Palazzo Colombino

Über die Schwelle in ein anderes Universum

Die Singing Waiters begeistern das Publikum. Foto: Juri Junkov

Die Singing Waiters begeistern das Publikum. Foto: Juri Junkov

Kulinarik und künstlerische Höchstleistungen werden im Palazzo-Colombino-Programmheft versprochen. Prächtige Kronleuchter, unzählige Spiegel und roter Samt sorgen für ein stilvolles Ambiente.

Kulinarik und künstlerische Höchstleistungen werden im Palazzo-Colombino-Programmheft versprochen. Exquisite Küche vom Les-Quatre-Saison-Chefkoch Peter Moser, fantastisches Ambiente, ein gediegener Abend. Nachdem der Gast über die Schwelle in das Zelt tritt, fühlt er sich, als hätte er ein anderes Universum betreten. Schön gedeckte Tische, darauf edle Kerzenständer, alles erscheint in rot und goldigem Licht. Eine Stunde vor Beginn der Show wird jedem Gast ein Cüpli angeboten. Keine Hektik: Wer will, kann im Foyer mit seiner Begleitung plaudern, die Serviceangestellten warten in Reih und Glied, bis sie den Gast an den Tisch begleiten dürfen.

Neues Spiegelzelt wird gesegnet

Es wird dunkel, nur das Kerzenlicht flackert. Die Vorstellung beginnt noch nicht. Zuerst muss das neue und schweizweit einzige Spiegelzelt gesegnet werden – eine Pfarrerin übernimmt diesen Part. Dann gehts los: Das Trio Bingo aus der Ukraine betritt die Manege. Die Sportakrobatinnen Alina, Alona und Kateryna verzaubern mit vielförmigen Pyramiden. Alina balanciert im Handstand auf den anderen Beiden, zeigt einen Salto und landet im Spagat auf den Füssen ihrer Kolleginnen. Aufschrei im Publikum, Staunen, Applaus. Diesen gibt es beim Anblick der Vorspeise. Zweifarbige Karottensuppe mit Ingwer und Capuns.

Durch den Abend führt der Komiker und Jongleur Steve Rawlings. An seiner Seite erscheint Sohn Jay als Assistent auf der Bildfläche. In der ersten Hälfte des Programms sind Vater Rawlings Sprüche mässig witzig. Der schwarze Humor des Engländers sorgt beim Publikum für schüchterne Lacher, lässt es aber auch den Atem anhalten. Ein Beispiel: Steve setzt ein Messer an seinen Unterarm und beginnt, diesen abzutrennen.

Ist er während der ersten paar Nummern ein Zweitklasse-Komiker, dreht er plötzlich auf. Balanceakte mit Alltagsgegenständen wie Pingpong-Bällchen oder einem Tablett voller Gläser und Flaschen folgen Jonglagenummern mit Tisch, Stuhl und Blumenvase. Bevor zwei akrobatische Highlights gezeigt werden, wird Zanderfilet im Brickblatt an Syrahsauce und Winterspinat mit Kokoscreme aufgetischt. Als Hauptspeise folgt mit Rosmarin gebratener Kalbsrücken auf Fenchel.

Lebensfreude vom Balkan

Hand-auf-Hand-Akrobatik zeigen die Rumänen Constantin und Dan. Sie tragen sich gegenseitig – in Körperhaltungen, in denen das eigentlich nicht möglich ist. Zoran Madzirov schafft es dann endgültig, das Publikum zu begeistern. Mit dem Flaschenklavier spielt der Mazedonier von Bach über Mozart bis hin zum modernen Jazz. Er entfacht in halsbrecherischem Tempo ein Feuerwerk an Musizierlust und Lebensfreude.

Neben den Komikern Rawlings sorgen die Singing Waiters mit beeindruckenden Kostümen, schönen Stimmen und tänzerischen Einlagen für gute Unterhaltung. Bekannte Songs der Bee Gees, von Udo Jürgens und Queen geben die zehn Profisänger zum Besten. Die Bäuche sind zwar vollgeschlagen, aber für das Dessert findet jeder noch Platz im Magen. Semifreddo von der Kalamansi mit Erdnuss-Cantucci und karamellisierte Ananas. Das Programmheft hat nicht zuviel versprochen. Der diesjährige Palazzo Colombino bietet eine Mischung aus spektakulären artistischen Darbietungen und einem hervorragenden Vier-Gang-Menu.

Palazzo Colombino, Rosentalanlage, bis 15. Januar.

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