Entgleisung in Basel
Umgestellte Weiche ist schuld am Unglück – Zug stoppte nur 20 Meter vor einem Betonpfeiler

Eine umgestellte Weiche ist schuld am Unglück vor einer Woche. Die genaue Unfallursache wird allerdings weiterhin untersucht.

Nicole Meier und Mélanie Honegger
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In Basel ist im Februar 2019 ein Intercity-Zug (ICE) der Deutschen Bahn (DB) entgleist.
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Beim verunfallten Zug handelt es sich um den ICE 373, der von Berlin Ostbahnhof nach Interlaken Ost unterwegs war.
Aus den Schienen sprangen der Triebkopf und ein Wagen.
Entgleist ist der Zug um 20.50 Uhr nach dem Badischen Bahnhof auf der Fahrt in Richtung Basel SBB in der Nähe des Bethesda-Spitals.
Nach dem Unfall blieb die Strecke zwischen Basel SBB und dem Badischen Bahnhof in beiden Richtungen gesperrt.
Mehrere Züge fielen in der Folge aus. Wie lange der Streckenunterbruch zwischen der Schweiz und Deutschland dauern wird, war zunächst offen.
Die SBB entschuldigten sich für die Unannehmlichkeiten.
Rund 240 Fahrgäste waren an Bord des Zuges.
Die Evakuierung durch die Feuerwehr war gegen 22.45 Uhr abgeschlossen.
Eine Person begab sich laut Mitteilung der Polizei in Sanitätspflege.
Reisende müssen auf die Strassenbahn oder den Bus umsteigen.
Zudem verkehren am Montag Shuttlezüge via dem Basler Rangierbahnhof.
Die Streckensperrung solle voraussichtlich bis in die Abendstunden am Dienstag andauern.
Einsatzleiter Martin Spichale gibt den Medien Auskunft.
Die Unfallursache ist laut Angaben des Basler Justiz- und Sicherheitsdepartements unklar.
Auch die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle (SUST) des Bundes nahm Ermittlungen auf.
Das Innere des entgleisten ICE-Zugs.

In Basel ist im Februar 2019 ein Intercity-Zug (ICE) der Deutschen Bahn (DB) entgleist.

Nicole Nars-Zimmer (niz)

Nun ist klar, weshalb am Sonntag vor einer Woche in Basel ein ICE entgleiste. Schuld am Zugunfall sei wohl eine umgestellte Weiche, sagte Christoph Kupper, Bereichsleiter Bahnen und Schiffe bei der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust), am Sonntag gegenüber der «Tagesschau» von SRF. Entgleist war der ICE auf der Strecke zwischen dem Badischen Bahnhof und dem Basler Bahnhof SBB. Die rund 240 Reisenden hatten grosses Glück. Der Zug war auf dem Weg von Berlin nach Interlaken, als gegen 20.50 Uhr die vordersten Wagen entgleisten. Der Triebkopf – die Lokomotive – sowie der erste Wagen sprangen aus den Schienen.

Der Wagen, der quer zwischen zwei Schienenpaaren hing, wurde rund 800 Meter mitgeschleppt und kam erst etwa 20 Meter vor einem Brückenpfeiler zum Stillstand. Die Lok erreichte gerade den Tunnel zwischen dem offenen Abschnitt nach der Rheinbrücke und dem Bahnhof SBB, als sie zum Halt kam. Ernsthaft verletzt wurde niemand; eine Person suchte die Sanität auf.

Weichen werden bald saniert

Aufgrund des Schadenbildes müsse man davon ausgehen, dass der vordere Teil des Zuges über die rechte Schiene weitergefahren sei, sagte Kupper. Dann habe sich unter dem ersten Wagen nach dem Triebkopf die Weiche umgestellt. Der Rest des Zuges fuhr folglich auf der linken Schiene weiter.

Wie diese Zeitung bereits am Wochenende berichtete, war die Unfallstrecke schon vor der ICE-Entgleisung im Visier der Deutschen Bahn (DB). Ausgerechnet auf der betroffenen Strecke zwischen dem Badischen Bahnhof und dem Bahnhof SBB sollten am 30. März die Weichen erneuert werden. Die anstehenden Weichenerneuerungen hatte die DB wegen Fahrplanänderungen bereits am 4. Februar angekündigt. Die Frage, ob der Unfall durch eine rechtzeitige Erneuerung der Weichen hätte vermieden werden können, wollte die DB am Freitag nicht beantworten. «Auch im Raum Basel sanieren und modernisieren wir kontinuierlich die Infrastruktur», sagte ein Sprecher. Die DB wolle sich nicht an Spekulationen beteiligen.

Nun dürften die Mutmassungen allerdings weitergehen. Warum die Weiche umgestellt war, ist zum aktuellen Zeitpunkt nämlich nicht klar. Normalerweise könne eine Weiche vom Stellwerk nur umgestellt werden, wenn sich kein Zug auf der Weiche befinde.

Mögliche Gründe für die Umstellung gibt es laut Kupper diverse: So könnte die elektrische Überwachung der Weiche nicht funktioniert haben. Eine zweite Möglichkeit ist, dass eine Ansteuerung unbeabsichtigt stattgefunden hat. Es sei aber auch möglich, dass der Zug auf der Weiche nicht erkannt worden sei. Nur wenn die beiden Schienenstränge durch Räder und Achse elektrisch miteinander verbunden seien, gelte die Weiche beim Stellwerk als besetzt. Ein Störsignal vom Zug oder den Leitungen am Gleis könnte diesen Sicherheitsmechanismus ausgeschaltet haben, sagte Kupper gegenüber der «Tagesschau». Dann erkenne das Stellwerk den Gleisabschnitt irrtümlich als frei und stelle die Weiche um.

Stelle bereits wieder befahren

Mittlerweile wird die betroffene Weiche wieder befahren. Gegenüber SRF teilte die DB mit, die Weiche sei von Experten überprüft und wieder freigegeben worden. Die exakte Unfallursache wird allerdings weiter ermittelt; die Ermittlungen der Sust dauern an.

Beim Unfall handelt es sich nicht um die erste Entgleisung eines ICE in der Region. Bereits Ende November 2017 war bei der Entgleisung eines Zuges in Basel grosser Sachschaden entstanden. Der Zug entgleiste am frühen Abend bei der Einfahrt in den Bahnhof SBB. Damals waren drei Waggons des Zugs aus Hamburg entgleist. 500 Passagiere konnten die Wagen unverletzt verlassen. Nach dem Unfall stand der Bahnhof wegen eines Stromunterbruchs für zwei Stunden komplett still. (SDA)

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