Bereits seit Anfang Oktober läuft die alljährliche Impfaktion der Basler und Baselbieter Apotheken gegen die Grippe. Parallel dazu wollen, wie in den letzten Jahren, zahlreiche Unternehmen ihre Mitarbeiter impfen lassen, um Krankheitstage zu vermeiden. Und zahlreiche grippeempfindliche Menschen wie Schwangere oder Senioren wollen dem Rat ihres Arztes folgen und sich gegen die häufigsten Grippeviren des anstehenden Winters impfen lassen.

Doch das Wichtigste, was es zur Umsetzung dieser Pläne braucht, ist dieses Jahr Mangelware: der Impfstoff. Denn zwei der fünf Produzenten, die die Schweiz abdecken, können nicht liefern.

Grippewelle erst im Dezember

In der Region am meisten vom Engpass betroffen ist das Universitätsspital Basel. Dort gibt es derzeit gar keinen Impfstoff. Doch das verursacht im Spital «weder Hektik noch grosse Sorgen», wie Pressesprecher Andreas Bitterlin sagt. Denn man vertraue den Beteuerungen des Lieferanten, den Stoff bis Ende Oktober zu liefern. «Wir haben eine ausserordentliche Situation, die aber noch keine speziellen Massnahmen erfordert», sagt Bitterlin. Weil die grosse Grippewelle erfahrungsgemäss erst Ende Dezember anrolle, reiche es, bis im November zu impfen. Das entspricht den Empfehlungen des Bundesamts für Gesundheit.

Engpässe bei Apotheken möglich

Die Apothekerverbände Basel-Stadt und Baselland haben für ihre Impfaktion gemeinsam Wirkstoff bestellt. Diejenigen Apotheken, die sich bis jetzt dafür angemeldet hätten, hätten genug Stoff für den Winter erhalten, sagt Lydia Isler, verantwortlich für die Aktion. «Aber ich weiss nicht, wie viele Apotheken zusätzlich noch mitmachen wollen.» Darum kann sie nicht ausschliessen, dass es zu einem Engpass kommen könnte. Ob der Stoff der Apotheker reicht, hängt zudem davon ab, wie viele Ärzte impfwillige Patienten an die Apotheken weiter leiten. «Nervös bin ich nicht», sagt Isler. «Aber ich wäre schon froh, wenn wir eine zusätzliche Ration kriegen könnten.»

Bis zum 10. Oktober muss der Kanton Baselland warten, bis er die Impfstoffe für seine rund 300 Angestellten erhält, die sich jährlich impfen lassen. Aber falls der Stoff erst Ende November komme, sei das «kein Drama», sagt Kantonsarzt Dominik Schorr. Er hält es keinesfalls für voreilig, wenn zum Beispiel die Handelskammer ihren Mitgliedsfirmen die jährliche Impfkampagne zu günstigen Konditionen ankündet. «Es wäre falsch, nur wegen eines drohenden Engpasses auf breit angelegte Aktionen zu verzichten», sagt er.

Bund müsste Prioritäten setzen

Gar keine Lieferprobleme hat das Kantonsspital Baselland. An allen drei Standorte ist genug Impfstoff für den ganzen Winter da. «Für uns ist die Frage, was wir ohne Impfstoffe tun würden, hypothetisch», sagt Mediensprecher Urs-Peter Modespacher.

Doch was passiert, wenn es eines Tages nicht genug Impfstoff für alle Impfwillige gibt? Sowohl das Basler Unispital als auch der Baselbieter Kantonsarzt hoffen, dass dann das Bundesamt für Gesundheit eingreift. Das Amt solle gesamtschweizerisch die Prioritäten setzen, wer den noch übrigen Impfstoff erhalten soll, hofft Bitterlin. Auch Apotheker-Vertreterin Isler ist froh, wenn der Bund für die Prioritätensetzung sorgen würde: «Wir Apotheker wollen nicht den lieben Gott spielen.»