Pharmabranche

Übernahme von US-Konzern: Novartis expandiert weiter

Die Novartis-Tochter Sandoz tätigt eine Milliardenübernahme (Archiv)

Die Novartis-Tochter Sandoz tätigt eine Milliardenübernahme (Archiv)

Der Pharmakonzern Novartis tätigt eine weitere Milliarden-Übernahme. Seine Generika-Tochter Sandoz kauft für 1,525 Mrd. Dollar in bar die auf Nachahmermedikamente für Hauterkrankungen spezialisierte Gesellschaft Fougera Pharmaceuticals.

Verkäufer der in Melville im US-Bundesstaat New York ansässigen Firma ist ein Konsortium von Anlagefonds angeführt von Nordic Capital, DLJ Merchant Banking (Credit Suisse) und Avista Capital Partners, wie Novartis in der Nacht auf Donnerstag mitteilte. Der Kauf werde aus Barreserven und Cash flows finanziert.

Fougera beschäftigt rund 700 Mitarbeiter und erzielte 2011 mit ihren 45 Produkten einen Umsatz von 429 Mio. Dollar. Der Kaufpreis entspreche dem 8,8-fachen des letztjährigen operativen Betriebsgewinns vor Zinsen, Steuern, Abschreibern und Goodwill- Amortisationen (EBITDA) von 173 Mio. Franken.

Führend bei Dermatologie-Generika

Sandoz werde mit der Übernahme die Nummer Eins bei Dermatologie- Generika mit einem jährlichen Umsatz von gegen 620 Mio. Dollar vor allem in den USA.

Fougera hat laut Novartis zahlreiche Produktlancierungen geplant. «Fougera bringt wertvolle technische Fähigkeiten mit im Bereich topischer Dermatologieprodukte und in der Entwicklung von halbfesten Formulierungen wie Cremen und Tinkturen», wird Sandoz-Chef Jeff George in der Mitteilung zitiert.

Fougera und Sandoz hätten in den USA zahlreiche gemeinsame Kunden, was Raum für bedeutende Verkaufs- und Kostensynergien biete. Die Transaktion muss noch von den Wettbewerbsbehörden bewilligt werden und soll gemäss Novartis in der zweiten Jahreshälfte 2012 abgeschlossen werden.

Die Anleger reagieren verhalten auf den Zukauf. Der Kaufpreis liege im Rahmen von Übernahmen von Generika-Unternehmen, erklärten Experten der Zürcher Kantonalbank. Für Vontobel ist es hingegen mit Blick auf die Investitionsrendite eine recht teure Übernahme. Die Novartis-Aktie notierte am Mittag in einem leicht festeren Markt unverändert auf 49,70 Franken.

Druck an vielen Fronten

Sandoz litt zuletzt unter Einbussen. Preisdruck im Generikageschäft liessen den Umsatz im ersten Quartal 2012 um 10 Prozent auf 2,1 Mrd. Dollar schrumpfen. Das operative Kernergebnis brach gar um 28 Prozent auf 382 Mio. Dollar ein. Novartis-Chef Joe Jimenez geht aber von einer Erholung im Jahresverlauf aus.

Sandoz kämpfte in drei Werken in den USA und Kanada auch mit internen Problemen. So sprach die US-Gesundheitsbehörde FDA von schweren Nachlässigkeiten in der Produktion sowie von verschmutzten Geräten und drohte mit Konsequenzen. Novartis reagierte mit einem «freiwilligen» Medikamenten-Rückruf.

In der Branche läuft derzeit eine Konsolidierung. So übernimmt der US-Generikahersteller Watson für 4,25 Mrd. Euro den in Steinhausen ZG ansässigen Konkurrenten Actavis. Damit soll nach der israelischen Teva und Sandoz der weltweit drittgrösste Hersteller von Nachahmermedikamenten entstehen.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1