Es geht um Schutzgeld, um Wucherkredite und auch um rabiate Gewalt: Zusammen mit sechs Mitangeklagten muss sich ab Montag ein 50-jähriger Mann vor dem Basler Strafgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm gewerbsmässige Erpressung, eine schwere Form des Raubes mit einer Schusswaffe, mehrfache Drohungen und Nötigungen, Verstösse gegen das Waffengesetz sowie diverse andere Delikte vor.

Konkret soll der Mann mehrmals im Kleinbasel mit einer Pistole von Barbetreibern Geld verlangt haben, dabei habe laut Anklageschrift schon sein Name genügend Respekt eingeflösst. Offenbar gehört er zu einer auch in der Schweiz einflussreichen und gefürchteten türkischen Familie, die direkt und indirekt in der Türkei wie auch in der Schweiz diverse Restaurants besitzt.

Im Jahr 2011 Anzeige erstattet

Für die Schutzgelderpressungen hat er sich laut Staatsanwaltschaft vor allem illegale betriebene Restaurants mit Glücksspielen im Hinterzimmer ausgesucht, weil dort die Gefahr relativ gering sei, dass die Opfer zur Polizei gehen. Die Angst ist bei einigen Betroffenen offenbar noch immer recht gross: Ein Zeuge wurde in der Anklageschrift vollständig anonymisiert – diese Massnahme wird äusserst selten angewandt.

Doch eines der Opfer hatte irgendwann genug von den Drohungen. Nachdem der Angeklagte den Barbetreiber im August 2008 am Riehenring und im Januar 2011 an dessen neuem Standort beim Bläsiring zweimal bedroht und dabei auch kräftig abkassiert hatte, brach dieser sein Schweigen und erstattete Anzeige bei der Polizei. Insgesamt hatte ihn der Mann um mindestens 32000 Franken erleichtert. Beim ersten «Überfall» im Jahr 2008 soll der 50-Jährige zusammen mit mehreren Kumpels in die Bar gekommen sein, die Waffe gezückt haben und nebst den Geldern in der Kasse auch den Inhalt des Tresors verlangt haben. Danach haben sie den Barbetreiber verjagt und für wenige Stunden offenbar selbst die Bar betrieben.

Auch Kredite vergeben

Wie systematisch der 50-jährige Angeklagte das Geld erpresst haben soll, bleibt allerdings vorerst unklar: Eine Schilderung eines weiteren Vorfalles vom August 2008 in einer Bar an der Feldbergstrasse liest sich in der Anklageschrift eher wie ein klassischer Streit unter Betrunkenen: Der Angeklagte soll dabei einem Landsmann ein Billardqueue an den Kopf gerammt haben, nachdem er zuerst nichts zu trinken und später auch kein Geld erhalten hatte.

Zum Arsenal des Mannes gehörte offenbar auch die Kreditvergabe: Konnte jemand seine Spielschulden nicht begleichen, war er rasch zur Stelle: Ein Mann erhielt von ihm 20000 Franken Kredit, musste aber 30 Tage später 25000 Franken zurückbezahlen, dazu kam ein Zins von zwanzig Prozent. Zahlungsunfähige Schuldner wurden massiv bedroht.

15-jährige Freiheitsstrafe droht

Unklar ist der Hintergrund einer Schiesserei beim Bahnhof Oensingen im Februar 2010. Mehrere der Angeklagten waren dort anwesend, nach langen Verhandlungen und Diskussionen schoss der Hauptangeklagte offenbar einem der Beteiligten in den Fuss. Die Mitangeklagten waren bei den vorgeworfenen Schutzgelderpressungen teilweise dabei, teilweise sind sie aber lediglich wegen versuchter Nötigung angeklagt. Die Männer im Alter von 52, 31, 30, 35 und 30 Jahren sind türkische Staatsbürger, lediglich ein 39-jähriger Mann ist Schweizer. Nebst den Vorfällen in Basel sind die Männer auch wegen Schutzgelderpressungen sowie diversen dubiosen Kreditgeschäften in Zürich angeklagt. Der Prozess beginnt am Montag, das Urteil wird erst nach Pfingsten gefällt. Dem Hauptangeklagten droht bei einem Schuldspruch eine Freiheitsstrafe von bis zu 15 Jahren.