Es war ein Schock. Georg, der Obdachlose, über den alle im Quartier sprachen, mit dem aber die wenigsten redeten, Georg war plötzlich tot. Nicht einfach gestorben, nein, erstochen von einem Unbekannten. Inzwischen sitzt ein mutmasslicher Täter in Untersuchungshaft, die Staatsanwaltschaft kann wegen der laufenden Ermittlungen aber nicht mehr dazu sagen. Derweil steht Georgs Tod auch fast drei Wochen nach der Tat im medialen Fokus, und diverse Thesen machen die Runde. Ein Vorzeigeobjekt für Integration sei mit diesem Delikt gescheitert, schrieb beispielsweise diese Zeitung.

Von gescheiterten Projekten wollen Exponenten aus der Gegend nichts wissen. Sie schauen voraus. Klar sei der Tod von Georg tragisch. Und es sei schön, dass das Quartier auch bald drei Wochen nach dem Tötungsdelikt Anteil nehme, Kerzen anzünde und Blumen niederlege. Georg hinterlasse eine Lücke. Man dürfe die Dinge aber nicht vermischen. «Der Ort hat sich nie als Vorzeigeobjekt für Integration verstanden», sagt Theres Wernli vom Stadtteilsekretariat Kleinbasel.

Basel, Dreirosenanlage. Gedenkstätte für den Obdachlosen Georg, der hier am 20. Dezember 2017 erstochen wurde. Photo by Roland Schmid

Georg Gedenkstätte

Basel, Dreirosenanlage. Gedenkstätte für den Obdachlosen Georg, der hier am 20. Dezember 2017 erstochen wurde. Photo by Roland Schmid

Hauptproblem ist die Lautstärke

Es sei schlicht eine beliebte Grünanlage mit vielen und manchmal zu vielen Nutzern und entsprechenden Problemen. Diese seien aber nicht bei Integrationsfragen oder dergleichen zu suchen, sondern vergleichbar mit den Problemen an anderen belebten Orten.

Seit der Erneuerung des Parks im Unteren Kleinbasel vor 13 Jahren setzt sie sich für die Anliegen der Nutzer und der Anwohner ein, seit vier Jahren leitet sie einen Runden Tisch dazu. Anwohner hatten die Idee dafür. Denn sie fühlen sich durch lachende Picknicker und Ball werfende Sportler gestört, diese wiederum haben kein Interesse, ihre Freizeit schweigend zu verbringen.

Theres Wernli kann beide Seiten verstehen. Und sucht nach Lösungen, die allen entgegenkommen. «Wir haben schon viele Massnahmen getroffen», sagt sie. So seien beispielsweise Segel als Schattenspender auf der Seite der Freizeithalle angebracht worden, damit die Picknicker nicht weiter unter die Bäume bei den Vorgärten ausweichen. Es wurden Banner mit «Dialogregeln» angebracht, die mobilen Stühle wurden entfernt. Als eine der ersten Massnahmen wurde bereits vor Jahren der Ballfangzaun durch eine «lärmoptimierte» Variante ersetzt.

Basel, Dreirosenanlage. Gedenkstätte für den Obdachlosen Georg, der hier am 20. Dezember 2017 erstochen wurde. Photo by Roland Schmid

Georg Gedenkstätte

Basel, Dreirosenanlage. Gedenkstätte für den Obdachlosen Georg, der hier am 20. Dezember 2017 erstochen wurde. Photo by Roland Schmid

Runden Tisch braucht es noch

Den Runden Tisch mit zahlreichen Exponenten, unter anderem der Polizei, brauche es aber auch 2018 noch, sagt sie. «Die Massnahmen wirken zwar, werden aber kompensiert durch den zunehmenden Nutzungsdruck.» So sei beispielsweise die starke Polizeipräsenz den einen zu viel, während andere forderten, die Polizei müsse noch härter gegen dortige Drogendealer vorgehen. Mit der zunehmenden Nutzung des Hafenareals und des Rheinbords verschärften sich bestehende Probleme. Geplant ist in Zusammenarbeit mit dem zuständigen Bundesamt für Strassen, einen schummrigen Winkel unter der Brücke zu schliessen, damit Dealer keinen Rückzugsort mehr haben. Basta-Co-Präsidentin Heidi Mück verfolgt das Geschehen täglich mit. Die Dreirosenanlage liegt auf ihrem Heimweg, ihr Sohn gehört zu den jungen Männern, die dort trainieren. Mück zieht trotz mancher ungelöster Probleme eine positive Bilanz: «Das Bedürfnis nach Grünfläche ist da, die Nutzer kommen gut aneinander vorbei.»

Dass es bei so vielen Menschen Probleme gebe, sei normal. «Das ist eben so an einem lebendigen Ort, der stark genutzt wird.»