Strafgericht Basel
Überfall auf Bijouterie: DNA am Türspion führte auf die richtige Spur

Zwei Männer müssen sich wegen eines Raubüberfalls auf eine Basler Bijouterie vor Gericht verantworten. Einer der beiden hat auch einen 86-jährigen Mann in dessen Wohnung brutal überfallen.

Patrick Rudin
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Der von den Tätern entwendete Schmuck hatte einen Wert von 65'000 Franken (Symbolbild)

Der von den Tätern entwendete Schmuck hatte einen Wert von 65'000 Franken (Symbolbild)

Keystone

Es dauert nur wenige Minuten: Mit Handschuhen, Baseballkappe, Sonnenbrille und Soft-Air-Pistole trat der heute 25-jährige Mann kurz vor neun Uhr in die Bijouterie in der Falknerstrasse und fesselte eine Angestellte mit Kabelbindern. Daraufhin trat auch sein 28-jähriger Cousin ins Geschäft, beide räumten die Schubladen aus und verschwanden danach spurlos. Wie sich später herausstellte, hatten sie ihr Fluchtauto zuvor bei der Heuwaage geparkt. Die Beute bestand aus knapp 400 Uhren, Ringen und Ohrsteckern, abgesehen von vier teuren Uhren im Preisbereich zwischen 1000 und 2000 Franken waren die meisten Schmuckstücke allerdings nicht besonders wertvoll. Der Schaden betrug durch die grosse Menge an Diebesgut dennoch rund 65 000 Franken.

Vergebliche Ermittlungen

Der Überfall vom April 2011 blieb lange ungeklärt, die Ermittler suchten vergeblich im Bereich international bekannter Schmuckräuber. Versetzt wurde die Beute an diverse Schmuckhändler, teilweise verkauften sie die Stücke auch über die Internet-Plattform Ricardo. Den groben Ablauf des Raubes geben die zwei Männer zu, in vielen Details beschuldigten sie sich gestern Morgen vor dem Basler Strafgericht allerdings gegenseitig.

Der Jüngere der beiden führte aus Geldnot noch einen weiteren Überfall durch: Im Januar 2014 klingelte er bei einem 86-jährigen Mann an der Güterstrasse, schlug dem Rentner mehrmals brutal ins Gesicht und stahl schliesslich 17 000 Franken Bargeld aus dessen Wohnung. Dabei war auch ein zweiter Täter, der bis heute unbekannt geblieben ist. Das betagte Opfer blieb gefesselt und bewusstlos in seinem eigenen Erbrochenen in der Wohnung liegen und leidet noch heute an den Folgen. Zuvor hatten die zwei Täter die Türspione der Nachbarn mit Filz zugeklebt, damit sie nicht beobachtet werden können. Ein DNA-Vergleich führte schliesslich auf die Spur des 25-Jährigen.

Es drohen hohe Strafen

Der Bijouterie-Raub führt wegen der mitgeführten Schusswaffe zu einer Mindeststrafe von einem Jahr für beide Männer. Der Überfall auf den 86-jährigen Mann hingegen wiegt für den 25-Jährigen deutlich schwerer: Bringt ein Räuber sein Opfer in Lebensgefahr, beträgt die Mindeststrafe fünf Jahre. Dazu kommen noch weitere Delikte: Der 25-Jährige bot etwa «fabrikneue Originalsoftware» im Internet an, meist Windows 7 oder Microsoft Office Pro.

Die Preise waren günstig, doch geliefert wurde höchstens eine selbstgebrannte Kopie. Auf Nachfragen antwortete er jeweils, der Kunde müsse sich selber um den Aktivierungskey kümmern. Verdient hat er damit knapp 10 000 Franken, doch das trug ihm nicht nur eine Zusatzanklage wegen gewerbsmässigen Betrugs in 129 Fällen ein, sondern auch wegen Urheberrechts- und Markenrechtsverletzungen inklusive einer noch nicht bezifferten Zivilforderung von Microsoft Schweiz.

Die Staatsanwaltschaft wird heute ihren Antrag zum Strafmass bekannt geben, die fünf Richter fällen ihr Urteil Ende dieser Woche.