Regierungsratswahlen BS

Überparteiliches Komitee: Esther Keller schmückt sich mit fremden Federn

Esther Keller (GLP) beim ersten Wahlgang am 25. Oktober 2020.

Esther Keller (GLP) beim ersten Wahlgang am 25. Oktober 2020.

Esther Keller (GLP) hat ein überparteiliches Komitee im Rennen um den Sitz im Basler Regierungsrat formiert. Damit surft sie im Windschatten ihrer Gegnerinnen und Gegner.

Gingen die Basler Regierungswahlen den gewohnten Gang, dann hätte Esther Keller ein Problem. Als Grünliberale wäre sie im ersten Wahlgang eine Option, im zweiten nur noch zwischen den Fronten von links und rechts. Damit drohte Keller, was schon andere Mitte-Kandidatinnen und -Kandidaten ohne Bündnispartner erlitten: Schiffbruch.

Der Absturz der – ausgerechnet – grünen Regierungspräs identin Elisabeth Ackermann eröffnet Wahlarithmetikern jedoch eine ganze Reihe von möglichen Ausgängen des zweiten Urnengangs. Umso heftiger streiten die Politiker und Politikerinnen derzeit darüber, wer das Volk in den nächsten vier Jahren vertreten darf.

Mit Keller etabliere sich eine Mitte in den ideologischen Grabenkämpfen

Just im zunehmend gehäs­sigeren Blockkampf zwischen Rot-­Grün und Bürgerlichen präsentierte sich am Montag ein «überparteiliches Komitee». Roland Stark, Tino Krattiger, Otto Schmid, Markus Ritter und noch eine ganze Reihe anderer einst einflussreicher Politiker werben für Keller, vulgo: Testimonialkampagne. Die einfache Botschaft lautete, mit Keller etabliere sich eine Mitte in den ideologischen Grabenkämpfen. Linke wählen Keller – die Schlagzeile brach sich durch «Bajour», BAZ und bz Bahn.

Ein bisschen von allen: Kellers Komitee.

Ein bisschen von allen: Kellers Komitee.

Am Dienstag hat die lose Gruppe begonnen, auf sozialen Netzwerken zu werben. Auf einer Grafik präsentiert sich Keller als Zünglein an der Waage. Sie tritt allerdings nicht alleine auf: Das Komitee bewirbt auch gleich Kaspar Sutter von der SP und Stephanie Eymann. So weit, so unspektakulär, schliesslich stehen Wahlempfehlungen ja eigentlich allen frei.

Werbung in (un)eigener Sache

Was bis jetzt nicht transparent war: dass die GLP-Kandidatin Keller selber hinter diesem «überparteilichen Komitee» steckt. Der Redaktion liegt eine Mail vor, in welchem alt Grossratspräsident Markus Ritter beschreibt, er sei von Keller für ein Komitee angefragt worden und bitte um weitere Unterstützung. Damit hat das Ganze weniger den Eindruck einer Wahlempfehlung, als ganz profane Werbung. Allerdings hat Keller weder Stephanie Eymann noch Kaspar Sutter angefragt, ob sie mit ihnen werben darf.

LDP-Präsidentin Patricia von Falkenstein stösst dies sauer auf. «Mich ärgert das Vorgehen», sagt sie. «Wir unterstützen diese Kombination sicher nicht.» SP- Präsident Pascal Pfister gibt sich derweil gemässigter: «Uns freut, dass Esther Keller Kaspar Sutter zur Wahl empfiehlt.» ­Allerdings sei Sutter «nicht Teil dieses Komitees», sagt Pfister und verweist auf Basta-Kandidatin Heidi Mück.

Auf Anfrage sagt Keller, die Idee sei von aussen an sie herangetragen worden. «Mich haben viele Leute angesprochen, die sagten, sie würden gerne mich und beispielsweise Stephanie Eymann wählen», sagt sie. Diesem Wunsch habe sie mit dem Komitee entsprochen und anschliessend ihre Kontakte angeschrieben.

Abtrünnige unter den Abtrünnigen

Wie lose das Komitee ist, zeigt sich auch an der Diskussion darüber, wie die Unterzeichner nun zu stimmen hätten. Flosskapitän Tino Krattiger etwa gibt an, eigentlich auch Baschi Dürr zu unterstützen, der allerdings neben dem Ticket keinen Platz fände. Otto Schmid äusserte sich dahin gehend, dass er nie einem Komitee beigetreten sei und wie Komiteekollege -minu liess er offen, ob er Kaspar Sutter unterstützt.

Mitinitiator Roland Stark räumt ein: «Es ist zeitweise etwas unübersichtlich geworden. Es gibt halt in der Politik wie im richtigen Leben Linke, Rechte und Verwirrte.» Keiner der Mitunterzeichner hätte aber seine Meinung inzwischen grund­legend geändert, «auch wenn viel Druck gemacht wird», sagt Stark unbestimmt. Mit der Namensgebung sei er inzwischen nicht mehr ganz zufrieden: «Komitee ist vielleicht ein etwas unglücklich gewähltes Wort. Wir beschränken uns auf Facebook-Aktivitäten.»

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