Daniel Hagmann ist begeistert vom Wissen der Baslerinnen und Basler über ihre Stadt. «Wir haben hunderte Hinweise erhalten und konnten 29 der 30 Fotos eindeutig zuordnen», sagt der Kommunikationsbeauftragte des Staatsarchivs.

Seit Februar hat das Archiv wöchentlich auf seinem Blog ein unbekanntes Bild veröffentlicht und gefragt: «Was ist das?». Über 200 Personen haben sich beteiligt, die meisten mit einzelnen Beiträgen, andere richtig angefressen. Zum Beispiel der 72-jährige Peter Ensner. «Das alte Basel und die Veränderungen sind für mich eine Liebhaberei, ich fand es sehr spannend, da mitzumachen.

Teilweise fiel es mir einfach, schliesslich habe ich fast mein ganzes Leben in Basel verbracht. Aber es gab auch Bilder von Häusern, die ich noch nie gesehen habe», sagt er. Amüsant seien auch die Kommentare der anderen gewesen, gerade wenn es persönliche Episoden waren, die zu den Bildern erzählt wurden.

Teilweise haben sich auf dem Blog oder auf diversen Facebook-Seiten regelrechte Detektivgruppen gegründet, die noch dem winzigsten Detail nachgegangen sind. So konnten die Fotos nicht nur örtlich, sondern auch zeitlich zugeordnet werden. «Da das Bild ungefähr von 1925 datiert ist und ein Hauch von Schnee auf den Dächern liegt, könnte die Aufnahme nach dem Föhnorkan vom 15. Februar 1925 entstanden sein», mutmasste eine Nutzerin auf dem Blog über das obenstehende Bild.

Woraufhin ein weiterer Nutzer die Basler Chronik durchstöberte und in Erfahrung brachte, dass der Februar 1925 «Hornigwetter» brachte und erst am Ende des Monats spärlicher Schneefall – das Foto des ehemaligen Hotel Bellevue am Birsfelder Birsufer dürfte also von Ende Februar 1925 datieren. «Das sind wertvolle Informationen, die wir, einmal geprüft, in den Katalog einfügen werden», sagt Hagmann.

Ohne genaue Indexierung seien solche Aufnahmen schwierig auffindbar, oder zumindest nicht in der Art und Weise, wie wir es heutzutage gewohnt sind – per Volltextsuche à la Google. «Wer beispielsweise nach historischen Aufnahmen dieses Gebäudes sucht und ‹Hotel Bellevue› in die Suchmaske des Archivkatalogs eingibt, erhält keinen Treffer. Man müsste systematisch die Bildersammlung des Archivs nach Aufnahmen von Birsfelden durchsuchen.»

Diese Aufnahme konnte noch nicht identifiziert werden. Ist es ein religiöses Symbol oder ein astronomisches? Falls Sie es kennen, melden Sie sich beim Staatsarchiv.

Diese Aufnahme konnte noch nicht identifiziert werden. Ist es ein religiöses Symbol oder ein astronomisches? Falls Sie es kennen, melden Sie sich beim Staatsarchiv.

Der sechszackige Stern

Als einziges Bild nicht einwandfrei zugeordnet werden konnte ein Symbol auf einer Türschwelle (Bild rechts). Eine Blogleserin vermutet, dass es der Eingang einer Sternwarte sein könnte; ein Mitleser bekräftigt, dass diesem Hinweis nachgegangen werden sollte, weil es sich um einen sechszackigen Stern handelt und nicht, wie bei religiösen Symbolen üblich, um einen Fünfzackigen. Hagmann hat die Sternwarte bereits kontaktiert, jedoch ist die Antwort noch ausstehend.

Das seien Arbeiten, die hinter den anderen Aufgaben zurückstehen müssten, sagt er. Und betont, dass für dieses Pilotprojekt weder zusätzliche Stellenprozente noch Geldmittel verwendet wurden. Er betrachte das Projekt als eine Spielwiese, die nun eröffnet worden sei und auf der auch künftig weitere Versuchballons gestartet würden. «Davon profitieren ja alle. Das Staatsarchiv kann seine Kernaufgaben unterstützen, Informationen zu sichern, nutzbar und verständlich zu machen.

Und die Bevölkerung erhält einen Einblick in das Kulturerbe, das ihr gehört.» Von den regelmässigen Lesern des Staatsarchiv-Blogs habe er schon das Feedback erhalten, dass es schade sei, dass auf absehbare Zeit keine weiteren Bilder mehr folgen und dass es nicht wie in Zürich (siehe Box rechts) wöchentliche Bilderrätsel gebe.

«Langfristig wird das Thema Crowdsourcing aber sicherlich auch bei uns an Bedeutung gewinnen und auch wir werden alles daransetzen, da am Ball zu bleiben», sagt Hagmann und erzählt von Fotoarchiven, die derzeit aufbereitet werden, beispielsweise das Fotoarchiv Hoffmann mit rund einer halben Million Aufnahmen zwischen 1890 und 1994.

SP-Grossrat half auch mit

Dass aus dem Crowdsourcing-Versuch trotzdem bald mehr werden könnte, darauf deutet ein Gespräch mit dem vermutlich prominentesten Bilderdetektiv: SP-Grossrat Steffi Luethi. Er hat die Staatsarchiv-Serie aktiv verfolgt und auch mitgeholfen, einzelne Aufnahmen zuzuordnen. Und er sagt, dass er es sehr bedaure, dass diese Form der Informationsbeschaffung nicht fortgesetzt wird. «Ich werde eine Interpellation zum Thema einreichen und mich erkundigen, wie es da weitergehen könnte», sagt er.

Er sehe einen doppelten Nutzen: Einerseits würden die Bilder des Staatsarchivs besser durchsuchbar gemacht, andererseits würde auch die Bevölkerung motiviert, mit offenen Augen durch die Stadt zu gehen.

Den Blog des Staatsarchivs finden Sie unter blog.staatsarchiv-bs.ch