Einwohnerrat
Um Zentren zu beleben: Teile der Kantonsverwaltung sollen nach Riehen

CVP-Politiker Patrick Huber fordert in seiner Interpellation mehr Kantonsangestellte in der Landgemeinde Riehen.

Tobias Gfeller
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Riehen aus der Luft: Grün gibt es rundherum, aber nicht im Gemeindehaus. zvg

Riehen aus der Luft: Grün gibt es rundherum, aber nicht im Gemeindehaus. zvg

Die Idee kam Patrick Huber (CVP) während des Abstimmungskampfs um den Neubau des Amts für Umwelt und Energie des Kantons Basel-Stadt an der Schifflände. Bürgerliche kritisierten den Bau als «Luxuslösung». Der Boden in der Innenstadt ist knapp und dementsprechend teuer. Patrick Huber schlägt deshalb Riehen als möglichen Standort für kommende Verwaltungsbauten vor.

«Gerade im Niederholzquartier, dem Eingang zu Riehen, haben wir noch freie Flächen, die zwar nicht billig, aber noch immer kostengünstiger sind als jene in der Innenstadt.» Das wertvolle Land in der Innenstadt könne besser und rentabler genutzt werden als für kantonale Verwaltungen. «Zudem ist das Niederholz sowohl mit Zug, Tram, Bus und im Gegensatz zur Innenstadt auch mit dem Auto einfach und bequem erreichbar.»

Gewerbe soll profitieren

Die Gemeinde Riehen ist seit Jahren bestrebt, ihre Zentren zu beleben. Eine kantonale Verwaltungsabteilung oder sogar ein ganzes Amt würden diesem Bestreben Schub verleihen, ist Huber überzeugt. «Von den Arbeitsplätzen würde auch das lokale Gewerbe profitieren, weil die Kantonsangestellten auch hier konsumieren würden.» Der Vizepräsident der CVP Basel-Stadt stellt klar, dass es ihm keineswegs darum gehe, ein bestehendes Amt zu zügeln. «Der Aufwand für einen Umzug wäre viel zu gross. Mir geht es vielmehr um einen möglichen Neubau oder eine Erweiterung der Verwaltung, die in Riehen entstehen könnten.»

In der eingereichten Interpellation, die der Gemeinderat an der Einwohnerratssitzung Ende September beantworten muss, fragt Patrick Huber nach der genauen Anzahl Kantonsangestellten, die in Riehen arbeiten. Er schätzt, dass von den gesamthaft rund 10'000 Kantonsangestellten rund die Hälfte für den Kanton, die andere Hälfte für die Stadt Basel arbeiten. «Im Verhältnis zur Einwohnerzahl könnten doch zehn Prozent dieser 5000 Angestellten auch in Riehen arbeiten», findet Huber. Ihm sei klar, dass eine Zentralisierung der Verwaltungsangebote in der Stadt Sinn macht. «Doch mit der zunehmenden Digitalisierung der Arbeitsprozesse ist die räumliche Nähe nicht mehr entscheidend.»

Wertschätzung für Riehen

Der Kanton Basel-Stadt mit seinen drei Gemeinden Basel, Riehen und Bettingen ist kleinräumig. Dies will Huber nutzen und findet es für die Bevölkerung zumutbar, für gewisse Behördendienste nach Riehen zu kommen. Der CVP-Einwohnerrat glaubt, dass eine «Aussenstelle» der Kantonsverwaltung in Riehen auch das teils komplizierte Verhältnis zwischen der Landgemeinde und Basel entspannen würde. «Es geht mir auch um die Wertschätzung, die der Kanton so Riehen entgegenbringen könnte.»

Positiv, aber nicht ganz so euphorisch sieht die Idee Daniel Hettich (LDP), Präsident des Handels- und Gewerbevereins Riehen. «Natürlich begrüssen wir, wenn mehr Leben in die Riehener Zentren kommt. Doch es muss organisatorisch und räumlich Sinn machen.» Viele Landreserven gebe es auch in Riehen nicht mehr, relativiert Hettich. «Der Kanton müsste sich daher wohl in ein bestehendes Gebäude einmieten.»

Wie viele Kantonsangestellte aktuell in Riehen beschäftigt sind, werde nicht zentral erfasst, erklärt Regierungssprecher Marco Greiner auf Anfrage. «Die Kriterien für den Standort einer kantonalen Verwaltungseinheit sind je nach Departement und Amt unterschiedlich. Die Standortwahl soll in der Regel eine effiziente und effektive Arbeitsorganisation und Aufgabenerfüllung ermöglichen und – wo vorhanden – einen einfachen Kundenkontakt sicherstellen.» Ob dies auch für Riehen zutreffen würde, lässt Greiner offen.