Kunst

Umstrittene Auktionsbilder von 1933: Basler Kunstmuseum will Fall Curt Glaser erneut prüfen

Das Kunstmuseum setzt sich mit der Erbengemeinschaft Curt Glaser zusammen. (Symbolbild)

Das Kunstmuseum setzt sich mit der Erbengemeinschaft Curt Glaser zusammen. (Symbolbild)

Das Kunstmuseum Basel und dessen Kunstkommission wollen Vertreter der Erben des jüdischen Kunstsammlers Curt Glaser anhören. Dabei geht es um rund 200 Zeichnungen und druckgrafische Werte aus der Sammlung Glasers, die das Museum 1933 an einer Auktion in Berlin erstanden hatte.

Das Kunstmuseum Basel setzt eine Arbeitsgruppe ein, die sich vertieft mit der Angelegenheit auseinandersetzen wird, wie es in einer Mitteilung vom Donnerstag heisst. Die Abklärungen wie auch die Gespräche könnten mehrere Monate in Anspruch nehmen.

2008 hatten das Kunstmuseum und die Basler Regierung eine Forderung auf Rückgabe von an der Auktion erworbenen Kunstwerken zurückgewiesen. Bei den Werken handle es sich "zweifelsfrei nicht um sogenannte Raubkunst", hiess es damals. Das Kunstmuseum habe die Werke 1933 gutgläubig erworben und die nötige Sorgfalt walten lassen.

Ein amerikanisches Anwaltsbüro hatte im Namen der Erbgemeinschaft Glasers 2004 zunächst Auskunft über zwei Lithografien von Edvard Munch ersucht. Drei Jahre später hatten die Erben gemäss Mitteilung Anspruch auf alle an der Auktion erworbenen Kunstwerke erhoben - allenfalls gegen Entschädigung des damals bezahlten Kaufpreises.

Vor Kurzem ist das Anwaltsbüro nun mit dem baselstädtischen Präsidialdepartement in Kontakt getreten, wie es weiter heisst. Dies werde zum Anlass genommen, die Angelegenheit erneut anzuschauen. Medien hatten zudem über den Fall berichtet. Es wurde etwa aus einem Protokoll der Kunstkommission von 1933 zitiert, in dem festgehalten worden war, dass der Ankauf zu "billigen Preisen" geschah.

Zudem weisst das Protokoll gemäss den Berichten auf die "Auktion Glaser" in Berlin hin. Die Basler Regierung hatte 2008 festgehalten, dass es im Auktionskatalog oder andern Publikationen keinen Hinweis gegeben habe, dass die Werke aus der Sammlung Glasers stammten. Die Preise seien zudem "marktkonform" gewesen.

1933 in die Schweiz emigriert

Curt Glaser war 1924 bis 1933 Direktor der Kunstbibliothek des Berliner Kunstgewerbemuseums; nach dem Tod seiner Frau und seiner Zwangspensionierung durch die Nazis liess er Teile seiner Sammlung versteigern.

Im Herbst 1933 emigrierte Glaser, der Jude war, in die Schweiz. Zwei Jahre später hat er verschiedene Gemälde seiner Munch-Sammlung aus Deutschland ausführen und im Kunsthaus Zürich deponieren können, wie die Basler Regierung 2008 weiter geschrieben hatte. 1941 wanderte er mit seiner zweiten Frau in die USA aus.

An den 2008 abgeschlossenen Abklärungen waren nebst dem Kunstmuseum der Kanton Basel-Stadt und eine Basler Anwaltskanzlei beteiligt. Zudem war die Anlaufstelle Raubkunst des Bundesamts für Kultur in Bern konsultiert worden.

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