Kaum haben sich der Basler Baudirektor Hans-Peter Wessels (SP) und seine Baselbieter Amtskollegin Sabine Pegoraro (FDP) hinter die Pläne für eine Westumfahrung gestellt, hagelt es Kritik. Vor allem Wessels wird aus dem eigenen Lager direkt angegriffen: In einer Motion fordert die SP-Fraktion ihren Verkehrsminister unmissverständlich dazu auf, die Pläne der zusätzlichen Autobahn auf Eis zu legen. «Während der Bund nicht bereit ist, das Herzstück zu finanzieren, soll neben dem Rheintunnel mit vier zusätzlichen Spuren nun auch noch der Westring entstehen. Dies ist weder umwelt- noch finanzpolitisch sinnvoll», heisst es in der Motion. Stattdessen sollten der öV, der Langsamverkehr und neue Mobilitätslösungen gefördert werden.

Die Motion fordert einen Planungsstopp für zehn Jahre; oder zumindest bis die Finanzierung des Bahnknotens Herzstück gesichert ist oder Elektroautos verbreiteter sind. Vorbild ist der Kampf gegen den Gundelitunnel, bei dem die Genossen «ihren» Verkehrsdirektor mit dem gleichen Mittel im Parlament ausbremsen wollten. Grossrat Kaspar Sutter appelliert an die Klimaziele: «Mit dem Westring werden vollkommen falsche Prioritäten gesetzt. Jetzt zig Milliarden für Autobahnen auszugeben, geht in die völlig falsche Richtung.»
Noch ist die geplante Autobahn nur in groben Zügen skizziert. Sie soll dereinst in Form eines Tunnels die A 2 mit der Nordtangente und der A 35 verbinden. Über die genaue Linienführung haben die Regierungen noch nicht informiert. Dennoch wird das Projekt schon kurz nach der Bekanntmachung sehr kontrovers diskutiert.

Bürgerliche sind begeistert

Auf Twitter schreibt Grossrat Michael Wüthrich (Grüne): «Nicht alle Tassen im Schrank!!!! Das Basler Stimmvolk hat mit der Städteinitiative weniger motorisierten Individualverkehr gefordert – nicht mehr!» Gegenüber der bz konkretisiert er: «Der Westring entspricht einem Denken der 60er-Jahre. Vor dem Hintergrund des Klimawandels ist der Bau überhaupt nicht angebracht.» Die Erweiterung der Strassenkapazitäten als Mittel gegen Stau bezeichnen Grüne und SP als veraltete Strategie, die nie funktioniert hat und die Klimaerhitzung nicht verhindern wird.

Ganz anders sieht dies Martin Dätwyler, Direktor der Handelskammer beider Basel: «Endlich haben die beiden Basler Kantone eine gemeinsame Perspektive für den Ausbau des Hochleistungsstrassennetzes. Wir fordern dies schon lange.» Auch André Auderset, Mitglied der Umwelt, Verkehrs- und Energiekommission (Uvek) und LDP-Grossrat steht dem Autobahnprojekt positiv gegenüber. Auf den Beschluss des Grossen Rats, den motorisierten Individualverkehr um zehn Prozent zu senken, sagt er: «Grundsätzliche Regulierungen zum Verkehr wie der Gegenvorschlag zur Städte-Initiative werden natürlich schnell befürwortet. Geht es dann konkret um die Sache, sieht es allerdings oft anders aus.»

Christophe Haller, FDP-Grossrat und Präsident des TCS beider Basel, erhofft sich mit dem Westring eine deutliche Verbesserung des Verkehrsflusses: «Staus sind in der Region Basel mittlerweile ein Dauerzustand. Der Westring weist deshalb verkehrspolitisch in die richtige Richtung. So können wir die Quartiere vom Durchgangsverkehr entlasten.»