Basel

Um Kosten zu sparen: Stadt will gemeinsame Notschlafstelle für Männer und Frauen

Das Wirtschafts- und Sozialdepartement (WSU) des Kantons Basel-Stadt will wieder eine gemeinsame Notschlafstelle für Männer und Frauen. Kenneth Nars/Az Archiv

Das Wirtschafts- und Sozialdepartement (WSU) des Kantons Basel-Stadt will wieder eine gemeinsame Notschlafstelle für Männer und Frauen. Kenneth Nars/Az Archiv

Obwohl bekannt ist, dass Frauen in der Notschlafstelle an der Alemannengasse belästigt wurden, will das Wirtschafts- und Sozialdepartement trotzdem eine gemischte Stelle.

Die Notschlafstelle an der Alemannengasse war nie eine Wohlfühloase. Besonders Frauen beklagten sich darüber, dass sie belästigt wurden. Für einige weibliche Obdachlose waren die männlichen Bewohner so störend, dass sie lieber draussen schliefen. Grund genug, einen Rückzugsort eigens für Frauen zu eröffnen. 2018 eröffnete die Notschlafstelle mit 28 Betten an der Rosentalstrasse. Das Pilotprojekt dauert bis Ende dieses Jahres. Das Projekt soll danach in den Regelbetrieb übergehen und bis 2026 aufrechterhalten werden. Dann endet die Zwischen-nutzung.

Bereits jetzt ist geplant, dass danach die obdachlosen Männer und die Frauen unter einem Dach nächtigen sollen. Das Wirtschafts- und Sozialdepartement (WSU) des Kantons Basel-Stadt will wieder eine gemeinsame Notschlafstelle für Männer und Frauen. Im Vordergrund stehen wirtschaftliche Überlegungen. Der Basler Sozialamtvorsteher Rudolf Illes sagt: «Wenn man getrennte Standorte für die Frauen und Männer führt, kommt es fast doppelt so teuer.»

An beiden Standorten müsse Personal eingesetzt werden – unabhängig davon, wie schwach belegt die Notschlafstellen seien. Namentlich in der Frauennotschlafstelle an der Rosentalstrasse ist der Betreuungsschlüssel hoch. Coronabedingt stehen 14 Betten zur Verfügung; normalerweise sind es 28. Dies bei wiederkehrenden Kosten von jährlich über 800000 Franken – im Budget inklusive ist nicht nur das Aufpasserpersonal, sondern auch die professionelle Sozialberatung vor Ort.

Separate Eingänge für Männer und Frauen

Trotzdem überrascht die Idee einer gemischten Notschlafstelle. In einem Bericht der parlamentarischen Gesundheits- und Sozialkommission wird hervorgehoben, dass sich das Sicherheitsgefühl der Frauen dank der Separation «verbessert» habe und auch die Männer in ihrer Notschlafstelle an der Alemannengasse mehr Platz hätten.

Der Sozialamtvorsteher weiss um das Konfliktpotenzial zwischen Männern und Frauen in den Notschlafstellen. Er betont denn auch: «Baulich müsste die neue Notschlafstelle ermöglichen, dass die beiden Geschlechter getrennt werden können.» Will heissen: separate Eingänge für Männer und Frauen sowie eine Unterbringung auf verschiedenen Stockwerken. Das nicht nur, um Konflikte zu vermeiden. In der Notschlafstelle an der Alemannengasse sei es häufig auch vorgekommen, dass die Männer nachts zu den Frauen rüberhuschten.

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