Das ist dem harten Konkurrenzkampf im Business geschuldet: Seit anderthalb Jahren notieren Basler Taxichauffeure die Autonummern mutmasslicher Uber-Fahrer auf Basels Strassen. Die so entstandene Liste umfasst aktuell 577 verschiedene Uber-Fahrer. Weniger als die Hälfte davon ist mit einem BS-Schild unterwegs, nebst Baselland sind auch Aargau, Solothurn und Lörrach stark vertreten. Fahrer aus den Kantonen Zürich, Zug, Luzern und Bern wurden ebenfalls mehrfach gesichtet – Einzelbeobachtungen gibt es sogar von Walliser und Bündner Autos.

Die Liste, die insgesamt – inklusive Mehrfachnennungen – über 1000 Einträge enthält, ist mit Vorsicht zu geniessen. Markus Kümin, ehemaliger Taxifahrer und Mitglied der Taxi-Gruppe bei der Gewerkschaft Unia, sagt: «Viele der Meldungen stammen vom letzten Sommer, da haben wir vorfrankierte Meldekarten an Kollegen verteilt. Mittlerweile haben viele Taxifahrer aber resigniert und melden nur noch sporadisch, wir führen die Liste jedoch weiter – es ist ein wichtiges Beweismittel.»

Tatsächlich ist es der einzige Anhaltspunkt darüber, wie viele Uber-Fahrer in Basel unterwegs sind. Die US-Firma gibt dazu keine Informationen preis. Auch aus der App lässt sich nichts auslesen: «Uber verschleiert in der App sogar die Positionen seiner Pop-Fahrer, vermutlich um der Polizei keinen Anhaltspunkt über deren Aufenthaltsort zu geben», sagt Kümin. Die Positionen der professionellen Uber-X-Fahrer auf der Karte würden hingegen stimmen, das habe er mehrfach nachgeprüft.

Zürich greift härter durch

Unter Basler Uber-Fahrern macht derweil das Gerücht die Runde, dass Uber den umstrittenen Amateurfahrer-Dienst Pop in Basel demnächst einstellen wird, wie dies in Zürich vor zwei Monaten geschehen ist. Der bz liegen mehrere entsprechende Aussagen vor. Es wird übereinstimmend spekuliert, dass Uber-Pop in Basel nur noch nicht sistiert worden sei, um den Zürcher Pop-Fahrern eine alternative Einnahmequelle zu ermöglichen, bis sie die Zürcher Taxiprüfung bestanden hätten. Der Konzern hat eine entsprechende Anfrage nicht fristgerecht beantwortet.

In früheren Aussagen hiess es, dass Pop-Piloten eine Übergangsfrist gewährt würde, während der sie in Zürich auch ohne Taxi-Ausbildung für den professionelleren Uber-X-Dienst arbeiten könnten – womit sie jedoch noch immer gegen das Gesetz verstossen. Die Behörden in Zürich greifen denn auch weiterhin deutlich härter durch als in Basel. 37 Verzeigungen gegen Uber-Fahrer gab es dort seit dem 10. August – in Basel waren es lediglich fünf, wie Polizeisprecher Martin Schütz auf Anfrage sagt.

Zudem scheinen sich die Basler Pop-Chauffeure aktuell brennend für die Taxi-Ausbildung zu interessieren, wie Ati Osmani, Geschäftsführer der grössten Basler Autofahrschule, der Lerncenter Dreispitz AG, sagt. «Seit August hat die Anzahl der Taxi-Fahrschüler merklich angezogen. Gerade vorletzte Woche haben drei Uber-Pop-Fahrer bei uns die Taxiprüfung begonnen.»

Lieblingsfahrzeug: BMW

Die Taxifahrer-Liste ermöglicht aber noch weitere Einblicke in die Uber-Blackbox: So gibt es einzelne Fahrer, die bereits mehr als ein dutzend Mal von Taxichauffeuren notiert wurden. Einer von ihnen mit zwölf Einträgen in der Überwachungsliste fährt mit einem Zuger Kontrollschild, eine Berner Nummer taucht mit sechs Nennungen mehrmals auf. Auch über die Lieblingsorte der Uber-Fahrer können Aussagen gemacht werden: Steinen, Claraplatz, Hinterhof, Roche und Flughafen scheinen die Hotspots zu sein – mit jeweils über 30 Beobachtungen. Im Fall der Steinentorstrasse sind es gar über hundert. Und die bevorzugte Automarke der Uber-Fahrer dürfte gemäss Liste BMW sein, vor Mercedes und Tesla.

Die 1078 Beobachtungen der Basler Taxifahrer sind lediglich die Spitze des Eisbergs: Die Basler Behörden haben einen Uber-Pop-Fahrer bereits im November letzten Jahres mit 5000 Franken gebüsst: Sie konnten ihm 541 Fahrten nachweisen. Ein Weiterer musste 500 Franken zahlen, weil er 26 Mal innert weniger Tage gefahren ist. Von einem von der Gewerkschaft Unia geforderten generellen Uber-Verbot wollen die Basler Behörden jedoch nichts wissen. «Der Regierungsrat lehnt ein ‹Uber-Verbot› sowohl ordnungspolitisch als auch rechtlich unverändert ab», steht in einer aktuellen Interpellationsantwort zum Thema.