Südareal

Überraschung und Misstrauen: Jetzt stellen Anwohner Forderungen an Roche

Eine neue Adresse in der Stadt: Der Roche Campus.

Eine neue Adresse in der Stadt: Der Roche Campus.

Die Beschattung durch den dritten Turm sei «nicht mehr tragbar» - der Denkmalschutz für den Direktionsbau bleibt umstritten.

Mit den Plänen des Pharmakonzerns Roche zur Erneuerung des Südareals zwischen Grenzacherstrasse und Rhein beschäftigt sich nun auch ein Anwohnerverband. In einer Stellungnahme meldete sich am Montag der Verein Hauseigentümer und Anwohner Wettsteinquartier (HEAW) zu Wort.

Zunächst zeigt man sich in diesen Kreisen überrascht von der «massiven Änderung», die Roche zwischen der ersten Präsentation der Pläne vor rund einem Jahr und der vergangenen Woche gezeigten «Vision» der Areal-Neugestaltung vorgenommen hat. Insbesondere wird die Planung eines dritten, noch höheren Turms («Bau 3») angesprochen.

Zwar anerkennt der Verein, dass Roche bemüht ist, die «engen Platzverhältnisse zwischen dem Südareal und dem Rheinbord zu verbessern». Jedoch: «Wir monieren die zusätzliche nicht mehr tragbare Beschattung des angrenzenden Quartiers durch einen weiteren, noch höheren Turm.»

Öffnung des neuen Grünraums fraglich

Konkret fordert der Verein unter anderem, dass der neu geschaffene Grünraum zumindest tagsüber für die Öffentlichkeit begehbar sein muss. Roche hatte sich vergangene Woche diesbezüglich sehr zurückhaltend gezeigt und auf Sicherheitsbedenken hingewiesen. Man sei aber erst am Anfang des Planungsprozesses und vieles hänge mit der Neugestaltung des gesamten Rheinuferareals zwischen Schaffhauserrheinweg und dem Solitude-Park durch den Kanton Basel-Stadt zusammen.

Die Anwohnerschaft erwartet zudem vom Pharmakonzern Massnahmen, wie die «massive Pendlerflut» bewältigt werden soll. «Die in diesem Zusammenhang oft erwähnte S-Bahnhaltestelle wird frühestens 2035 bereitstehen, und so lange kann das Quartier nicht warten», schreibt der Verein.

Auch in Sache Unterschutzstellung einiger historischer Gebäude ist die Position von Roche klar: Sowohl das Produktionsgebäude 27 von Otto Rudolf Salvisberg wie auch das Hochhaus Bau 52 von Roland Rohn spielen für den Konzern in der Zukunftsplanung, trotz eines laufenden Unterschutzstellungsverfahrens, keine Rolle mehr (siehe bz von gestern).

Eine gute Nachricht für die Denkmalschützer

Beim Bau 21, dem Direktionsgebäude von Salvisberg, verhalten sich die Dinge etwas anders: Roche beabsichtigt, den Bau langfristig zu erhalten und  plant dessen «umfangreiche Sanierung», wie Sprecher Karsten Kleine verlauten lässt. Die Frage, ob der Konzern mit einer förmlichen Unterschutzstellung des Gebäudes einverstanden wäre oder sich dagegen wehren würde, liess Kleine offen. In Heimatschutzkreisen ist man davon überzeugt, dass sich Roche aus Gründen der langfristigen Planungsflexibilität auch bei Bau 21 querstellen wird.

Immerhin eine gute Nachricht hat der Pharmariese für die Denkmalschützer übrig: Der historische und immer noch voll ausgenutzte Produktionsbau 29, direkt nördlich an der Grenzacherstrasse gelegen und aus der Feder von Otto Rudolf Salvisberg stammend, soll bestehen bleiben: «Roche beabsichtigt dieses Gebäude langfristig, über die aktuelle Nutzung hinaus, zu erhalten.»

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Autor

Patrick Marcolli

Patrick Marcolli

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