Es braucht wenig, um aus A. W. einen Gewalttäter zu machen. Ein falscher Blick, eine falsche Annahme, ein falsches Wort und der 24-jährige Schweizer schlägt zu. Mit der rechten Faust zum Kopf des Gegners. Das wurde gestern schnell deutlich, als das Basler Strafgericht die Vita von A. W. zu verhandeln begann. Mehrere Schlägereien stehen in der Anklageschrift des jungen Berners. Immer entschied er in Sekundenbruchteilen, immer hatte das für seine Opfer monatelang Folgen. Dabei war der Morgen nur der Auftakt zu einer grösseren Verhandlung.

Denn was A. W. im Beisein von drei Kollegen im August 2017 durchzog, geht über das Mass von Gewalttaten im Affekt hinaus. Während der Berufsmatur vom Weg abgekommen, begann A. W. eine Drogenkarriere. Gras, Koks und Alkohol bestimmten seinen Alltag. Gleichzeitig fand er einen Weg in Kreise, in denen das Ausladen einer Kiste, randvoll mit Waffen und Munition nicht der Nachfrage wert ist.

5'000 Franken Schulden

Eines Abends brach er mit drei Kollegen nach Basel auf, um einem Kunden einen Besuch abzustatten. Unter Drohungen verschafften sich die drei Männer Zutritt zur Wohnung eines Kollegen des Opfers. Sie wollten den Mann dazu zwingen, ihnen Geld zu geben, dass er ihnen schulden soll. 5'000 Franken. Der Überfall ist das Drehbuch eines Gangster-Films: Der Besitzer der Wohnung wird von O. D, einem 22-jährigen Italiener festgehalten, während die anderen auf das Opfer einprügeln. Dabei sind sie mit einer Beretta bewaffnet. Mehrfach feuert A. W. Schüsse ab.

Die Staatsanwaltschaft macht ihn später als Anführer der Gruppe aus. Nachdem die Männer ihr Opfer verprügelt haben, bringen sie ihn in eine Wohnung in Bern. Als er nach einem Tag immer noch nicht bereit ist, das Geld rauszurücken, lassen sie ihn frei. Am Abend alarmiert das Opfer von Basel aus die Polizei.

Seit Dienstag laufen die Verhandlungen. Drei der vier Täter befinden sich derzeit in Untersuchungshaft, darunter ein 23-jähriger Jordanier, der mit einer Ausschaffung rechnen muss. Die Liste der verschiedenen Straftatbestände reicht von Erpressung bis hin zu Freiheitsberaubung und Entführung. Beim Auftakt der Verhandlungen gab sich A.W. reumütig. Mit hängenden Schultern entschuldigte er sich bei seinen früheren Opfern und beteuerte, in Zukunft alles ändern zu wollen. Das Urteil wird heute oder morgen gefällt.