Die Basler Sportpolitik baut auf vier Pfeilern. Das politische Gremium mit Einfluss auf den Regierungsrat ist der Sportbeirat. Mittel spricht die Vergabekommission des Swisslos-Sportfonds; es ist jährlich ein tiefer Millionenbetrag. Über die personellen Überschneidungen mit den beiden Interessensgemeinschaften «Sport Basel», dem Verband der Sportvereine, und dem Panathlon Club beider Basel, dem exklusiven Club der Sportgrössen, berichtete die bz gestern.

Die Ämterkumulation hat zur Folge, dass immer wieder Mitglieder der Swisslos-Vergabekommission in den Ausstand treten müssen. So auch im vorliegenden Fall. Christoph Socin ist Vizepräsident des Reitturniers CSI Basel und zuständig für die Infrastruktur. Nicht nur das. Er organisierte lange das «Women’s Top Volley», holte die Curling-WM nach Basel und hatte auch bei Schwingfesten in der Region die Hosen an. Seit Jahren macht ihn dies zum umtriebigsten Basler Sportveranstalter.

Sein Netzwerk und seine Erfahrung brachten Socin in alle Gremien, in denen der Sport Thema ist. Sportbeirat, Vizepräsident von Sport Basel, Panathlet – und die Vergabekommission des Swisslos-Sportfonds. Diese unterstützte ihn bei verschiedenen der aufgezählten Projekte. Das ist insbesondere beim CSI auffällig, denn diese Affiche hat eine Vorgeschichte.

CSI hängt mehr denn je am Tropf

Rückblende, 2014: Die Basler Geschäftsprüfungskommission wies die Regierung zurecht, sie lege die Regeln für unterstützenswerte Projekte aus dem Swisslos-Topf allzu grosszügig aus. Die Regierung änderte die Verordnung. Und dann, 2015, noch einmal. Das Bundesamt für Justiz hatte sich eingeschaltet und Basel-Stadt klar zu verstehen gegeben, dass die Basler Interpretation «mit den verfassungs– und bundesrechtlichen Vorgaben nicht vereinbar» sei. Nur noch in Ausnahmefällen sollen gewinnorientierte Unternehmen wie CSI, Swiss Indoors, Bâloise Session oder das Musical Theater von öffentlichen Geldern profitieren. Das Musical Theater verschwand aus der Liste.

Bei der Bâloise Session wurde das Fördergeld an konkrete Projekte, etwa Konzerte im Gefängnis geknüpft. Und beim CSI? Das Reitturnier ist zum internationalen Hallenturnier erwachsen, mit einer Preisgeldsumme von 730'000 Franken. Und profitiert mehr denn je vom Fonds. Betrug 2013 die Unterstützung noch 80'000 Franken, war es 2016 eine Viertelmillion. Ohne ersichtliche Auflagen.

Auf diesen Umstand angesprochen, erklärt Socin, dass er nicht an diesem Entscheid beteiligt war, er sei in den Ausstand getreten, «wie es häufig der Fall ist in dieser Kommission.» Der Kritik, der Swisslos-Fonds unterstütze so weiterhin eine kommerzielle Veranstaltung, entgegnet er: «Für mich ist kommerziell, wenn eine Veranstaltung Gewinn abwirft. Das tut der CSI sicher nicht.» Allerdings: Die Ausgabenseite lässt sich ja durch die Veranstalter beliebig steuern. Socin weist zudem darauf hin, dass er alle Ämter unentgeltlich erledige und sagt: «Sollte sich jemand finden, der diese viele Arbeit ohne Lohn übernehmen will, trete ich sofort zurück.»

Das Erziehungsdepartement, verwalterische Heimat der Sportfonds-Kommission, sieht kein Problem in dieser Handhabe. Sprecher Simon Thiriet führt auf Anfrage Gründe des Standortmarketings ins Feld: «Der CSI Basel wird unterstützt, da es sich um eines der bedeutendsten Reitsportturniere der Schweiz handelt. Mit dem internationalen Teilnehmerfeld sowie der Bedeutung des Reitsports als Olympische Disziplin strahlt das Turnier weit über Basels Stadtgrenzen hinaus.» Es sind die gleichen Argumente, die einst Guy Morin für die Unterstützung des Musicals «Lion King» verwendete – und dafür den Rüffel aus Bern erhielt.
Und es ist nicht der einzige Punkt in der Liste unterstützter Projekte mit einem Beigeschmack.

Vier der acht Kommissionsmitglieder sind Delegierte von Sport Basel. Sport Basel wiederum gehört auch selbst zu den Unterstützten. Da ist zum einen die Leistungsvereinbarung für Nachwuchsförderung in der Höhe von 210'000 Franken jährlich. Aber auch ein Posten «Trainertreff» und eine zusätzliche Leistung von 10'000 Franken. Gleich die Hälfte der Kommission müsste in den Ausstand treten, wenn es um den erwähnten Panathlon-Club geht: Dessen Sport Forum wurde 2016 mit 6480 Franken bedacht. Und auch das Sportamt selbst, vertreten durch Amtsleiter Peter Howald, erhielt einen Beitrag für einen Rollrasen von etwas mehr als 70'000 Franken. Das lässt die Ausstandsquote doch höher erscheinen, als die von der Regierung kommunizierten jährlich «drei bis vier Mal».

Eine neuerliche Rüge muss das ED aktuell nicht fürchten. Zumindest nicht aus Bern. Weil die Schweiz bald über das Geldspielgesetz abstimmt, nimmt die Lotterie- und Wettkommission Comlot derzeit keine Stellung zu kantonalen Vergabungen. Der stellvertretende Direktor Patrik Eichenberger schreibt aber auf Anfrage: «Falls das neue Bundesgesetz über Geldspiele in Kraft tritt, wird die Comlot einen jährlichen Bericht über die Mittelverwendung in den Kantonen erstellen, was zu einer weiteren Verbesserung der Transparenz beitragen wird.»