Petition

Umstrittene Auferstehung: Soll die Basler Fasnacht nachgeholt werden?

Viele Basler haben die Fasnacht 2020 emotional schon zu Grabe getragen.

Viele Basler haben die Fasnacht 2020 emotional schon zu Grabe getragen.

Warum sich Widerstand gegen die Idee regt, die «drey scheenschte Dääg» nachzuholen.

Wut, Trauer und Enttäuschung dominierten die Stimmungslage der Basler Fasnächtler kurz nach der Absage ihres Jahreshighlights am Freitag. Nun aber schöpfen einige wieder Hoffnung: In Basel ist übers Wochenende eine Petition lanciert worden, die verlangt, dass die Fasnacht 2020 nachgeholt wird. «Viele Cliquen und Guggen haben sehr viel Arbeit und Herzblut in die Vorbereitungen gesteckt. Wie bereits vor 100 Jahren wegen der spanischen Grippe geschehen, fordern wir eine Verschiebung der Basler Fasnacht», so der Wortlaut.

Die Petition ist auf überwältigendes Echo gestossen. Auf openpetition.eu hatten am Sonntag Abend bereits rund 8000 Sympathisanten online ihre Unterstützung kundgetan. Und weil die Basler Regierung bereits am Freitag verkündet hatte, für Ausweichszenarien Hand zu bieten, steht einer etwas verspäteten Fasnachtsausgabe 2020 nichts im Weg – könnte man meinen. Denn einige Fasnächtler tun sich schwer mit der Vorstellung, dass ihre «drey scheenschte Dääg» in einem anderen Rahmen stattfinden würden. Mehrere aktive Fasnächtler äusserten gegenüber der bz ihre Skepsis – wollen sich aber nicht zitieren lassen. Niemand will derjenige sein, welcher den anderen den Spass verdirbt.

Auderset will mindestens eine Lightversion

Die meisten Bedenkenträger klingen wie Colin Lukas, Obmann der Stenzer Gugge. Er sagt, das Nachholen der Fasnacht sei für ihn «überhaupt keine Option». Eine Neuauflage böte emotional nicht das Gleiche, ebenfalls wäre sie schwierig zu realisieren. «Ob man einfach zu einem anderen Zeitpunkt Ferien beziehen kann, ist auch fraglich», meint Lukas.

Die Skepsis des Stenzer-Gugge-Obmanns wird von den meisten Fasnächtlern geteilt – gleichwohl gibt es so manche, die nicht ganz loslassen können. André Auderset, langjähriger Schnitzelbänkler und Redaktionsmitglied beim Portal fasnacht.ch, findet, das könne es doch nicht ganz gewesen sein. «Es muss ja nicht gleich eine Drei-Tage-Fasnacht geben, es dürfte auch eine komprimierte Form sein», meint er. «Der Fantasie sind da ja keine Grenzen gesetzt. Es könnte auch sein, dass man die Fasnacht an einem Wochenende durchführt oder gar nur an einem Tag.»

Der Cortège, so das Gedankenspiel Audersets, könnte dann schlicht bedeuten, dass die Cliquen und Guggen einmal durch die Freie Strasse marschierten.

Manche recyceln ihr Sujet im nächsten Jahr

Auderset argumentiert auch damit, dass die ganze Arbeit dahin wäre, welche die Fasnächtler im Vorfeld geleistet hätten. Es sei nicht alles umsonst gewesen, erwidern einige Obmänner. Ueli Thommen, Obmann der Spinner-Clique, sagt, man habe ein neutrales Sujet gewählt, das im nächsten Jahr wieder gespielt werden könne. Auch er sei eher gegen eine Neuauflage der Fasnacht und werde sich starkmachen dafür, dass die Petition nicht unterschrieben werde.

Viele Fasnächtler geben sich stattdessen fatalistisch und tragen ihr Jahreshighlight symbolisch zu Grabe. Die Stenzer Gugge etwa geht dieser Tage auf eine ganz normale Beizentour – in schwarzen Kleidern.

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