Region Basel
Überraschendes Comeback für das Hooligan-Konkordat

Die Massnahmen gegen Fangewalt kommen in beiden Basel vors Volk. Die unterlegenen Befürworter des Konkordats starten eine Volksinitiative in den beiden Basel. Diese soll dem Hooligan-Konkordat zum Durchbruch verhelfen.

Hans-Martin Jermann
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Nach dem Spiel ist vor dem Spiel: Das berühmte Zitat von Trainerlegende Sepp Herberger trifft auch auf das erweiterte Hooligan-Konkordat zu: Zwar wurde dieses in den Parlamenten beider Basel bachab geschickt – im Grossen Rat am 11. Dezember mit 13 Ja- gegen 69 Nein-Stimmen, im Baselbieter Landrat vergangenen Donnerstag mit 10 zu 72 Stimmen. Die unterlegenen Befürworter des Konkordats wollen nun aber mit einer Volksinitiative dem Konkordat in beiden Basel doch noch zum Durchbruch verhelfen.

«Koordinierte Konsequenz»

Die Karten werden völlig neu gemischt: Zwar beurteilt man in der Region die Frage, wie Fangewalt bekämpft werden soll, anders als in der übrigen Schweiz. Dennoch haben bisherige Abstimmungen in anderen Kantonen deutliche Ja-Mehrheiten zutage gefördert. «Die Baselbieter Regierung geht davon aus, dass das Konkordat in einer Abstimmung gute Chancen hätte», lässt etwa Sicherheitsdirektor Isaac Reber verlauten. Ähnliches gilt für Basel.

«Die ganze Schweiz macht mit – nur wir in der Region Basel stehen abseits und schauen in den Mond. Das kanns nicht sein.» So begründet der Baselbieter CVP-Landrat Peter H. Müller, weshalb in beiden Basel Unterschriften für den Beitritt zum Konkordat gesammelt werden sollen.

Die Befürworter wehren sich dagegen, als Fussballmuffel und Sonderlinge abgestempelt zu werden: Seit 1964 habe er kaum ein Heimspiel des FCB ausgelassen, stellt der Oberwiler Politiker klar. «Meiner Meinung nach könnte man auch über die Zulassung orchestrierter Pyros diskutieren», findet Müller. Ziel sei es, mit «koordinierter Konsequenz» gegen Chaoten im Umfeld von Fussballspielen vorzugehen.

In Basel-Stadt setzt sich SVP-Grossrat Joël Thüring für die Initiative ein. Es habe in den letzten Tagen erste Gespräche zwischen ihm und Müller gegeben. Die Vorzeichen stünden gut: «Das Bundesgericht stützt die Marschrichtung des Konkordats.» Das Gericht habe in seinem Urteil von Anfang Januar bloss Details beanstandet, findet Thüring.

Zentral für den Erfolg der Initiative werde zudem sein, dass sie ohne parteipolitische Färbung daherkomme. Thüring will deshalb Vertreter anderer Parteien für das Ja-Komitee gewinnen. Ein solcher Vertreter könnte CVP-Fraktionschef Remo Gallacchi sein. Gegenüber der bz bestätigt Gallacchi, dass er für die Ja-Kampagne seinen Kopf hinhalten würde.

Populistische Rufe nach Sicherheit

«Die Initiativen werden für uns eine Herausforderung», räumt Konkordats-Gegner und FDP-Landrat Balz Stückelberger ein. Diese bestehe vor allem darin, den populistischen Rufen nach mehr Sicherheit, die bei der Bevölkerung verfangen könne, Paroli zu bieten: «Wir Gegner stehen für Grundrechte ein. Unsere Bedenken gegen das Konkordat sind vor allem juristischer Natur – das ist nicht einfach zu vermitteln», sagt Stückelberger.

Auch der Basler SP-Grossrat Tobit Schäfer – er hat Beschwerde gegen das Konkordat geführt – nimmt die Initiativen ernst. Im Gegensatz zu Thüring glaubt er, dass das Urteil den Gegnern in die Hände spiele: «Lausanne hat deutlich gemacht, dass das Konkordat in der beabsichtigten Schärfe nicht umgesetzt werden darf.»

In der Region Basel mit ihren vielen Stadionbesuchern werde die Situation realistisch eingeschätzt. «Die Menschen lassen sich nicht von der Angstmacherei der kantonalen Polizeidirektoren täuschen, wonach in den Stadien permanent Kriegszustand herrschen soll.»