Coronavirus
Trotz Lehren aus der ersten Welle bleibt die Schulschliessung in der Region ein Notfallszenario

Der Lockdown im Frühling traf die Schulen unvorbereitet. Für eine allfällige zweite Schliessung sind die Schulen in beiden Basel zwar besser vorbereitet, gewisse Nachteile können aber trotz Vorlauf nicht aus dem Weg geräumt werden.

Zara Zatti
Merken
Drucken
Teilen
Lernen im Klassenzimmer ist für viele Schülerinnen und Schüler trotz Gesichtsmaske einfacher als im Homeschooling.

Lernen im Klassenzimmer ist für viele Schülerinnen und Schüler trotz Gesichtsmaske einfacher als im Homeschooling.

Keystone

Schulschliessungen gelten momentan als Ultima Ratio im Kampf gegen die nach wie vor hohen Fallzahlen. Dass die obligatorischen Schulen so lange wie möglich offenbleiben sollen, steht für die Bildungsdepartemente der beiden Basel fest. «Eine erneute Schulschliessung bleibt für uns nach wie vor ein Notfallszenario und soll nur als letztmögliche Option in Betracht gezogen werden», schreibt etwa die Baselbieter Bildungsdirektion. Und auch an der gestrigen Pressekonferenz des Bundes hiess es: «Schliessungen der obligatorischen Schulen sehen wir derzeit nicht als sinnvoll.»

Dennoch ist das Thema nicht vom Tisch: Der Basler Regierungsrat Lukas Engelberger, Präsident der kantonalen Gesundheitsdirektoren, sagte am Sonntagabend gegenüber dem Schweizer Fernsehen, dass die erneute Schliessung der Schulen in Betracht gezogen werden müsse (die bz berichtete). Als das Ferienende näher rückte, wurden die Stimmen von Eltern lauter, die sich zumindest für eine Woche einen Fernunterricht oder gar eine komplette Schulschliessung wie in einigen deutschen Bundesländern wünschten. Auch diverse Kantone stellten für diese Woche auf Fernunterricht um.

Besser vorbereitet, Nachteile bleiben trotzdem

Als im Frühling zum ersten Mal die Schulen schlossen, mussten sich Lehrer und Schüler in enorm kurzer Zeit auf den Fernunterricht umstellen. Falls es zu einer erneuten Schliessung der Schulen kommen würde, wäre man dieses Mal besser vorbereitet, sagt der Präsident des Baselbieter Lehrervereins, Roger von Wartburg: «Auf die Erfahrungen, die man während des ersten Lockdowns gesammelt hat, könnte man jetzt zurückgreifen.»

Auch die Bildungsdirektionen der beiden Basel haben ihre Lehren gezogen und sich entsprechend auf eine zweite Schliessung vorbereitet. So liegen an den Baselbieter Schulen organisatorische und pädagogische Konzepte für den Fernunterricht vor. Diese könnten im Ernstfall rasch umgesetzt werden.

Ebenso wurde eine Rechtsgrundlage für Prüfungssituationen im Fernunterricht geschaffen. Anders als noch im Frühling sollen so promotionsrelevante Lernkontrollen stattfinden können. Die Lehrpersonen würden eine potenzielle Rückkehr in den Fernunterricht ausserdem bei der Semesterplanung im Hinterkopf behalten, schreibt die Baselbieter Bildungsdirektion.

Auch die technische Umstellung war im Frühling eine Herausforderung. Zum Zeitpunkt des Lockdowns befand sich die IT-Infrastruktur an vielen Basler Schulen gerade in einer Erneuerungsphase. Wegen des Fernunterrichts musste diese dann sehr viel schneller umgesetzt werden. Die technischen Probleme und die Umgewöhnung der Lehrer an digitale Tools sollten bei einer allfälligen zweiten Schliessung also kein Problem mehr sein.

Schulisch schwache Kinder werden abgehängt

Dennoch können gewisse Nachteile des Fernunterrichts trotz Erfahrungen nicht gänzlich ausgemerzt werden. Die Herausforderung für die Eltern, das Homeoffice und die Schule der Kinder zu Hause unter einen Hut zu bringen, wird bleiben. Und auch die fehlenden sozialen Kontakte der Kinder sind eine Realität, die nicht durch Erfahrung wettgemacht werden kann.

Ein paar Wochen Lockdown reichen, um danach Unterschiede beim Lernfortschritt zu vergrössern

(Quelle: Simon Thiriet, Mediensprecher Erziehungsdepartement Basel)

Die Lehrpersonen hätten während des ersten Lockdowns ein enormes Engagement gezeigt, schreibt das Basler Erziehungsdepartement. So hätte die Extremsituation im Frühling zwar gemeistert werden können, aber «Distance Learning» ist ganz sicher nicht der pädagogische Optimalfall.

Die grösste Befürchtung, dass nämlich sozial oder schulisch schlechter aufgestellte Kinder ins Hintertreffen geraten könnten, hat sich laut Simon Thiriet vom Basler Erziehungsdepartement denn auch bestätigt: «Es ist unbestritten, dass ein paar Wochen Lockdown reichen, um danach Unterschiede beim Lernfortschritt zu vergrössern.»

Für diese Nachteile des Fernunterrichts gäbe es keine konkreten Lösungen, attestiert auch die Bildungsdirektion Baselland. Trotz Vorbereitung könnten also auch bei einer zweiten Schliessung nicht alle Probleme behoben werden.