Strafgericht
Überfall auf Birsköpfli: Angeklagter nicht lernfähig

Zwei Männer haben im letzten Sommer am Birsköpfli einen Dealer ausgenommen. Einer der beiden Täter wurde in diesem Fall freigesprochen, trotzdem droht ihm jetzt die Ausschaffung. Der Überfall ist nicht seine erste Tat.

Patrick Rudin
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Raub, Diebstahl und Betäubungsmitteldelikte - Der 28-jährige Angeklagte ist dem Strafgericht nicht unbekannt

Raub, Diebstahl und Betäubungsmitteldelikte - Der 28-jährige Angeklagte ist dem Strafgericht nicht unbekannt

Limmattaler Zeitung

So richtig freuen konnte sich der 28-jährige Türke am Freitag nicht: Beim schwersten Vorwurf des Raubes gab es für den Angeklagten zwar einen Freispruch. Auch fiel das Urteil mit einer unbedingten Freiheitsstrafe von neun Monaten relativ mild aus. Weiter hob das Basler Strafgericht seine Sicherheitshaft auf, zumal er zwei Drittel davon bereits abgesessen hatte.

Dennoch wurde er wegen Raufhandel und Diebstahl verurteilt, hinzu kamen Betäubungsmitteldelikte. Der Mann wurde bereits früher zweimal wegen mehrfachen Raubes zu Freiheitsstrafen von 24 und 15 Monaten verurteilt, rund drei Jahre verbrachte er in einer stationären therapeutischen Massnahme. Diese wurde schliesslich abgebrochen, weil sie aussichtslos erschien.

Das Migrationsamt kassierte daraufhin seine Niederlassungsbewilligung. Diese Wegweisung ist inzwischen vor dem Baselbieter Kantonsgericht hängig. Der arbeitslose und extrem kräftig gebaute Mann ist im Baselbiet aufgewachsen und besitzt die türkische Staatsangehörigkeit.

«Intellektuelle Grenzbegabung»

Ein Gutachten bescheinigt ihm eine Persönlichkeitsstörung sowie eine «intellektuelle Grenzbegabung». Sein Verteidiger betonte, sein Mandant habe einen Intelligenzquotienten von 70. Da sei es sehr schwer, eine therapeutische Massnahme durchzuführen.

Der Mann stand diese Woche vor dem Basler Strafgericht, weil er im August 2015 zusammen mit einem Kumpel einen Cannabis-Dealer ausgenommen hatte. Der obdachlose Dealer übernachtete am Birsköpfli. Nach einer Prügelei mit brutalen Schlägen und Tritten nahmen die zwei Männer die Taschen des Dealers mit. Der genaue Hergang blieb aber unklar, und der Dealer selbst sagte vor Gericht aus, dass der 28-jährige Angeklagte beim Überfall eher versucht habe zu schlichten. Die Beute wurde allerdings hinterher in dessen Wohnung gesichtet und geteilt. Sein Kumpel muss sich wegen der Sache noch vor Gericht verantworten.

Staatsanwältin Christine Egli hatte eine Bestrafung als Mittäter bei einem besonders brutalen Raub und eine Freiheitsstrafe von 2,5 Jahren verlangt, drang damit aber nicht durch. Der Verteidiger hatte sich auf widersprüchliche Zeugenaussagen berufen und vollumfängliche Freisprüche gefordert.

Eine weitere Verurteilung gab es am Freitag dann noch wegen eines «Ausflugs» nach Schaffhausen: Vor dem Jahresende 2014 war der 28-Jährige mit zwei weiteren Insassen aus dem Baselbieter Massnahmezentrum Arxhof geflüchtet. An Silvester warfen sie in einer Bar in Schaffhausen mit schlecht gefälschten Hunderternoten um sich. Der 28-Jährige flirtete zwar mit der Barkeeperin, um sie abzulenken. Doch bei der zweiten Note flog die Sache auf, die Gruppe verbrachte den Rest der Nacht in einer Polizeizelle.

Gerichtspräsident André Equey attestierte dem Mann allerdings «keine gesteigerte kriminelle Energie, sondern eher die Unfähigkeit zu lernen». Der Fall kann noch weitergezogen werden. Sobald ein rechtskräftiges Strafurteil vorliegt, wird das Kantonsgericht Baselland über die Ausweisung des 28-Jährigen befinden.