Grossprojekt

Turm-Bekämpfer gibt auf – kein Referendum gegen Aeschengraben-Projekt

Wo heute das Hilton steht, soll in drei Jahren ein neuer Turm stehen. Nun hat sich ein weiterer Gegner des Bauvorhabens zurückgezogen.

Wo heute das Hilton steht, soll in drei Jahren ein neuer Turm stehen. Nun hat sich ein weiterer Gegner des Bauvorhabens zurückgezogen.

Der Claraturm-Gegner Andreas Bernauer wollte zunächst auch gegen das Grossprojekt am Aeschengraben ins Feld ziehen. Nun aber sieht er von einem Referendum ab. Damit sind nur noch Detailfragen zum Projekt zu klären.

Sieht man sich an, mit welchen Argumenten der Claraturm bekämpft wurde, dann gelten davon die wenigsten für Basels neustes Turmprojekt am Bahnhof. Man könnte also meinen, das Vorhaben der Besitzerin, der Bâloise-Versicherungen, werde widerstandslos durchkommen. Denn der Schatten fällt nur auf Büros, das heutige Hilton findet niemand ernsthaft schön, und nicht einmal die Denkmalpflege ist gegen den Abbruch.

Die Bâloise will das sehr in die Jahre gekommene Hotel Hilton abreissen, denn eine Sanierung des Hauses, das aussen wie innen den Charme der 70er-Jahre versprüht, wäre zu teuer und vor allem zu aufwendig. An seiner Stelle soll ein neuer, 86 Meter hoher Turm entstehen, der auf einen ebenfalls neuen Platz herabschaut. Ähnlich hoch wie das benachbarte Gebäude der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ). Im Turm: ein Fünfsternehotel von Mövenpick und Büros der Bâloise. Stehen soll das neue Gebäude im Jahr 2018, danach werden rundherum die weiteren Bürogebäude der Bâloise ebenfalls erneuert.

Doch eine Grundsatzdebatte?

Am Mittwoch muss nun der Grosse Rat entscheiden, ob das Gelände der Bâloise umgezont wird und der letzte noch hängige Einspruch, jener des Verkehrs-Clubs der Schweiz (VCS), abgewiesen wird. Den VCS stört der grösste Teil des Bauplans nicht, nämlich der oberirdische. Dem VCS passt nicht, was unterirdisch entstehen soll, nämlich 60 zusätzliche Parkplätze. Das sind mehr, als eigentlich von der geltenden Parkplatzverordnung vorgesehen wären.

Die vorberatende Bau- und Raumplanungskommission (BRK) entschied aber zu guter Letzt mit fünf gegen sieben Stimmen, dass die Baloise dieses «Übermass» an 448 Parkplätzen haben dürfe, da diese zum Teil in einem bestehenden Parkhaus am Aeschengraben 21 liegen, für das eine Besitzstandsgarantie gilt. Die Bâloise setzte sich mit ihrer Argumentation durch, dass angesichts der von 700 auf 2000 steigenden Zahl der Arbeitsplätze auf dem Areal und der Erweiterung des Hotels von 220 auf 260 Zimmer die 60 zusätzlichen Parkplätze sinnvoll seien. Mit der Neuordnung der Zufahrten, die in Zukunft alle über den Parkweg laufen sollen, werde zudem der Verkehr sinnvoll entflochten.

Wind aus den Segeln genommen

Mit diesen Massnahmen war es der Bâloise auch geglückt, eine Gruppe von Anwohnern des Parkwegs zum Rückzug einer Einsprache zu bewegen. Diese stuften am Ende, wie auch die Regierung und die BRK, das Mobilitätskonzept der Bâloise als vernünftig ein. Verzichten will die BRK auch auf eine zunächst diskutierte Verpflichtung der Bâloise auf die Einrichtung von Ladestationen für Elektrovelos. Die Versicherung werde «bei einer allfälligen Nachfrage reagieren». Ausserdem mache es wenig Sinn, ein E-Bike während der Arbeitszeit mit teurem Tag-Strom aufzuladen, anstatt es nachts mit billigerem Strom aufzutanken.

Eine Unbekannte in der Debatte war bisher Andreas Bernauer. Der ClaraturmBekämpfer hatte nach geschlagener – und verlorener – Schlacht um den Claraturm angekündigt, er wolle gegen den Neubau am Aeschengraben das Referendum ergreifen. Davon sieht er nun aber voraussichtlich ab. Gegenüber der bz sagte er, «diese Gewinnmaximiererei stört mich, aber ich alleine kann zeitlich nicht noch ein Referendum stemmen.» Er habe geschäftliche Projekte in Luzern und derzeit noch den Rekurs gegen das Resultat der Claraturm-Abstimmung vom 24. November vor dem Appellationsgericht am Laufen. Unterstützung für ein Referendum zeichnet sich auf politischer Ebene keine ab.

Meistgesehen

Artboard 1