Basel

Umstrittenes Symposium: Anlass von Peter Buser wird von Protest gecrasht

An dem Podium, das des Sexismus bezichtigt wird, blieb Lebemann Buser eher im Hintergrund, seine Gegner dafür umso weniger.

Noch ist es ruhig vor dem Naturhistorischen Museum. Rund fünfzig Meter vom Basler Institut für Geschlechterforschung entfernt findet das Symposium «Ein Spielzeug sei das Weib dem Manne» statt. Sexismus-Vorwürfe gegen das von Lebemann Peter Buser organisierte philosophische Gespräch sorgten im Vorfeld für Empörung.

Zwei junge Damen verteilen vor dem Eingang ein Traktat. Darin ist die Rede von extremem Sexismus, der «mittels eines pseudodifferenzierten Diskurses» salonfähig gemacht werde. Nach eigener Aussage agieren sie nicht im Namen einer Organisation. Die Mitarbeiter von «Telebasel» bleiben draussen: «Sie wollen uns nicht mehr», sagt ein Reporter. Wenige Tage zuvor haben sie Buser verärgert, weil sie sich weigerten, das gesamte Podium zu filmen.

Die Peitsche schnell aus der Hand gegeben

Die Veranstaltung beginnt. Am Saalrande sitzen vier Frauen mit herzförmigem Plakaten, auf denen «I love Peter Buser» geschrieben steht. Der Philosoph Andreas Sommer begrüsst das Publikum: «Buser wird das Gespräch leiten, bis wir keine Lust mehr haben, nach seiner Peitsche zu tanzen.»

Nachdem sich Bonvivant Buser von zwei Männern gestützt aufs Podest schleppt, beginnt er die Vorstellung seiner Gäste. Dass er nicht von allen weiss, wie sie heissen, entschuldigt er so: «Ich habe in letzter Zeit so viele neue Frauen begrüssen dürfen.»

Die Peitsche muss der Playboy schnell abgeben. Noch bevor die Vorstellungsrunde beendet ist, stürmen rund zwanzig teilweise Vermummte johlend den Saal, drängen die Sicherheitskräfte zurück und verlesen per Megafon ihr Traktat. «Sexisten 24/7 angreifen» ziert ihr Stofftransparent.

Nach wenigen Momenten ist die Intervention beendet, doch der Hauptstreich folgt noch. Plötzlich erklingen die Feuermelder, eine Stimme fordert durch die Lautsprecheranlage zur Evakuierung auf. Draussen warten bereits Polizei und Feuerwehr.

Die von Ersterer an eine Hauswand gedrängten jungen Erwachsenen werden des Hausfriedensbruchs verdächtigt. Wie aus der Polizeimeldung hervorgeht, wurden zehn Personen kontrolliert, der Brandfehlalarm wurde per Handtaster ausgelöst.

Der von seiner eigenen Fete ausgeschlossene Partylöwe

Am unauffälligsten bleibt Buser selbst. Der sonst so Aufmerksamkeitsbedürftige scheint im philosophischen Diskurs nicht viel zu sagen haben. Während die elf Gelehrten tatsächlich differenziert über geschlechtliche Rollenbilder diskutieren, wirkt Buser fast geistesabwesend.

Ein paar wenige Male meldet er sich zu Wort, posaunt plumpe Parolen heraus, die sich nicht ins Gespräch einfügen: «Wir können uns nicht von der Natur lösen», meint er zu den Rollenbildern von Mann und Frau. Die Experten gehen praktisch nicht auf Busers Einwürfe ein, oder sie demontieren seine Aussagen gekonnt, wie sie es mit dem Einleitungstext des Veranstaltungsflyers tun.

Eine Szene gegen Ende des Symposiums bringt seinen Auftritt bestens auf den Punkt. «Darf ich einen Macho-Spruch bringen?», fragt er. «Dafür sind Sie ja da», erklingt die Antwort aus der Expertenrunde.

Ähnlich unprofessionell wie Busers Auftreten wirkt die Organisation. Der Tontechniker vergisst, Mikrofone anzuschalten, sorgt für Rückkopplungen. Im zweiten Teil der Vorstellungsrunde ist die Projektion auf der Leinwand verschwunden.

Und auch im Vorfeld liessen Busers Vorbereitungen wohl zu wünschen übrig. Er weigerte sich, das Symposium vorgegebenen Diskussionsthemen folgend abzuhalten. Entsprechend habe Professor Andreas Sommer mit seinen mitgereisten Studierenden keine angemessene Vorbereitung durchführen können, wie eine Studentin berichtet.

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