Die einen tun es, die anderen lassen es. Ob die, die es tun, es ebenfalls lassen sollten – das ist die Frage. Die, die es lassen, tun jedenfalls gut daran, es nicht zu tun. Denn sie dürfen nicht.

Wie die bz am Dienstag bekannt machte, hat das Markthalle-Team die Petition «Sonntag ist Markttag» lanciert. Wegen des Ruhetagsgesetzes hat das Team vom zuständigen Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA) keine Bewilligung für die Fortführung des Sonntagsflohmarkts erhalten, der nicht zu gewerblichen Zwecken durchgeführt worden sei, sagt das Team. In der Hoffnung, die Petition möge irgendwann zu einer Aufweichung des Ruhetagsgesetzes führen, steht nun auf dem «Brocante»-Flyer: «Vorübergehend am Samstag». So viel zu denen, die nicht dürfen. Nun zu einer anderen Geschichte.

Amt für Arbeit weiss von nichts

Seit 2005 führen Private auf dem ehemaligen nt-Areal am Kleinbasler Riehenring einen Sonntagsflohmarkt durch. Im Reglement steht, Plätze dürften ab 9 Uhr belegt werden; doch viele Standbetreiber stehen schon um 7 Uhr auf dem Asphalt. Das nervt manche Anwohner, was sie bereits der Polizei mitgeteilt haben. Bis auf die eine oder andere Reklamation, Parkbusse und Verkehrsregelung zu Flohmi-Zeiten, hat das Justiz- und Sicherheitsdepartement (JSD) mit dem nt-Flohmarkt aber nichts zu schaffen: «Dieser Markt fällt nicht in unseren Bereich, da er nicht auf Allmend stattfindet», sagt Daniel Arni vom Büro Messen und Märkte im JSD.

Nicht? Auf der Website des JSD wird blumig für den Flohmi geworben: «Der Sonntagsmarkt ist nicht mehr wegzudenken», steht da. Arni erklärt, seine Abteilung wolle eine Übersicht aller Märkte bieten. Diesen Anspruch teilt er mit den Kollegen vom Standortmarketing im Präsidialdepartement, das ebenso blumig für den Markt wirbt. Doch: Wie steht es mit der Bewilligung?

Bei der Parzelle am Riehenring handelt es sich – wie auch bei der Markthalle – um Privatgrund. Und, wir erinnern uns: Der Markthalle wurde die Sonntags-Flohmarkt-Bewilligung vom zuständigen AWA nicht erteilt. Auf den Kleinbasler Flohmi angesprochen aber sagt Amtsleiter Hansjürg Dolder: «Uns liegt weder eine Bewilligung noch ein Gesuch vor.» Ein so exponierter, illegaler Markt?

Flohmi ist eine Zwischennutzung

Nein, sagt eine Dame von der Bautrag Infrastructure AG nach entsprechenden Abklärungen. Der Firma gehört der Boden. Und die Dame sagt bestimmt: «Der Markt ist offiziell bewilligt.» Genaueres sagt sie nicht. Und auch ihren Namen will sie nicht in der Zeitung lesen.

Ja, was jetzt? Beim Bau- und Verkehrsdepartement (BVD), dem vierten Departement in dieser Geschichte, braucht man bis Ende Woche Zeit, um die Lage abzuklären. Ein wenig Licht ins Dunkle bringt nach der Lektüre mehrerer Kantonsblätter aber der Monat April 2013.

Unter dem Stichwort «Baupublikationen» hat das BVD dann ein Projekt am Riehenring 180 ausgeschrieben, das zum «nicht mehr wegzudenkenden» Flohmarkt passt: «Zwischennutzung Freiflächen entlang Riehenring, Aufstellen von drei Containern, einem Imbisswagen, einem WC-Wagen, Nutzung für Sonntagsmarkt (...)» Aha! Eine Zwischennutzung. Dass das ehemalige nt-Areal eine solche war, ist klar und darauf ist auch das offizielle Basel stolz. Nun ist offenbar ebenfalls klar: Auch das Ex-nt-Areal ist eine Zwischennutzung. Das bestätigt Bea Kiener vom Verein interessierter Personen, der den Markt organisiert. Sie erklärt auch, weshalb ihr Markt nicht unbedingt mit dem Flohmarkt in der Markthalle zu vergleichen sei: «Wir haben keine Angestellten, alle arbeiten ehrenamtlich.»

Womit die Frage nach der Sonntagsruhe nicht geklärt ist. Wo fängt Ruhe an, wo hört sie auf? Wie dehnbar ist das Gesetz? Ist eine Baupublikation gleichzeitig eine Betriebsbewilligung für einen Flohmarkt? Wenn die baudepartementlichen Abklärungen abgeschlossen sind, folgt Teil drei der Geschichte.