Der Jaguar von Hans rollt auf den Taxistandplatz bei der Basler Messe. Hans dürfte das nicht tun. Denn er arbeitet nicht als Taxifahrer, sondern für das US-Unternehmen Uber. Dieses konkurriert die Taxifahrer weltweit. Hinter dem Jaguar taucht ein Taxi auf. Dessen Fahrer hupt. Hans ist genervt, steigt aus, um dem Taxifahrer seine Meinung zu sagen. Er kommt zurück und spricht weiter mit seinem Gast.

Seit drei Monaten ist Hans mit seinem Auto für Uber unterwegs. Mit Gefallen, wie er erklärt. «Ich verdiene bis zu 40 Franken pro Stunde und kann zum Beispiel mit Pharma-Managern aus den USA reden. Das ist spannend», sagt Hans, der Gentleman mit karierten Hosen. Sein Bewertungsdurchschnitt liegt bei 4.9 von 5 Punkten.

Zwölf Franken hat die Fahrt von der Markthalle zum Messeplatz gekostet, bezahlt mit Kreditkarte. Zehn Franken landen auf dem Konto des Fahrers, zwei behält Uber. Bei der Markthalle ist er rund fünf Minuten nach der Bestellung aufgetaucht. Das Geschäftsmodell funktioniert.

«Vorwürfe sind haltlos»

Nur die Gewerkschaft Unia hat keine Freude an Uber; bezeichnet Uber als illegal. Der Hintergrund: In Basel bietet Uber nur den Service Uber-Pop an. Das sind Autofahrer ohne Taxilizenz, die man mit der Uber-App bestellt. Gewerbsmässiger Personentransport ohne Lizenz ist in der Tat illegal. Rasoul Jalali, verantwortlich für Uber in der Deutschschweiz, wehrt sich: «Die Fahrer ziehen aus ihrer Tätigkeit keinen ökonomischen Profit, sondern decken lediglich ihre Kosten. Darum kann man nicht von gewerbsmässigem Personentransport sprechen. Die Vorwürfe sind haltlos.»

Zurück zum Messeplatz: Ergün hat eine Taxilizenz. Schon seit 15 Jahren arbeitet er als Taxifahrer in Basel. Er ist der Mann, der vorher gehupt hat. Sein Mercedes, auch ein schönes Auto, steht auf dem Taxistandplatz und wartet auf Kundschaft. Wir steigen ein, lassen uns zur Markthalle zurückfahren. Für 17.80 Franken. Das sind 5.80 Franken mehr als bei Hans, dem Uber-Fahrer, der schon wieder weg ist, bevor wir ins Taxi einsteigen – denn seine App hat bereits die nächste Bestellung gemeldet.

Von den 17.80 Franken, die Ergün in bar erhält, landen nicht einmal zehn Franken bei ihm. «Es sind etwa 47 Prozent, wenn man alle Kosten rechnet», sagt er. Das macht neun Franken. Ergün ist nicht gut auf Uber anzusprechen: «Das ist absolut nicht okay, die machen uns kaputt.» Und er zählt all die Kosten auf, die er als Taxifahrer hat, seine Konkurrenten von Uber aber nicht: Zum Beispiel die 1000 Franken pro Monat, die er der Taxi-Zentrale zahlen muss, oder die jährlich 700 Franken für die Taxihalterbewilligung, sozusagen der Mietzins für die Taxistandplätze.

Ergün muss jeden Tag eine Kontrollkarte des Justiz- und Sicherheitsdepartements ausfüllen. Wie viele Stunden Ruhezeit hatte er? Elf Stunden sind das Minimum. Von wann bis wann arbeitete er? Meistens sind es acht Stunden. Ergün ist nicht Mitglied der Unia, begrüsst aber deren Engagement. «Wenn die Taxifahrer nicht mehr genug Geld verdienen, gehen sie zum Sozialamt. Der Staat schadet sich also selbst, wenn er Uber nicht verbietet.»

Doch ist es wirklich so schlimm? Gestern Morgen waren auf der App von Uber nur zwei Autos verfügbar. Gleichzeitig gibt es in Basel 475 Taxibetriebsbewilligungen (2010 waren es 503). «Unsere Taxifahrer berichten, dass sie vor allem zu guten Taxizeiten wie am Freitagabend immer wieder Privatautos sehen, die ihnen Kunden wegschnappen», sagt Unia-Gewerkschaftssekretär Roman Künzler. «Sobald sich Uber durchsetzt, wird ihr Geschäft exponentiell zunehmen und den Taxifahrern schaden.»

Uber im neuen Taxigesetz verankert

Uber-Chef Jalali erwartet, dass sich Uber in Basel ausbreiten wird. «Wir haben in Basel mehrere Dutzend Fahrer. Wenn es weiter geht wie bisher, werden wir sicher grösser. Wir haben einen positiven Zuspruch von den Nutzern.» Jalali glaubt nicht, dass die Schweiz Uber verbieten wird. «Gerade in der Deutschschweiz ist die Politik doch liberal und pragmatisch.»

Auch der Uber-Fahrer Hans versteht die Kritik nicht. Er sagt: «Man muss schon sehen, dass Uber tausende Arbeitsplätze schafft und die Fahrer von Uber mehr verdienen.» Am 15. November stimmen die Basler über das neue Taxigesetz ab. Darin ist keine Regulierung von Uber vorgesehen. Mit ein Grund, weshalb die Unia das Gesetz ablehnt.