Nicolás Maduro
Umstrittener Auftritt zu Venezuela: «Wir wollen uns über einen Insider informieren»

Im Unternehmen Mitte findet eine Propaganda-Veranstaltung zu Venezuela statt. Dabei wird der Sekretär für Internationales der Kommunistischen Partei Venezuela, Carolus Wimmer, sprechen.

Benjamin Rosch
Drucken
Teilen
Armut und Nahrungsknappheit befeuern in Venezuela gewaltsame Proteste.

Armut und Nahrungsknappheit befeuern in Venezuela gewaltsame Proteste.

Keystone

In den westlichen Medien zumindest ist der Tenor überall derselbe. Die Unruhen um Chavez-Nachfolger Nicolás Maduro treiben Venezuela an den Rand des Verderbens. Die Lage ist prekär: Der eingebrochene Ölpreis aber auch jahrelange Misswirtschaft und Korruption führen zu Engpässen bei Lebensmitteln und der medizinischen Versorgung. Knapp 80 Prozent der Menschen lebten unterhalb der Armutsgrenze, berichtet etwa der «Spiegel». Die Folgen sind Proteste, eigentliche Strassenkämpfe, zwischen Opposition und Regierungstruppen. Maduro lässt die Demonstrationen brutal niederschlagen, Tote sind dabei nicht selten.

Einen etwas anderen Blick auf die Geschehnisse hat Carolus Wimmer. Er ist Sekretär für Internationales der Kommunistischen Partei Venezuelas (KP) und als solcher immer wieder auf Propaganda-Mission in Europa unterwegs: «Die Armut ist vermindert worden, die extreme Armut ist verschwunden», sagte er vor einem Jahr in einem Interview. Die KP steht zwar auch immer wieder mit Chavez und seinen Erben auf Kriegsfuss. Dennoch unterstützten sie den neuen Präsidenten bei seiner Machtergreifung.

Unlängst trat Wimmer auf einem Podium in Konstanz auf. Dort sollte er Informationen abseits der «Mainstream-Medien» vermitteln. Für die Organisatoren war klar: Es sind nicht die Armen, die rebellieren. Sondern die weisse Mittelschicht, die ihre Pfründe in der bolivarischen Bewegung schwinden sieht – in der Wahrnehmung der Ultralinken mit Unterstützung des imperialen Amerikas. «Woher haben die Strassenkämpfer der Opposition ihre teure Ausrüstung – Gasmasken, Helme, Kameras und anderes? Wer unterstützt sie?», stand etwa in der Einleitung mit welcher der Auftritt Wimmers in Konstanz angekündigt wurde.

Am Montag führt Wimmers Tour nach Basel. Im Unternehmen Mitte soll er ein Bild von den Vorkommnissen in Venezuela vermitteln. Verantwortlich für den Anlass zeichnen drei Schweizer Organisationen: Alba Suiza, die Partei der Arbeit (PdA) und die Vereinigung Schweiz-Cuba. Erstere verfolgen gemäss eigenen Angaben das Ziel einer «gerechten Gesellschaft ausserhalb des kapitalistischen Modells». Sie solidarisieren sich mit den «antiimperialistischen Bewegungen» Lateinamerikas und streben ein Gegengewicht zur «einseitigen medialen Berichterstattung in der Schweiz» über die Vorgänge in diesen Ländern an.

Ähnlich klingt es auch bei Matthias Goldschmidt von der PdA. «Wir wollen uns über einen Insider informieren», sagt er. Auch wenn er nicht bestreitet, dass eine kritische Distanz zu den Vorgängen in Venezuela angebracht sei, bekennt er sich zu Maduro: «Er ist demokratisch gewählt.»

Demos in Basel

Dies entspricht nicht dem Bild, das die Mehrzahl der Venezolaner in Basel vermitteln. Schon mehrere Male protestierten sie auf der Basler Kaserne gegen die Vorgänge in ihrer Heimat. «Maduro Dictador» stand etwa auf ihren Protestschildern einer Demonstration im Mai.