Der Kurs der Bank Cler-Aktien war klinisch tot. Seit die Basler Kantonalbank (BKB) angekündigt hat, dass sie alle Aktien aufkaufen wolle, gab es kaum Kursausschläge. Am Montagabend stieg der Wert der Papiere rasant an – aus dem Nichts. Ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, als die endgültige Kommunikation kurz bevorstand, ob die Cler-Übernahme für die BKB erfolgreich verlief. Wer mit welchen Absichten hinter der Aktion steht, ist ein Rätsel. In den Reihen der Übernahmekritiker nervt man sich derweil.

Fast 4500 Aktien wollte ein Kaufwilliger am Montagabend fünf Minuten vor Börsenschluss aufkaufen. Zu einem Preis von 54 Franken pro Stück. Da nahm also jemand 243'000 Franken in die Hand, um sich Cler-Aktien zu sichern. Und das, obwohl schon länger klar ist, dass die Papiere wegen der Übernahme nur noch maximal 52 Franken wert sind. Sinn macht die Transaktion nicht, sagt ein Börsenexperte. Die Spekulation hätte nur funktioniert, wenn die BKB weniger als 98 Prozent der Cler-Aktien hätte aufkaufen können. Dann wäre der Aktienwert wohl gestiegen.

Die BKB hatte aber bereits anfangs Oktober mitgeteilt, dass ihr provisorisch 98,7 Prozent der Aktien angedient wurden. Am Dienstag bestätigte die Bank diesen Wert. Zum Glück für den anonymen Käufer waren am Montag nur wenige Aktionäre bereit, ihre Papiere zu veräussern, auch wenn sie einen weit besseren Preis erhalten hätten. Maximal hätte der Käufer über 9000 Franken verlieren können. Zum Zeitpunkt der Transaktion waren aber wohl viele Aktionäre gar nicht mehr in der Lage, auf das Angebot zu reagieren. Wie viele Aktien für den zu hohen Preis angedient wurden, ist unklar. Sicher ist, dass es nur ein kleiner Teil der gewünschten 4500 Papiere gewesen sind.

Wer Interesse an einem solchen Vorgehen hat, ist unklar. BKB-Sprecher Mathias von Wartburg sagt: «Wir haben nie Aktien für mehr als den Angebotspreis von 52 Franken gekauft». Man könne sich zudem nicht dazu äussern, wer der ominöse Kaufwillige war, der sich dem kalkulierten Verlust aussetzte.

Kritik an Übernahme

Die Übernahme der Bank Cler stand in der Kritik. Der Aufkauf der Aktien verlief am Anfang auch schleppend. Nicht einmal alle Verwaltungsräte wollten ihre Anteile verkaufen.

Insbesondere die von der BKB angebotenen 52 Franken pro Aktie wurde von verschiedenen Seiten als zu tief angesehen. Kritisiert wurde die Fairness-Opinion – das Dokument, das die Rechtmässigkeit des Preises von 52 Franken bestätigt. Der Finanzblog «Inside Paradeplatz» warf der ausstellenden Firma PWC vor, dass die Preisspanne zu tief angesetzt wurde. Zudem wurden hohe Zahlungen von Cler an das Mutterunternehmen BKB kritisiert. Damit sei bewusst der Wert von Cler verringert worden. Klar ist aber auch: In den letzten fünf Jahren wurden die Aktien nie für 52 Franken gehandelt. Viele Aktionäre konnten mit Gewinn verkaufen.

Nächste Woche wird nun der Kauf der Aktien vollzogen. Dann wird die BKB beantragen, dass die restlichen Aktien kraftlos erklärt werden. Dies dürfte vier bis sechs Monate dauern. Danach soll die Bank Cler von der Börse verschwinden. Bis dahin werden die Cler-Papiere gehandelt und die BKB kauft weiter zum Preis von 52 Franken Aktien.

Einer, der gegen die Cler-Übernahme opponierte, war Samuel Angehrn. Er hat in der Folge eine Aktionärs-Gruppe hinter sich gescharrt, um den Aufkauf zu bekämpfen. «Es war nicht das Ziel, eine Transaktion zu verhindern, sondern einen fairen Preis zu erhalten», sagt Angehrn. Das Ansinnen der Gruppe war laut Angehrn, dass die BKB nicht so billig an die Aktien kommen sollte.

Diese Annahme erwies sich als falsch. Viele Aktionäre sahen den Preis offenbar als genügend hoch an. Angehrn hat das mysteriöse Kaufangebot am Montagabend gesehen und einen Verkauf seiner eigenen Aktien in Betracht gezogen. «Ich dachte, da sei vielleicht ein Insider am Werk. Das war aber nicht so und nun nerve ich mich, dass ich nicht verkauft habe.»