Am krassesten formuliert es die SVP: René Kamms Rücktritt sei «überfällig» gewesen, schreibt die Basler SVP in einer Mitteilung. Sie nimmt darin Stellung zu den Turbulenzen bei der Messe Schweiz (MCH), der René Kamm während 15 Jahren als Konzernchef vorstand.

Forderungen nach einem Rücktritt wurden laut, als vor einer Woche bekannt wurde, dass sich mit der Swatch Group der grösste Baselworld-Aussteller von der Uhren- und Schmuckmesse zurückzieht. Am vergangenen Freitag gab Kamm seinen Rücktritt bekannt.

Es scheint, als gäbe es niemanden, der diesen Schritt bedauert: Wer sich öffentlich dazu äussert, ist jedenfalls erleichtert. Im Gegensatz zur SVP preisen bürgerliche Parteien zwar Kamms Verdienste, seinen Abgang bezeichnen sie aber gleichzeitig alle als «richtigen Schritt». «Es mangelte am Verständnis und am Dienst am Kunden. Die Baselworld war vor allem eine Geldmaschine», schreibt etwa die Basler CVP. Das Ansehen und das Vertrauen der Aussteller könne man nur mit einer neuen Führung zurückgewinnen.

Diesen Job wird nun Ueli Vischer machen müssen. Der MCH-Verwaltungsratspräsident leitet das operative Geschäft neu interimistisch. Erfreut darüber zeigt sich die LDP, für die Vischer von 1992 bis 2004 in der Regierung sass. Die Partei schreibt: «Mit Ueli Vischer steht eine integre Persönlichkeit mit grosser Führungserfahrung und dem Vertrauen aller Verwaltungsratsmitglieder zur Verfügung.»

Die LDP verliert kein schlechtes Wort über den Verwaltungsrat. Anders SVP und CVP: Sie kritisieren den Verwaltungsrat stark, die SVP fordert gar eine Untersuchung durch die GPK. Im elfköpfigen Verwaltungsrat sitzen mit Eva Herzog und Christoph Brutschin zwei Basler SP-Regierungsräte. Die SP ihrerseits erhofft sich durch den Kamm-Rücktritt «eine neue Dynamik». (rut)