-Müsli gekauft werden beim jungen, deutschen Unternehmen My Muesli.

Weiter oben in der Strasse hat das spanische Modelabel Massimo Dutti den traditionellen Kost Sport ersetzt, der vor zwei Jahren schloss. Auch den Italiener United Colors of Benetton verdrängten die Spanier. Neben der bereits bestehenden Mango-Filiale, wird der spanische Textilmulti einen weiteren Mango-Store eröffnen, mit einem erweiterten Sortiment um Kinder- und Herrenmode. Auch Zara erweitert sein Imperium. Neben Mode und Schmuck, versucht der spanische Riese sich mit einem weiteren Ableger: Bald wird ein Zara Home eröffnet, der Möbel und Wohnaccesoires vertreibt. Zudem gewann die Strasse eine neue Pandorafiliale und wird bald um den dänischen Kult-Laden Joe and the Juice reicher.

Auch ausserhalb des Stadtzentrums hat sich etwas getan: Im Gundeldingerquartier und im Kleinbasel haben sich neue Läden etabliert. Darunter beispielsweise der beliebte Frühstücksladen Dunkin Donuts, der im März eröffnete. Hinter dem Bahnhof SBB eröffneten in den letzten Monaten ein neues Fitnesscenter, das Burgerrestaurant La Manufacture und der Tellplatz 3.

Mehrwert generieren

Von einem Aussterben des Stadtlebens kann man daher nicht sprechen. Sehr wohl aber von einer Veränderung. Denn ein erfolgreiches Geschäft muss heutzutage mehr bieten, als nur die Möglichkeit zum Warenbezug. Durch online-Shopping und Einkaufstourismus bieten sich den Konsumenten billige und einfache Alternativen, die den Gang in die Stadt ersetzen. Aus diesem Grund muss der Einkauf wieder lohnenswert gemacht werden. Dies sieht auch Böhm: «Zentral für ein florierendes Geschäft ist dem Kunden ein Erlebnis anzubieten zu können.»

Dabei geht es darum, dem Kunden etwas anzubieten, dass ihm beim online-Shopping entgehen würde. Sei es durch innovative Produkte, oder neue Verkaufsideen, die den Zeitgeist treffen und überzeugen.

So versucht es auch das Traditionsgeschäft Spira. Seit April betreiben die Enkel der Gründerin den Spira Pop-Up-Store. Dabei bieten sie jungen Start-Ups eine Plattform ihre Produkte für kurze Zeit vorzustellen. Für den Kunden bietet also beinahe jeder Besuch eine Neuheit.

Die spanischen Modeanbieter setzen eher beim Ambiente an, um Mehrwert zu generieren. Böhm bestätigt: «Sie ziehen in schöne Gebäude und gestalten ihre Filialen elegant und übersichtlich.» Dadurch wird das Shoppen zum Erlebnis.

Veränderung des Stadtbilds

Der Wunsch nach dem Erlebnis generiert somit einen Wandel im Stadtbild. Gefragt sind Geschäfte, die sich an den Bedürfnissen der Kunden orientieren, und ihre Konzepte so stetig anpassen. Böhm führt diesen Wandel auf die gesellschaftliche Entwicklung zurück. «Und diese findet in allen Lebensbereichen statt.» Daher könne man nicht von einem Lädelisterben sprechen. Stattdessen findet eine kundenorientierte Neubesetzung der Stadt statt.