Das Schweizer Sportmuseum - eines der ältesten Sportmuseen Europas - streicht die Segel wegen Geldmangels. Die Stiftung hinter dem Begehlager in Münchenstein wird aufgelöst.

Die Museumsverantwortlichen haben in den vergangenen Monaten ein Wechselbad der Gefühle erlebt: Immer wieder war die Existenz des Sportmuseums bedroht. Als das Bundesamt für Kultur bekannt gab, dass es keine finanziellen Mittel mehr zur Verfügung stellt, der Landrat eine weitere Unterstützung ablehnte und auch der Kanton Basel-Stadt auf die Vergabe von Subventionen verzichtete, blieb der Stiftung Sportmuseum nur noch Swiss Olympic. Die Organisation sprach Subventionen noch bis Ende 2020. Aber das reicht nicht einmal für die Miete auf dem Dreispitzareal.

Nun zieht die Stiftung einen Schlussstrich. «Nach eingehender Prüfung aller Handlungsalternativen ist der Stiftungsrat zum Schluss gekommen, dass die Fähigkeit zur Fortführung der Stiftungstätigkeit ohne entsprechende Unterstützung kurz- und langfristig nicht mehr gegeben ist", heisst es in einer Mitteilung vom Donnerstag.

Die Stiftung wird liquidiert und die Sammlung geht an den Sportdachverband Swiss Olympic. Was mit der grössten schweizerischen Sportsammlung passiert, ob und wie sie zugänglich bleibt, ist vorerst offen. Über den Fortbestand entscheide Swiss Olympic, teilte die Stiftung Sportmuseum Schweiz mit.

Den verbliebenen vier Teilzeitangestellten mit zusammen 150 Stellenprozenten wurde per Ende August gekündigt, wie Stiftungsratspräsident Paul Engelmann sagte. Sie hätten zuletzt auf Stundenlohnbasis gearbeitet; die Kündigungsfrist laufe bis Ende Oktober. Bis dann hofft er auf den Entscheid von Swiss Olympic.

Zuständigkeitsdilemma

Das Sportmuseum nagt seit Jahren am Hungertuch und dribbelt dem finanziellen Abgrund entlang. Das Problem ist, dass der Bund zwar einen Beitrag zahlte, sich aber nicht verantwortlich fühlt. Und die beiden Basel waren zwar wichtige Träger des Museums, halten dieses aber für eine eigentlich nationale, nicht kantonale Angelegenheit.

Laut Engelmann fiel das Sportmuseum bei Sport- wie Kulturverantwortlichen zwischen Stuhl und Bank. Schon vor Jahren habe das Schweizerische Landesmuseum abgewinkt; es wolle nicht auch noch den Sport abdecken. Ob das jetzt noch so gilt, müsse nun Swiss Olympic schauen.

Beim Bundesamt für Sport (Baspo) hiess es, man sei mit Swiss Olympic und dem Bundesamt für Kultur (Bak) "im Gespräch" über "mögliche weitere Schritte". Das Erbe des gesellschaftlich enorm bedeutsam gewordenen Sports "zu pflegen", sei "wichtig".

Das Sportmuseum stand schon 1997 vor dem Aus, als Basel-Stadt die frühere Finanzierung kappte. Auf der Suche nach neuen Wegen und Geldern ist es dank Mäzenen 2011 aus Basel in ein "Begehlager" in Münchenstein BL just an der Stadtgrenze umgezogen, eine Mischung aus Depot und Ausstellung. Grosse Werbung oder spektakuläre Shows hat es sich jedoch nicht leisten können.

Sportstar-Kultobjekte

Zur Sammlung gehören etwa ein Tennisracket von Roger Federer, Marie-Theres Nadigs Sapporo-Skihelm, Ferdi Küblers Maillot Jaune und das Archiv des Schweizerischen Turnverbands. Das Sportmuseum arbeitete seine laufend wachsenden Bestände wissenschaftlich auf, um die Geschichte und die gesellschaftliche Bedeutung des Sports zu dokumentieren.

Die interessantesten Stücke aus dem Sportmuseum



 

Das Museum lockte mit einem Jahresbudget von gegen 600'000 Franken und fünf Vollstellen rund 2000 Besuchende im Jahr an. Es begründet nun den Liquidations-Entscheid mit ab 2019 ausbleibenden Geldern des Bundesamts für Kultur und des Kantons Basel-Stadt - es war zuvor lange in der Stadt Basel domiziliert.

Das Museum war unter anderem von Swiss Olympic, dem Bund und den Kantonen Basel-Stadt und Baselland unterstützt worden. Die bisherigen Geldgeber würden die Stiftung nicht als geeignetes Gefäss zur Weiterführung des Museums ansehen, die Auflösung empfehlen oder eine solche in Kauf nehmen, schreiben die Museumsverantwortlichen. Die Fähigkeit zur Fortführung der Tätigkeit sei nicht mehr gegeben.

Die Liquidation und die in der Stiftungsurkunde vorgesehene Übertragung des Vermögens an Swiss Olympic sei die beste Lösung, um den Fortbestand der kostbaren Sammlung von nationaler Bedeutung zu sichern, hiess es weiter.

Das Sportmuseum Schweiz war 1945 gegründet worden. Es gilt als eines der ältesten Sportmuseen in Europa und bewahrt bis heute die grösste schweizerische Sportsammlung auf. Dazu zählen über 12'000 Objekte, 200'000 Bilder, 150 Laufmeter Aktenarchive und 11'000 Bücher, Zeitungen und Zeitschriften.

Angesichts einer Schuldenlast von rund 400'000 Franken könnte allenfalls ein Teil der Bestände verkauft werden, sagte Engelmann weiter. Man habe schon einige in Frage kommende Objekte schätzen lassen - den Wert der gesamten Sammlung bezifferte er grob auf etwa 15 bis 20 Millionen Franken.

Dass aus dem Stadtkanton kein Geld mehr fliessen wird, war im Übrigen absehbar. Zuletzt hatte dies die Regierung im Dezember in ihrer Museumsstrategie bekräftigt. Sie will das Sportmuseum nicht tragen, weil es ein nationales Haus ist - zudem suboptimal, monothematisch und auf Baselbieter Boden.

Im Juli 2017 hatte bereits der Bund angekündigt, den Geldhahn im kommenden Jahr ganz zu schliessen. Früher zahlte der Bund 150'000 Franken im Jahr, 2018 noch 105'000 Franken. 100'000 Franken von Swiss Olympic fliessen bis 2019. Baselland spendete letztmals 2017 100'000 Franken. (zam/sda)