Denkmalpflege
Über 300 Jahre alte Wandmalereien entdeckt

Bei Bauarbeiten in einem Wohnhaus kamen Malereien aus dem späten 17. Jahrhundert zum Vorschein. Der Fund ist sehr aussergewöhnlich, aber kein Zufall.

Tobias Gfeller
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Die illusionistische Malerei täuscht Wandnischen vor: zvg/Erik Schmidt

Die illusionistische Malerei täuscht Wandnischen vor: zvg/Erik Schmidt

Für Daniel Schneller, Leiter der kantonalen Denkmalpflege Basel-Stadt, ist der Fund in dieser Form «sehr aussergewöhnlich und ausserordentlich». Vom Auffinden der Wandmalerei als Zufall zu sprechen, wäre übertrieben.

Denn bei Umbauarbeiten in einem Gebäude, das sich in der Stadtbild-Schutzzone befindet, werden bei grösseren Eingriffen immer zuerst Untersuchungen angestellt, ob kulturhistorisch wertvolle Objekte oder eben Wandmalereien versteckt sind.

Trotzdem rechneten die Fachleute nicht mit einer solch gewichtigen Entdeckung. Bei einem geplanten Lifteinbau, der einen Durchbruch erforderte, stiessen sie im zweiten Obergeschoss in einem rund fünf Quadratmeter grossen Raum auf eine komplette Wandbemalung.

Wie in einer Gartenlaube

Durch die Restaurationsarbeiten ist die Wandbemalung gut ersichtlich. Den unteren Rand schmückt ein illusionistisch gemalter Steinsockel. Über diesem ist die Wand mit einer illusionistischen Dekoration marmoriert.

Die Person, die die Wandmalereien anbrachte, wollte so im unteren Teil die Eindruck erwecken, als wären diese Teile baulich angebracht. Den Abschluss der Bemalung im oberen Teil bildet ein durchgängiges Eichenblattfries.

Zwischen diesen beiden Abgrenzungen unten und oben bilden an jeder Wand zwei in Grautönen gehaltene halbrunde Nischen den Blickfang der Bemalung. In einzelnen Nischen stehen detailliert gemalte Steinvasen. Rund um die Nischen selber zieren dünne schwarze Linien die vier Wände. Die Bemalung erinnert stark an eine versteckte Gartenarchitektur.

«Man hat das Gefühl, man ist in einer Gartenlaube», schilderte Daniel Schneller sein Empfinden. Auch der französische Einfluss ist erkennbar. Für Kunsthistoriker Marin Möhle ist die Wandbemalung umso bemerkenswerter, als aus dieser Zeit sehr wenige derartige malerische Ausstattungen bekannt sind. «Dieser Fund ist deshalb sehr beachtenswert.»

Raum gehört zur Wohnung

Das historische Wohn- und Geschäftshaus zwischen der Gerbergasse 52 und dem Gerbergässlein 21 ist unlängst umgebaut worden. Es reicht bis in das 13.Jahrhundert zurück. Seit 1355 trägt es den Namen «Zum Roten Krebs» und gehört zum Altstadtbereich, der sich ab dem Mittelalter entlang dem Birsig bildete.

«Die Restaurationsarbeiten konnten dank dem Goodwill des Bauherrn durchgeführt werden», erklärte der für den Hausumbau zuständige Architekt Markus Heeb. Der Bauherr finanzierte die Restaurationsarbeiten mit.

Auch die Denkmalpflege unterstützte die Arbeiten und war aufgrund der Bedeutung des Hauses beim Umbau involviert. Es gilt jetzt, für die Wohnung inklusive bemaltem Raum einen Mieter zu finden. «Der bemalte Raum gehört ab jetzt zur neuen Wohnung und muss so erhalten bleiben. Es wäre deshalb schön, wenn jemand hier einzieht, der dieses kulturhistorisch wichtige Andenken auch zu schätzen weiss», merkte der Architekt an.