Am 1. Januar 2019 tritt in der Schweiz die Pädophilen-Initiative in Kraft. Künftig darf nie mehr mit Minderjährigen arbeiten, wer sich in seinem Leben an Kindern vergangen hat. Das lebenslängliche Tätigkeitsverbot gilt für berufliche als auch für ehrenamtliche Tätigkeiten. So zumindest steht es im Gesetz.

In der Medienmitteilung des Bundesrats hiess es im Oktober: Arbeitgeber, Organisationen und Bewilligungsbehörden könnten künftig mit einem Strafregisterauszug oder dem sogenannten Sonderprivatauszug prüfen, ob gegen einen Bewerber oder einen Mitarbeitenden ein Verbot ausgesprochen worden ist. An den Schulen ist der Fall klar. Wer sich als Lehrer bewirbt, muss einen einwandfreien Leumund aufweisen. In Baselland und Basel-Stadt werden beispielsweise vor den Anstellungen Sonderprivatauszüge verlangt. Diese zeigen im Gegensatz zu Strafregisterauszügen nur Vergehen, die im Zusammenhang mit sexuellen Handlungen mit Minderjährigen stehen.

Die meisten Klubs blocken ab

Doch die Umsetzung der Pädophileninitiative droht an der Realität so manchen Sportvereins zu scheitern, der händeringend auf der Suche nach Juniorenbetreuern oder Trainern ist. Wer prüft nun, dass straffällige Pädophile nicht mehr mit Kindern in Kontakt kommen?

Interne Quellen des Nordwestschweizer Fussballverbands bestätigen, dass das Kontrollsystem nicht greift. Vereine seien schlicht froh um jede Person, die sich ehrenamtlich engagiert. Wer sich bei den regionalen Fussballvereinen umhört, der bekommt nur spärlich Auskunft. Kaum ein Präsident, kaum ein Juniorenobmann will als Verhinderer dastehen, wenn es um den Schutz der Kinder geht. Als einer der wenigen spricht Pascal Bürgin offen über die Situation in seinem Verein. «Der FC Gelterkinden verlangte bisher keine Strafregisterauszüge bei Juniorentrainern, dafür fehlen uns die Ressourcen», sagt der Präsident der Juniorenkommission.

Sensibilisiert sei sein Verein allemal. Die meisten Trainer kämen aus dem sozialen Umfeld des FC Gelterkinden, bei den wenigen Unbekannten würde man beim ehemaligen Club nachfragen. Ähnlich geht der FC Therwil vor. Vereinspräsident Beat Hess gibt zu, dass der Club nicht alle neuen Trainer auf ihre Vergangenheit hin prüfe. Denn: «Neben dem Strafregisterauszug müssten ja noch mehr Informationen einverlangt werden, etwa über frühere Anstellungen.» Für so etwas fehlten die Ressourcen. «Es sind nicht die einzigen Anforderungen, die stetig wachsen und unsere Ressourcen fressen.» Als Verein komme man derzeit fast nicht drum herum, Profis einzustellen.

Etwa ein Dutzend Vereine fragte die bz an. Die meisten wollten sich nicht zum Thema äussern – so auch der FC Basel.

Der FC Reinach als Pionier

Es gibt sie aber auch: die Vorzeigeklubs. Der FC Reinach preschte 2016 vor. Er verlangt seit 2016 von jedem Trainer einen Sonderprivatauszug. Insgesamt etwa 100 waren es bisher. Das ist ein beachtlicher Wert bei schweizweit rund 40 000 bestellten Sonderprivatauszügen (Stand: 2017). Raffaele Stornaiuolo ist zuständig für die Juniorenarbeit im Verein und sagt, er habe sehr gute Erfahrungen gemacht. «Nie hat sich jemand beklagt, dass er dieses Papier vorlegen muss.» Einen kleinen Schritt komme sein Verein den neuen Trainern entgegen, indem er ihnen die Auslagen für den Sonderprivatauszug zahle.

Von der flächendeckenden Pflicht für Vereine, einen Sonderprivatauszug zu verlangen, sieht der Schweizerische Fussballverband (SFV) ab. «Wir erachten das nur als sinnvoll bei Verdachtsmomenten», sagt SFV-Sprecher Marco von Ah. Stattdessen empfiehlt er, «generell» aufzupassen. «Vermeiden wollen wir, dass sich jemand in trügerischer Sicherheit wähnt durch diese neue Gesetzgebung», sagt er. Und: «Lieber wachsam sein, als sich auf ein Papier verlassen, das Urteile auflistet und so gut wie gar nichts darüber aussagt, was mit allfälligen Straftätern ist, die nicht erwischt werden.» Der SFV ist der Meinung, dass das neue Gesetz nicht viel ändere. Um sexuelle Übergriffe im Juniorenbereich zu verhindern, seien weiterhin zwei Dinge zentral: Prävention und Sensibilisierung.