Strafgericht

Tunichtgut will ausgeschafft werden – doch es klappt einfach nicht

Diese Perspektive kennt der 26-jährige Marokkaner nur zu gut.

Diese Perspektive kennt der 26-jährige Marokkaner nur zu gut.

Ein unbelehrbarer Marokkaner, der endlich nach Hause will, hangelt sich von einer Freiheitsstrafe zur nächsten. Seinen Wunsch würde man ihm gerne erfüllen, seine Heimat stellt ihm jedoch keine Dokumente aus.

«Jeder Mensch hat ein Land», übersetzte der Gerichtsdolmetscher etwas zögernd aus dem Arabischen und verwarf hilflos die Hände. Die Botschaft blieb im Gerichtssaal diffus, doch wurde immer wieder klar, dass der 26-jährige Angeklagte unbedingt zurück nach Marokko möchte. Diesen Wunsch möchte ihm eigentlich auch gar niemand abschlagen: Der 26-Jährige gilt als renitente Nervensäge, alle zwei Wochen wird er aus Gründen der Deeskalation in eine andere Haftanstalt verlegt. Inzwischen sitzt er seit Juli 2016 in Sicherheitshaft, diesen Sommer war er nach einer vorzeitigen Entlassung aus dem Vollzug für ganze 14 Tage in Freiheit.

Kaum draussen, warf er im Juli bei der Basler Markthalle mehrere Steine auf das Roche-Firmengebäude an der Viaduktstrasse. Eine Woche später zerstörte er ebenfalls mit einem Stein vor dem Waaghof an der Inneren Margarethenstrasse ein Fenster eines dort abgestellten Polizeiautos.

Im Jahr 2010 kam er als 20-Jähriger in die Schweiz, seither sass er die meiste Zeit über im Gefängnis. Der Mann hat bereits über ein Dutzend Vorstrafen: Körperverletzung, Diebstähle, Sachbeschädigungen, meist aber Gewalt und Drohung gegen Beamte. Die Delikte gibt er mal zu, mal kann er sich nicht erinnern, mal lächelt oder lacht er lediglich. Die Richter forderten ihn am Freitag im Basler Strafgericht mehrmals auf, ihre Fragen zu beantworten, doch viel kam dabei nicht heraus. «Ich möchte nochmals beginnen!», rief er schliesslich in den Saal.

Er befindet sich illegal in der Schweiz, sämtliche Ausschaffungsversuche sind bislang gescheitert. Am Freitag wurde nicht ganz klar, ob das an ihm oder an der Weigerung der marokkanischen Behörden liegt, Papiere für den ungeliebten Landsmann zu beschaffen. Der Verteidiger sprach von einer «Verzweiflungstat»: Sein Mandant wolle zurück nach Marokko, käme aber nicht an die nötigen Dokumente. Das Dreiergericht verdonnerte ihn zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 15 Monaten, darin ist auch eine Reststrafe der vorzeitigen Entlassung vom Sommer inbegriffen. Staatsanwalt Tomislav Hazler räumte ein, dass sich durchaus die Frage nach dem geistigen Gesundheitszustand des Mannes stelle. Dieser sei aber bereits in vielen Haftanstalten gewesen. «Das Personal hätte bei geringsten Zweifeln an seiner Hafterstehungsfähigkeit den Notfallarzt gerufen und ihn in die Psychiatrie eingewiesen.» Das sei aber nie geschehen, so Hazler.

«Er ist schuldfähig. Er legt ein Verhalten an den Tag, das einigermassen berechnend scheint», begründete Gerichtspräsident Roland Strauss den Schuldspruch. Der 26-Jährige kann das Urteil noch weiterziehen, vorläufig bleibt er aber in Haft: Ironischerweise nicht nur wegen Fortsetzungsgefahr, sondern auch wegen Fluchtgefahr.

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