Onlinehandel

Uhren für 1,7 Millionen im Internet verkauft: Ihm kann die Baselworld egal sein

Sholom Chazanow war von 1993 bis 2011 Stammgast an der Baselworld.

Sholom Chazanow war von 1993 bis 2011 Stammgast an der Baselworld.

Sholom Chazanow hat diesen Monat Uhren für 1,7 Millionen Dollar verkauft – nicht in Basel, sondern online.

Für Sholom Chazanow aus Miami/Florida war die Baselworld ein voller Erfolg. Zwar hat er mit seiner Uhrenmarke «Liv - Swiss Watches» nicht mal einen kleinen Stand in der Messehalle, geschweige denn einen mehrstöckigen Pavillon – aber diese Zeit sei sowieso vorbei, seit es das Internet gebe, ist er überzeugt. Dabei war er seit 1993 Jahrzehntelang Stammgast in Basel, zunächst als Vertreter diverser Uhrenmarken, dann als Händler. 2011 hat er seinen Job an den Nagel gehängt und via Crowdfunding-Plattform Kickstarter eine eigene Uhr lanciert.

«Die Baselworld hat als Businessmodell ausgedient – heute wollen die Kunden direkten Kontakt zu ihren Marken, in Basel aber geschieht dieser Austausch nur auf der Ebene Hersteller-Händler.»

Dass er recht haben könnte, beweist seine dritte Uhr, für die er soeben 1,7 Millionen Franken Vorschuss erhalten hat. Nicht von Investoren, sondern von 2891 Käufern – er nennt sie Fans – die den ganzen Entwicklungsprozess seit einem Jahr via Social Media direkt mitverfolgen konnten. «Unsere Fans haben richtiggehend auf die neue Uhr gewartet, am ersten Tag haben wir Uhren für eine halbe Million Dollar verkauft», sagt er.

Und: «Die Grossen in der Branche werden weiterhin den alten Weg gehen, mit Händeschütteln und Partys im kleinen Kreis an der Baselworld, aber sie werden bald erwachen und sich entweder direkt mit den Kunden vernetzen oder untergehen.»

4000 Stück der neusten Liv-Uhr «Rebel» wurden auf Kickstarter abgesetzt.

4000 Stück der neusten Liv-Uhr «Rebel» wurden auf Kickstarter abgesetzt.

Uhrwerk aus dem Baselbiet

Im Innern der Uhren, die während der Kickstarter-Kampagne zu Schleuderpreisen ab 259 Dollar zu haben waren, steckt ein Werk der Firma Ronda aus Lausen. Für Ronda-CEO Erich Mosset eine interessante Zusammenarbeit, wie er auf Anfrage sagt. «Es ist nicht die erste Uhr von Liv, für die wir Werke liefern und in unserem Werk im Tessin auch montieren», sagt Mosset.

Er habe Chazanow zwar nie persönlich getroffen, der Auftrag sei über einen Zwischenhändler in Asien erfolgt. Den Kampfpreis erklärt Mosset mit «der neuen Art, Business über einen reinen Online-Kanal zu machen und sich so hohe Kosten für den klassischen Vertrieb zu sparen».

Das verwendete Quarzwerk koste im Einkauf rund 20 Franken, seine Firma produziere im Jahr rund 20 Millionen Stück davon – sowohl in Asien als auch, für das Label Swiss Made, in der Schweiz. Chazanow sagt zum Preis: «Wir sind eine kleine Firma, machen keine teure Werbekampagne und so gehen 85 Prozent der Kosten direkt ins Produkt. Was bleibt, ist ein kleiner Gewinn und möglicherweise ein neuer Fan unserer Marke, der die nächste Uhr auch kaufen wird.»

Längst kein Einzelfall

Der Uhrendesigner aus Miami hat mittlerweile mehrere Nachahmer inspiriert. Insgesamt elf Uhrenhersteller aus England, Spanien, Norwegen, Singapur und weiteren Ländern sammeln derzeit auf Kickstarter ebenfalls Geld für exklusive Swiss-Made-Uhren. Und auch diese haben Erfolg, etwa die Firma Zelos aus Singapur, die 230 000 Franken für ihre «Swiss Watch Unlike Any Other» gesammelt hat.

Auch ihre Kampagne endete gleichzeitig mit der Uhren- und Schmuckmesse. Und die Norwegische Firma Berg hat innert 14 Tagen ihr «ultimate minimalistic Timepiece» bereits 270 Mal verkauft das angestrebte Budget von 17 500 Franken um das dreifache übertroffen.

Meistgesehen

Artboard 1