Den Druck haben sich die Sozialdemokraten selbst auferlegt: Im Juni riefen sie das Frauenjahr aus und nagelten ein Manifest an das Bundeshaus. Darin fordern die Frauen unter anderem, «dass wir in Politik und Wirtschaft gemäss unserem Anteil an der Bevölkerung vertreten sind». Geradezu miserabel verteilen sich die Geschlechter im Ständerat: Rund 15 Prozent dessen Mitglieder sind Frauen, Tendenz seit zwölf Jahren sinkend. Doch kommt man auf einzelne Kandidaturen zu sprechen, wird es komplizierter. Das zeigt auch ein Blick in die Region: Im Aargau, in Baselland und in Basel-Stadt kämpfen SP-Männer um einen Sitz im Stöckli – ihre Gegner sind Frauen.

Cédric Wermuth, Aargau

Der Fall ging in den vergangenen Tagen durch die nationalen Medien: Cédric Wermuth setzte sich in der internen Ausmarchung gegen Yvonne Feri durch. Ausgerechnet er, der sich immer wieder für die Sache der Frau stark gemacht hat. Sein Aber ist seine politische Position: Wermuth steht deutlich links von Feri. Zudem ist er jünger und vertritt gemäss eigener Aussage die untervertretenen Teilzeit-Väter.

Eric Nussbaumer, Baselland

Sollte Claude Janiak wie allgemein erwartet nicht zu einer erneuten Legislatur antreten, stünde Nationalrat Eric Nussbaumer zur Stelle, um den SP-Sitz zu verteidigen. Wie sich jüngst aber herauskristallisiert hat, stellen nicht nur die Grünen mit Maya Graf eine Frau zur Wahl, sondern auch die Bürgerlichen in der Person von Daniela Schneeberger (FDP). Das Aber von Nussbaumer sind seine politischen Positionen und seine Erfahrung in Bern. «Wenn das Geschlecht das alleinige Kriterium ist, wird dies der Wahl für ein politisches Mandat nicht gerecht», sagt er. Aktuell sei die Genderdebatte sehr präsent, allerdings zweifelt Nussbaumer daran, dass dies auch in einem Jahr in diesem Masse der Fall sein wird. «Am Ende entscheidet das politische Profil der Kandidatinnen und Kandidaten» sagt er. Da gäbe es doch grössere Unterschiede zwischen den drei genannten Personen.

Beat Jans, Basel-Stadt

In Basel-Stadt dürfte die Frauenfrage zu einer zentralen werden im Duell zwischen Beat Jans und Eva Herzog. Das Geschlecht sei ein Argument, das sicher für Herzog spreche – das sieht auch Jans so. Sein Aber, dennoch anzutreten: «Es kann auch nicht sein, dass nie mehr ein Mann zur Wahl antreten darf, nur weil andere Kantone sich um diese Frage scheren.» Gleichberechtigung bedeute auch, in Konkurrenz treten zu müssen. Den Frauen sei kein Gefallen getan, wenn Männer nicht in einen Wettstreit treten würden.

Sich am besten nicht in die Debatte einmischen wollen sich die Parteipräsidenten der beiden Basel. «Selbstverständlich» brauche es auch im Ständerat eine adäquate Vertretung der Geschlechter, schreibt der Basler SP-Präsident Pascal Pfister auf Anfrage. Konkret darauf Einfluss nehmen will er hingegen nicht: «Die Nomination für die Ständerratskandidatur nimmt die Delegiertenversammlung vor».

Sein Pendant vom Baselbiet, Adil Koller, will sich gar nicht auf Spekulationen einlassen, dazu sei «nicht der Moment»: «Claude Janiak ist gewählter Baselbieter Ständerat und vertritt das Baselbiet in Bern sehr gut. Er wird nach den kantonalen Wahlen kommunizieren, ob er nochmals antritt oder nicht.» Beide verweisen darauf, bei kantonalen Wahlen hingegen sehr wohl auf die Förderung der Frauen in der Politik Rücksicht zu nehmen.