Es gibt so viele Vorfasnachtsveranstaltungen und Stubete. Für die Schnitzelbänkler sind es willkommene Proben und Generalproben vor zuweilen fachkundigem und designiertem Fasnachtspublikum.

Die Bänkler können ihre Verse testen, letzte Feinkonturen anbringen und vielleicht auch streichen, was die Schnitzelbankseele allemal schmerzt.
Im Hotel Drey Waggis - der fasnachtsaktuelle Name des «Trois Rois» – fand am Sonntag vor der Fasnacht ein ganz besonderer Anlass statt. Es ist zweifellos ein Edelstein, eine Rosine.
«Drey Königsbängg» heisst der Event.

Diese Veranstaltung – wenige Stunden vor dem grossen Bibbern – ist im 2012 entstanden; die graue Eminenz der Lufthylerwaggis, Pitt Buchmüller, ist bekanntlich Begründer der Umwandlung der drei Könige an der Fassade zu drei Waggis. Das ist ein gesellschaftlicher Anlass – immer am Donnerstag vor der Fasnacht – mit Feuerwehr und anschliessendem Bankett.

Pitt hatte die Idee, den schönen Saal des Hotels nicht bis am Montagabend der Fasnacht brach liegen zu lassen. Er hatte Eric Geiser an der Seite, der die Bänklerszene aus seiner aktiven Zeit sehr gut kennt – und zusammen mit der Hoteldirektion kam dieser Anlass zustande.

Über 200 Personen stehen um elf Uhr gut gelaunt im Foyer – trinken ein Glas und schon wird es ganz still; denn der erste Bank kommt, die Stächpalme, die das Eis bricht ... dann der Pierrot, nach dem Motto, einfach so allein, ja fast wie auf weiter Flur ... selig ...
Und natürlich der Peperoni mit seinem klassischen Auftritt und einem sensationellen Sommaruga-Toiletten-Vers – riesiger Apéro-Applaus.

Ein Festmahl der Bänke

Es ist angerichtet; freudig und die Herzen voller Fasnacht, geht die illustre Schar in den ehrwürdigen Ballsaal zur Vorspeise. Auf diesem Weg diskutieren die Leute über die ersten Bänkler und deren Umsetzung der Themen; Merkel, Darbellay, Blocher, Sommaruga, Wessels, Dürr, Mück, BVB, Jogi Löw, Post, Trump ... natürlich die «Basler Zeitung» und und ...
Nach der Vorspeise wieder die willkommenen Auftritte; Der Schnabelwetzer – mit neuem Kostüm und blidlichem Billetautomaten-Vers.

Die Schlyffstai – Verseschmiede die wunderbare, verschiedene Melodien vereinen. Das Schunggenbegräbnis – gesanglich auf sehr hohem Niveau mit dem klassischen Vierzeiler.
Dann der deutliche, klare, kräftige (auch in der Sprache) Spitzbueb – mit dem Schneider-Ammann-Vers, wow.

Nach dem Hauptgang der Dipflischisser – gefolgt vom Dr. FMH – allein schon die Praxisatmosphäre gibt einen Sonderapplaus ... ah jä. Und sein Schluss mit Wessels, der stundenlang im Kreisel steckt und ärztliche Hilfe benötigt. Die Ständerlampe und S’spitzig Ryyssblei runden die dritte Bankrunde ab.

Nach Dessert und Kaffee die ’goldigen’ Bangg-Ghaimnis – dann der Heiri mit dem stimmungsvollen Outfit und dem für ihn bezeichnenden Baselbieter-FCB-Värs; chapeau. Zum Schluss die Brunzguttere - und das Rollator-Rösli.

Einfach mehr als Spitze, was und wie die Bänkler auf der Bühne stehen und die Themen vortragen; melodisch und im geflügelten Basler Wort verpackt, wie es eben nur in Basel möglich ist ... Es scheint ein sehr guter Schnitzebankjahrgang zu werden.

Elegante Symbiose

Der Ballsaal ist eine Augenweide, gepaart mit einem wunderbaren Ambiente, das sich auf alle Gäste über die ganze Zeit überträgt. Dazu gehört der gepflegte Service, der Ablauf – während der Vorträge kein störender Service (das ist auch für die Bänkler wohltuend) – und auch die passende, kurze Moderation von Dani von Wattenwyl.

Ja, es sind auch eingefleischte Fasnächtler an diesem Anlass: Einer erzählt dr Hummele: «Ich habe die ganzen drei Tage keine Gelegenheit, Schnitzelbänke live zu sehen. An diesem Anlass hier geniesse ich 16 Vorträge. So ist zumindest mein Basis-Bedarf gedeckt.»

«Drey Königsbängg» ist die elegante Symbiose schon am Sonntag Schnitzelbänke zu geniessen – für aktive Fasnächtler, die danach nicht mehr dazu kommen, Bänke zu hören und für alle anderen, die Appetit auf mehr bekommen.