«Das ist unglaublich», entfährt es Grünen-Grossrat Michael Wüthrich. «Die BVB-Leitung hat offensichtlich gar nichts verstanden.» Der Präsident der Umwelt-, Verkehrs- und Energiekommission (Uvek) kann nicht nachvollziehen, dass die Spitze der Basler Verkehrs-Betriebe (BVB) noch immer keinen Handlungsbedarf sieht – trotz der massiven Kritik, die seit Monaten auf das öV-Unternehmen einprasselt und trotz des miserablen Betriebsklimas.

Die BVB-Spitze aber zeigt sich unbeirrt. Das zeigt ein internes Schreiben an die Kadermitarbeiter. Thema: Der kritische Bericht der Geschäftsprüfungskommission (GPK) des Grossen Rates. Neben dem umstrittenen Zahlungsversprechen über eine Million Euro für die Verlängerung der Tramlinie 3 hatte die GPK vor allem die autoritäre Führung im Fokus sowie einen beinharten Sparkurs, der weit über Regierungsvorgaben hinaus geht und das BVB-Personal stark verunsichere.

Die BVB-Spitze um Direktor Erich Lagler, den interimistischen Verwaltungsratspräsidenten Kurt Altermatt und Vizepräsidentin Mirjam Ballmer lässt allerdings keinerlei Anzeichen erkennen, das Sparprogramm zu hinterfragen – obwohl selbst der zuständige Regierungsrat Hans-Peter Wessels nach der GPK-Kritik durchblicken liess, dass er das Thema ernsthaft mit der BVB besprechen wolle. Für diese aber ist «der eingeschlagene Weg richtig».

Nun soll Regierung eingreifen

GPK-Präsident Tobit Schäfer gibt sich diplomatisch: «Ich nehme die Aussagen zur Kenntnis.» Gleichzeitig aber stelle er fest, dass die BVB-Spitze den GPK-Bericht in keinem Punkt bestreite. «Falls sie ihren Kurs aber tatsächlich unverändert halten will, stehen die Regierung als Eigner der BVB und Regierungsrat Wessels als Eignervertreter noch mehr in der Verantwortung, um der Mitarbeiterzufriedenheit wieder mehr Gewicht zu verleihen.»

Wessels’ Bau- und Verkehrsdepartement will sich derzeit zu dem BVB-internen Papier nicht äussern. Die Regierung wolle den GPK-Bericht nun sehr sorgfältig prüfen und nach den Sommerferien im Grossen Rat eingehend dazu Stellung nehmen. «Hans-Peter Wessels wird dem nicht vorgreifen», erklärt Departementssprecherin Nicole Stocker. Gleichzeitig aber löst das Verhalten der BVB-Spitze selbst departementsintern immer mehr Kopfschütteln aus.

Für BVB-Direktor Lagler scheint das einzig ein Kommunikationsproblem zu sein: Das Unternehmen befinde sich in einer Phase des Umbruchs mit Reorganisationen und Veränderungen. Das beeinflusse die Zufriedenheit. Lagler will deshalb erreichte Erfolge «besser kommunizieren und feiern». Auch müsse das Kader bei Entscheiden mutiger werden. Jeder Mitarbeitende solle die kontinuierlichen Fortschritte spüren.

Weitere Rücktrittsforderungen

«Enttäuscht, aber nicht überrascht» zeigt sich GPK-Mitglied Toya Krummenacher. Gerade als Gewerkschaftssekretärin beim Verband des Personals im öffentlichen Dienst (Vpod) sei sie ständig mit Klagen aus der BVB-Belegschaft konfrontiert und etwa zweimal in der Woche für Gespräche im Betrieb, sagt sie. Daher sei es völlig unverständlich, dass die BVB-Führung noch immer nicht erkennen wolle, wie gross die Unzufriedenheit unter den Mitarbeitern sei.

«Das belegt für den Vpod einmal mehr, dass mit dieser Direktion keine neue Eignerstrategie entwickelt werden kann, bei welcher der Mitarbeiter im Zentrum steht», sagt Krummenacher. «Dabei ist der Handlungsbedarf dringend: Die Direktion gehört ausgewechselt, weil sie das Sparprogramm nicht stoppen will.»

«Wenn die Geschäftsleitung weiter keinen Handlungsbedarf sieht, frage ich mich, ob sie den GPK-Bericht überhaupt gelesen hat», sagt Wüthrich. So hatte die GPK betont, dass die BVB bis heute nicht alle Empfehlungen des letzten Berichts von 2014 umgesetzt habe. Explizit erwähnt wurde etwa die Führungskultur, an der sich «leider wenig geändert» habe. Wüthrich: «Die hohe Fluktuationsrate zeigt doch, dass es um die Mitarbeiterzufriedenheit ganz schlecht steht.»

Überraschend sei auch, dass der Verwaltungsrat Lagler nicht widerspreche. «Eigentlich müsste man bei den nächsten Wahlen den gesamten Verwaltungsrat und die Geschäftsleitung austauschen», findet der Uvek-Präsident. «Das ganze ist nur noch ein Desaster. Und Regierungsrat Wessels greift als Eignervertreter bis heute einfach nicht ein.»