Zahlen lügen nicht. Und sie sind in diesem Fall eindeutig: 2017 kamen 7245 FCB-Jahreskartenkunden aus Baselland, bloss deren 4075 aus Basel-Stadt. Das hat die Analyse der Saisonkarten-Verkäufe durch das Statistische Amt des Kantons Basel-Stadt ergeben (siehe Box). Der gewiefte Statistiker wirft nun ein: Halt, auf dem Land leben ja deutlich mehr Menschen als in der Stadt. Aber selbst wenn man die Zahlen relativiert und schaut, wie viele Saisonkartenkunden es auf 1000 Einwohner hat, haben die Baselbieter die Nase vorne (BL: 25,37; BS: 21,11).

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Grafik: Elia DiehlFullscreen-Modus

(Daten: FC Basel; Statistisches Amt BS; BFS)

Und so stellt sich also die Frage: Sind die Baselbieter deswegen auch wirklich die besseren Fans? Oder ist es nicht viel eher so, dass Zahlen zwar nicht lügen, aber eben auch nicht die ganze Wahrheit erzählen?

Beginnen wir provokativ, um die Qualität dieser Zahlen zu hinterfragen. Baselland liegt zwar vor Basel-Stadt, doch die Gemeinde mit der grössten Dichte an FCB-Fans liegt im Kanton Solothurn. 65 Saisonkartenkunden leben in Bättwil. Das ergibt für die 1195-Seelen-Gemeinde einen Wert von 54,4 auf 1000 Einwohner. Damit liegt Bättwil fast um zehn Punkte vor Nusshof BL (46,7). Bättwils Gemeindepräsident François Sandoz (FDP) sagt: «Das zeigt eindrücklich, wie sehr sich unsere Gemeinde nach Basel orientiert. Bättwil ist zwischen 1980 und 2000 stark gewachsen, wir hatten viele Zuzüger aus Baselland und Basel-Stadt. Es wird ihnen geschuldet sein, dass wir den ersten Platz in dieser Statistik belegen.»

Sandoz wusste nichts von dieser Statistik, hat nun aber eine Erklärung, warum die Gemeindeversammlungen teils nur sehr bescheiden besucht werden. Mit einem Augenzwinkern meint er: «Wir müssen unsere Termine künftig besser mit dem Spielplan des FC Basel abstimmen.» Auf die Frage, ob in seiner Gemeinde also die besten FCB-Fans leben, sagt Sandoz: «Wenn ich das behaupten würde, begäbe ich mich auf Glatteis. Die Zahl hat nichts mit der Qualität der Fans zu tun.»

Sicher ist: Die Fans schwinden

Damit sind wir bei einem der zentralen Schwachpunkte dieser Statistik: Sie sagt nichts aus darüber, wer zu den Auswärtsspielen reist, wer bei widrigem Wetter auf die Reise ins «Joggeli» verzichtet oder wer das Saisonabonnement gar nur deshalb gekauft hat, um an die so begehrten Champions-League-Tickets heranzukommen. Genau deshalb lässt sich über das Thema, wer die besten Fans sind und wo sie wohnen, so hervorragend streiten.

An dieser Stelle wollen wir das Glatteis meiden, also wenden wir uns weiteren Fakten zu: Der FC Basel ist in der Schweiz unangefochtener Leader, wenn man die Saisonkartenverkäufe anschaut. 2016 verkaufte man mit 23'600 Saisonkarten mehr als doppelt so viele wie die auf Platz zwei folgenden Young Boys (11'680). Im gleichen Jahr nahm der FCB durch Ticketverkäufe 28,5 Millionen Franken ein (einschliesslich der Champions-League-Partien), während ein durchschnittlicher Super-League-Klub bloss 6,7 Millionen durch Ticketverkäufe generiert.

So grandios die Zahlen waren, so besteht doch seit 2014 ein eindeutiger Trend: Die Saisonkartenkunden laufen dem FCB davon. Nicht in Massen, aber doch merklich. Verkaufte man 2014 noch 24 265 Jahreskarten, sind es 2018 bisher bloss 21'800. Kommt hinzu, dass pro Spiel durchschnittlich um die 7000 nicht auftauchen. Auch das hat Präsident Bernhard Burgener dazu veranlasst, die Ticketpreise nicht zu erhöhen, wie das seine Vorgänger geplant hatten. Denn diese Zahlen lügen nicht.