D Hummele

Und die Spreu trennte sich vom Weizen

Die Bänggler bieten heute alles – vom klassischen Vierzeiler bis zum musicalartigen Auftritt. Verschiedenste Melodien, begleitet von Instrumenten aller Couleur. Hier zu sehen: Stroossewischer

Was wollen Schnitzelbänggler? Ohne Zweifel Erfolg und Applaus. Davon gab es auch beim ersten Rundgang durch Keller und Lokale reichlich.

Die Fasnacht thematisiert, mobilisiert, motiviert – sie mag, soll und kann sarkastisch bis bitterböse sein. Sie ist eben Satire im ganz grossen Stil. Die Schnitzelbänggler sind Teil dieser Fasnacht und decken das alles ab – bildlich, gesanglich, musikalisch. Es sind über 100 an der Zahl. Organisierte und freie Bänggler (früher hiess es: «Wilde»).

Die Bänggler bieten heute alles – vom klassischen Vierzeiler bis zum musicalartigen Auftritt. Verschiedenste Melodien, begleitet von Instrumenten aller Couleur.

Die DNA des Bängglers?

Er will humorvoll sein, kreativ, überzeugen, belehren, ändern, Missstände aufdecken – einfach, kurz und klar, melodiös in Versform verpackt. D’ Hummele kennt keine Bänggler ohne narzisstische Züge. Ja, die Schnitzelbänggler sind sensibel, wollen geliebt, gefeiert, beklatscht werden. Sie stehen sehr gerne auf den Bühnen oder inmitten der dicht gedrängten Besucher in den Cliquenkellern.

Denn hinter jedem Vers steckt viel mentale Arbeit, verbunden mit Fragen: Ist das Thema (noch) aktuell? Ist das Thema einem breiten Publikum bekannt? Ist es humorvoll oder (zu) beleidigend? Stimmen Wortwahl, die Länge der Verse, das Versmass, der Dialekt? Fragen über Fragen. Dann der Auftritt. Das Publikum gibt mit dem Applaus die Note.

Was tun, wenn der Vers durchhängt? Nicht ankommt, nicht verstanden wird? Dazu kommen die unterschiedlichen Lokalitäten, vom kleinen, engen Cliquenkeller über die Schnitzelbankabende in den Restaurants bis zu den Theaterbühnen… Und so fliegt d’ Hummele nun los.

Im «Fauteuil» herrscht lange vor Beginn reges Treiben im Hof. Fröhliche Stimmung bei den Leuten, die Schnitzelbängg hören wollen. Der umtriebige Hausherr Claude Rasser schafft auch ausserhalb der Sitzreihen für Leute Platz, die im letzten Moment Tickets buchten. Franz Baur stimmt die «Fauteuil-Schar» in Versform auf den Schnitzelbangg-Abend ein.

Strofrichter, Ständerlampe, s’spitzig Ryssblei, Diplflischysser, Stächpalme begeistern zuweilen. Kein Zweifel: Die Bänggler sind spürbar am Beginn der Fasnacht, da und dort schleicht sich ein Versprecher ein und der eine oder andere Värs kommt nicht sooo wahnsinnig an. Das Publikum ist aber begeistert.

Im Hotel Basel ist zweifellos ein anderes Publikum, man sitzt nicht dicht gedrängt in Theaterbestuhlung, sondern in lockerer Stimmung am weiss gedeckten Tisch – eine Symbiose von Essen, Trinken und Schnitzelbangg-Genuss. Da gibt es zwischen den Vorträgen Gespräche mit dem Tischnachbarn – man kennt sich. Um 20.30 Uhr sind noch nicht viele Schnitzelbänggler gekommen. Die elf Schineblooser-Waggis annektieren förmlich den Keller. Sie intrigieren, wirbeln die Gästeschar förmlich durcheinander. Nach intensivem Intrigieren stimmen sie «Z’Basel an mym Rhy» an. Und der ganze Keller singt mit!

Die Dräggspatze treten ein und profitieren eindeutig von der nachhaltigen Schineblooser-Stimmung. Im dichtgedrängten «Lisettli» brillieren die Gasladärne, da widerspiegeln sich souverän 41 Jahre auf der Route – Chapeau!

Ein guter Jahrgang

Der Hummelflug geht weiter ins «Kohlmanns», das einem Fernsehstudio gleicht. Und die Gäste haben nichts dagegen, lachend in die Kamera schauen zu können. Alles ist streng organisiert. Bängge und Service kommen sich nicht in die Quere. Anggewegglimaitli und Hansli Bargäld geniessen den Auftritt, und das Publikum geniesst mit.

Die Hummel setzt um 23 Uhr zum letzten Flug an, einer der letzten Bängge im «Atlantis» sind die Drey-Daags-Fliege – herrlich der Värs vom Buschi ze der SVP.

D’ Hummele fliegt ins Haus. Es fehlen noch einige Bängge, aber die gehörten widerspiegeln einen guten Jahrgang. Und die Bänggler wissen selbst am besten, dass am Mittwoch die Spreu vom Weizen getrennt sein wird.

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