Wissenschaft

Ultrafeinstaub aus dem Verkehr belastet Basler Gesundheit

Die Auswertungen zeigen: auf Hauptstrassen atmet man am meisten Ultrafeinstaub ein.

Die Auswertungen zeigen: auf Hauptstrassen atmet man am meisten Ultrafeinstaub ein.

An der Umwelt-Gesundheitskonferenz präsentieren Basler Forscherinnen Resultate, wie sehr der bislang noch wenig erforschte Ultrafeinstaub die Gesundheit gefährdet. Hauptquelle des gesundheitsschädigenden Staubs ist der Verkehr.

Kleinste Partikel sind ist ein Risiko für die Gesundheit. Einmal als Abgas eingeatmet, können sie die Blut-Hirn-Schranke überwinden und sich im ganzen Körper ausbreiten. Wie gefährlich und krankmachend das ist, das hängt vom Stoff ab.

Es gilt: Je kleiner der Partikel, desto tiefer gelangen sie in die Lunge und in die Lungenbläschen. Im Gegensatz zum gut erforschten Feinstaub sind keine gesetzlichen Grenzwerte für Ultrafeinstaub festgelegt. Und die Forschung zur gesundheitlichen Belastung durch Nanopartikel aus der Luft steht erst am Anfang.

Verkehr wirkt belastend

Wie stark die Basler Luft mit Ultrafeinstaub – die Hauptquelle ist der Verkehr – verschmutzt ist, das untersuchen derzeit mehrere Forscher am Swiss Tropical and Public Health Institute (TPH) in Basel. An der Umwelt-Gesundheitskonferenz, die heute in Basel zu Ende geht, haben unter anderen Regina Ducret und Martina Ragettli Resultate ihrer Arbeiten präsentiert.

«Ultrafeine Partikel in der Luft sind räumlich sehr variabel verteilt. Das unterscheidet sie von Feinstaub, der eher grossflächig ähnliche Werte aufweist», erklärt Regina Ducret, wissenschaftliche Mitarbeiterin am TPH.

Im Rahmen der Trinationalen Studie TRI-TABS (Projet Trinational Trafic, Air, Bruit et Santé) misst sie die Konzentration der Partikel an Hauptstrassen, Nebenstrassen und am Stadtrand. Denn die fest installierten Messgeräte in Basel wären dazu nicht geeignet. Der Grund: «Die Konzentrationen der ultrafeinen Partikel lassen sich zentral nicht aussagekräftig messen», erklärt Ducret.

Mit den dezentral erhobenen Daten versuchen die Forscher, die Belastung durch Luft und Lärm auf das Herz und den Kreislauf abzuschätzen. Gemessen wird immer in der Atemzone, also auf Nasen- und Mundhöhe. «Wir wissen, dass die Belastung an Hauptstrassen grösser ist als in anderen städtischen Gebieten», sagt Ducret. Bis ausgewertet ist, was das für die Gesundheit bedeutet, werde es noch eine Weile dauern.

Fest steht: Wie bei Feinstaub ist auch bei ultrafeinen Partikeln die Belastung im Winter höher als im Sommer (vgl. Grafik). Und die Belastung in Strassenschluchten ist höher, als an offeneren Orten. Aber: «Wer im Hochhaus weit oben wohnt, hat eine geringere Belastung», sagt Ducret. Ihre Resultate und die Erkenntnisse der anderen Beteiligten Forscher liefern die Grundlagen für ein Modell für die Verteilung von Nanopartikeln.

Verkehrsreiche Wege belasten

Wie viel Ultrafeinstaub jemand auf seinem Arbeitsweg in Basel einatmet, hat Martina Ragettli im Rahmen ihrer Dissertation am TPH an sich selber untersucht. Sie trug das Messgerät bei sich auf dem Weg zur Arbeit vom Kleinbasel über die Feldbergstrasse bis zum Institut an der Socinstrasse.

«Es hat sich gezeigt, dass die Belastung schon geringer wird, wenn man auf die Nebenstrassen ausweicht», sagt Ragettli. Obwohl ihr Arbeitsweg mit dem Velo pro Tag nur eine halbe Stunde dauerte, war sie in dieser kurzen Zeit bis zu 20 Prozent der täglichen Ultrafeinstaubbelastung ausgesetzt.

In einer zweiten Studie hat sie die Belastung abhängig vom Transportmittel untersucht. Gemessen hat sie entlang der Achse Bahnhof SBB – Kannenfeldplatz. Das Resultat: Den meisten ultrafeinen Partikeln ausgesetzt war, wer während der Hauptverkehrszeiten mit dem Auto oder dem Velo zur Arbeit fuhr.

«Auf dem Velo gab es wenig erstaunlich immer einen Peak hinter Töffs, Lastwagen und Bussen.» Weniger belastet waren Fussgänger. Im Bus war die Luft am Besten. «Das könnte mit der Aircondition zusammenhängen. Zudem waren die Fenster immer geschlossen.»

Auch untersuchte sie die Luft während Spaziergängern auf dem Bruderholz, im Stadtzentrum, im Gundeli und in Liestal. «Am geringsten waren die Werte auf dem Bruderholz», sagt Ragettli. Am stärksten verschmutzt war die Luft dort, wo es viel Verkehr hatte: im Gundeli und in Liestal.

«Meine Messungen tragen zu einem besseren Verständnis der Belastung zu ultrafeinen Partikeln im Verkehr bei», sagt Ragettli. Das leiste einen Beitrag zur politischen Diskussion, ob und wie Ultrafeinstaub reguliert werden sollte.

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