Rund eine halbe Stunde lang beobachteten die Zivilfahnder an der Baselworld im vergangenen März zwei jüngere Männer aus Polen. Als diese nach einem längeren Standbesuch plötzlich schnellen Schrittes zum Ausgang eilten, schlug die Polizei zu und griff sich die beiden Männer. Beim 32-Jährigen kam eine kleine Tasche mit zwölf Uhren im Gesamtwert von rund 57 000 Franken zum Vorschein. Der Mann räumte den Diebstahl ohne Umschweife ein.

Nur einer ist geständig

Sein ebenfalls festgenommener 30 Jahre alter Freund hingegen betonte, er habe mit dem Diebstahl nichts zu tun. Gestern blieben auch im Basler Strafgericht beide bei dieser Version: Der 32-Jährige sagte, er habe an einem Stand einen unbewachten Raum gesehen und die zwölf Uhren spontan mitgenommen. Sein Freund habe davon nichts gewusst, und es tue ihm unendlich leid, dass dieser deswegen nun auch im Gefängnis sitzen müsse.

Beide verurteilt

Einzelrichterin Dorrit Schleiminger nahm den beiden Polen die ganze Geschichte allerdings nicht ab: Sie verurteilte gestern beide Männer wegen Diebstahls. Zuvor hatte sie noch einen der Zivilfahnder als Zeugen befragt. Dieser schilderte, wie ihm das Duo bereits auf dem Messeplatz aufgefallen war, und auch in der Messe hätten sich die beiden nicht so verhalten, wie dies Messebesucher sonst tun würden.

Der 32-jährige Mann sei dann für einige Minuten im Innern des mehrstöckigen Messestandes verschwunden. Während dieser Zeit sei der 30-Jährige offensichtlich am Eingang des Standes Schmiere gestanden. Laut Dorrit Schleiminger bestätigten die Videoaufzeichnungen teilweise die Beobachtungen, insbesondere das auffällige Verhalten der zwei Männer nach der Tat. Der Verteidiger der beiden Angeklagten kritisierte, es sei unglaubwürdig, dass sein Mandant bewusst jemandem hinterherlaufe, der gestohlene Waren in der Tasche hat, anstatt unauffällig einen anderen Ausgang zu benützen.

Die Gelegenheit genutzt

Der Diebstahl ereignete sich kurz nach zehn Uhr morgens, als der Stand offiziell noch geschlossen war und im zweiten Stockwerk der Baselworld eine Präsentation für Pressevertreter stattfand. Die Uhren stammten aus einer offenbar unbewachten und nicht verschlossenen Vitrine im ersten Stock.«Es war eine wunderbare Ausstellung. Es war niemand dort, und dann habe ich es getan. Ich dachte, vielleicht habe ich Glück», meinte der 32-jährige geständige Täter gestern vor Gericht zerknirscht. Er erhielt eine Freiheitsstrafe von zwölf Monaten unbedingt, zumal er bereits zweimal wegen Diebstählen in Bulgarien und Italien vorbestraft ist. Er führt in Polen zwei Lebensmittelgeschäfte, ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Der Vater ist Richter

Der 30-jährige Mann hingegen erhielt zehn Monate auf Bewährung und wurde bereits gestern Abend aus der Sicherheitshaft entlassen. Er profitiert vom bedingten Strafvollzug, weil er keine Vorstrafen hatte. Der Vater des Verurteilten ist Richter in Polen, sein Bruder Rechtsanwalt. Beide verfolgten den Prozess in Basel als Zuschauer.

Die zwei Angeklagten waren im März mit dem Mercedes des Vaters nach Basel gefahren.

Der Verteidiger hatte vergeblich betont, es gebe keinen einzigen Beweis für die Mittäterschaft des 30-Jährigen. «Mein Mandant wird als Kriminaltourist abgestempelt», sagte er. Die beiden Verurteilten können das Urteil nun noch vor die nächste Instanz weiterziehen.